Themen

Rubrik Lehrer und Eltern


Versenden Drucken PDF
Ghostwriterin

Schreiben für's Reden

Dass sich nach einer gelungenen Rede aus ihrer Feder andere den Lorbeerkranz aufsetzen und den Applaus genießen, stört Caroline Waldeck nicht. "Im Rampenlicht sollte man nicht stehen wollen", meint die 32-Jährige, die für deutsche Politiker als Ghostwriterin arbeitet. "Man lässt demjenigen den Vortritt, für den man schreibt."

schwarz-weiße Porträt-Aufnahme von Caroline Waldeck mit halblangem blondem Haar.

Eloquent im Hintergrund: Als Ghostwriterin legt Caroline Waldeck anderen gewählte Worte in den Mund.

Foto: Privat

Wenn die Zuhörer anfangen zu gähnen, ist es meist schon zu spät. „Zu einer guten Rede gehört es, dass das Publikum vom Anfang bis zum Schluss am Ball bleibt und von den Worten gefesselt ist“, erklärt Caroline Waldeck. Als freiberuflich tätige Redenschreiberin legt die 32-Jährige Firmenchefs oder auch Politikern die richtigen Worte und manchmal auch Argumente in den Mund – ohne dass ihr eigener Name jemals öffentlich genannt wird. Denn das wäre schlecht für's Geschäft: Wer gibt schon gerne zu, dass er zwar ein Unternehmen führen kann, ihm aber die richtigen Worte für den großen Auftritt fehlen? Und wer hat schon die Zeit, an einem Redebeitrag zu feilen? „Diskretion ist Pflicht“, heißt denn auch das wichtigste Arbeitsprinzip der Ghostwriterin – über ihre Auftraggeber verrät sie nichts.

Politische Kommunikation statt Journalismus

Nach ihrem Studium der Philosophie und der Volkswirtschaftslehre in München und in Padua, das sie mit einem Magistertitel abschloss, wollte Caroline Waldeck eigentlich Journalistin werden und ein Volontariat absolvieren. „Doch damals waren Volontariate nur schwer zu bekommen“, sagt sie. Also orientierte sie sich um, entschied sich für den Bereich politische Kommunikation und bewarb sich kurzerhand im Berliner Abgeordnetenbüro der Bundestagsabgeordneten Kristina Schröder. „Ich habe fünf Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet“, blickt Caroline Waldeck zurück. Sie verfasste Pressemitteilungen, bereitete Sitzungsunterlagen vor – und entdeckte ihre Liebe zum Redenschreiben. Auch hier nennt sie keine Namen und gibt nur über ihre erste Rede preis, die vor den Bundestagsplenum gehalten wurde: „Ich fand es sehr spannend zu merken, wie man mit Argumenten überzeugen kann.“

Nach einer Babypause im Jahr 2004 reduzierte sie ihren Vollzeitjob, um Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Zwischenzeitlich gewann sie einen Nachwuchspreis für die beste politische Rede. „Das verschaffte mir natürlich einen kleinen Wettbewerbsvorteil.“ 2007 wechselte sie schließlich in die Abteilung Presse und Kommunikation der Bundestagsverwaltung – und verfasst seither Reden für einen Politiker, den in Deutschland jeder kennt. Demnächst kehrt sie zu ihrer ehemaligen Arbeitgeberin Kristina Schröder fzurück, die mittlerweile Bundesfamilienministerin ist.

Keine Rede ohne Briefing

Ob im Namen von Politikern, Verbandsfunktionären oder Firmenchefs: „Das Redenschreiben ist etwas Individuelles", erklärt Caroline Waldeck. Manche ihrer Kunden legen dabei großen Wert auf ein detailliertes Briefing, bei anderen reichen ein paar Stichpunkte. Noch bevor die erste Zeile geschrieben ist, müssen Fragen beantwortet werden: Wer ist die Zielgruppe, wer sitzt im Publikum, welchen Typus repräsentiert der Redner? „Danach wird mit dem Auftraggeber die Kernbotschaft abgestimmt, ich entwickle das Redegerüst und die Argumentation und recherchiere Inhalte“, erläutert die Ghostwriterin und fügt hinzu: „Die Kunst liegt darin, in vielen Details das Wesentliche zu erkennen und Dinge auf den Punkt zu bringen.“

Die Rede sollte dabei immer zum Redner passen. „Wenn sie nicht authentisch wirkt, wenn es nicht seine Sprache ist, dann ist sein Vortrag unglaubwürdig. Damit ist das Redeziel verfehlt“, weiß Caroline Waldeck. Deshalb sei es wichtig, ein Gespür für den Redner und vor allem für die Sprache zu haben. „In einer guten Rede ist Kreativität gefragt, es soll aber immer auch neuer thematischer Aspekt dabei sein.“ Humor sieht sie als „Sahnehäubchen“ einer Rede: Ironische Wendungen wollen gut platziert sein, und nur ab und zu streut sie eine amüsante Anekdote ein, mit der der Laudator oder Redner vor dem Auditorium eloquent glänzen wird.

Für den Beruf des Ghostwriters müsse man zudem bereit sein, sich regelmäßig und schnell in neue Themen einzuarbeiten und über das aktuelle Zeitgeschehen gut informiert zu sein. Mit Zeitdruck hat Caroline Waldeck längst gelernt umzugehen. Denn nicht immer bleiben ihr mehrere Wochen Zeit, um die richtigen Worte zu finden: Manchmal muss eine perfekte Rede auch innerhalb von zwei Tagen getextet sein.

  Erweiterte Suche

News RSS-Feeds abonnieren (Öffnet sich in neuem Fenster)

Berufliche Pläne von Juristen

Wo wollen ITler arbeiten?

Events

Fachtagung und Jugendmesse ehrenamtliches Engagement

azubi- & studientage Magdeburg 2010

Veranstaltungsübersicht

Links & Infos