Einsatz in den Ställen
Als Tierärztin in einer Großtierpraxis auf dem Land ist für Stefanie Kaltenbach-Krewet (34) ein Wunschtraum in Erfüllung gegangen. Auch wenn im Umgang mit Rindern und Pferden schon mal körperlicher Einsatz gefragt und sie oft in Rufbereitschaft ist.
Stefanie Kaltenbach-Krewet könnte sich nicht vorstellen, in einer Kleintierpraxis zu arbeiten: "Ich möchte das Heu riechen können", sagt sie.
Foto: Privat
Die ersten Anrufe trudeln morgens ab halb acht ein, wenn Landwirte die Krankheiten ihrer Tiere anmelden: Ein krankes Kalb benötigt schnelle tierärztliche Hilfe, eine Kuh scheint Milchfieber zu haben. „Dann fehlt es dem Tier meist akut an Kalzium", erklärt Stefanie Kaltenbach-Krewet und packt gleich Infusionslösungen ins Auto ein. Und natürlich Stethoskop, Vitaminspritzen und Antibiotika. In manchen Notfällen müsse man vor Ort auch Blutproben nehmen und diese ins Labor schicken, sagt die Tierärztin. Sie plant ihre Strecke für den Tag und macht sich auf den Weg. „Gummistiefel sind unverzichtbar", weiß die 34-Jährige.
Von Hof zu Hof
Vor ihrem Studium der Veterinärmedizin an der Uni Gießen hat Stefanie Kaltenbach-Krewet eine Ausbildung zur Pferdewirtin absolviert. Dass sie in eine Großtierpraxis möchte, war ihr schon während des Studiums klar. Über Umwege ist sie dann bei ihrem jetzigen Arbeitgeber, der Großtierpraxis András Tóth im hessischen Trendelburg, gelandet.
„Es ist eine reine Fahrpraxis. Praxisräume gibt es nicht, nur eine tierärztliche Hausapotheke", erklärt sie. Dies bedeutet, dass sie im Umkreis von 30 Kilometern immer mit dem Auto unterwegs ist und von Bauernhof zu Bauernhof fährt. Da kommen schon mal 120 Kilometer an einem Tag zusammen. „Das Herumfahren finde ich total schön, ich mag die Landschaft, die Landwirte und natürlich die Tiere; es ist wie eine große Familie." In einer Kleintierpraxis könne sie nicht arbeiten: „Ich möchte das Heu riechen können!" Während der Behandlung der Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen, Schweine oder gar Kamele bleibt manchmal auch Zeit für einen kurzen Schnack mit den „Patientenbesitzern". Und mitunter bekommt sie als Dank auch mal zehn frische Eier geschenkt.
Sonntagsdienst
Spezialisiert ist Stefanie Kaltenbach-Krewet auf die künstliche Besamung bei Kühen. „Besamungen finden täglich statt, auch an Sonntagen", erklärt sie. Wenn ein Landwirt die Besamung in der Praxis angemeldet hat, fährt die Veterinärin los. Im Gepäck: eine Art Topf mit dem bei minus 196 Grad tiefgefrorenen Samen von Schwarzbunten, Rotbunten, Limousin- oder Jersey-Rindern. „So können Landwirte, die meistens keinen Bullen haben, sich den Spendersamen aussuchen und die Nachzucht gezielt auswählen." Außerdem dabei: ein Auftaugerät und die Besamungspistole mit einem eingesteckten Röhrchen. „Das wird direkt in den Gebärmutterhals der Kuh gebracht", erklärt die Tierärztin. Wichtig dabei sei, dass bei der Kuh der optimale Zeitpunkt für die Besamung gegeben ist, erklärt sie.
Dann ruft auch schon der nächste Termin: Der Labmagen einer Kuh (also neben Pansen, Netzmagen und Blättermagen der vierte Magen eines Wiederkäuers) hat sich verlagert und ist auf die Seite gewandert. Die Kuh wird eingeschnürt, damit sie sich nicht bewegt, und dann wird „getoggelt": „Beim Toggeln wird der Magen durch die Bauchwand hindurch wieder innen festgenäht, so dass er nicht mehr aufsteigen kann", erläutert Stefanie Kaltenbach-Krewet. Die Arbeit mit den Großtieren macht ihr Spaß, auch wenn sie zugibt: „Man braucht oft Kraft und muss die Technik beherrschen."

