"Second Life ist kein Ersatz für die Präsenzlehre"
Diplom-Pädagoge André Mersch leitet zusammen mit zwei Kollegen das Projekt "E-Learning 3D" an der Universität Bielefeld. abi>> hat mit ihm über die Potenziale und Zukunftsaussichten von Second Life gesprochen.
abi>>: Immer mehr Hochschulen entdecken Second Life für ihre Lehre, wird es bald nur noch Vorlesungen in Second Life geben?
André Mersch: Nein. Second Life wird die Präsenzlehre niemals ersetzen können. Der direkte menschliche Kontakt ist einfach zu wichtig. Ein großer Vorteil von Second Life ist jedoch die Möglichkeit ortsunabhängig zu lernen. Egal, wo man wohnt oder sich gerade aufhält - man trifft sich in einem virtuellen Raum und spart sich so auch Anfahrtskosten. Bisher wird Second Life vor allem zu Forschungs- und Projektzwecken genutzt. Ein flächendeckender Einsatz an Universitäten wird noch eine Weile dauern.
abi>>: Welche Erkenntnisse haben Sie bisher über Second Life gewonnen?
André Mersch: Ein sehr großes Potenzial von Second Life ist die gemeinsame Nutzung eines virtuellen Raumes. Dies führt zu einer stärkeren sozialen Präsenz, die eher zur Kommunikation anregt als in anderen internetbasierten Lernplattformen. Dieser Aspekt wird von Nutzern im E-Learning als besonders wichtig eingeschätzt. Ein weiterer Vorteil ist die so genannte Immersion, d.h. das Hineintauchen in diese virtuelle Welt. Wir glauben, dass dies die Motivation der Nutzer erheblich erhöht. Ein großer Nachteil ist die aufwändige Technik. Der Nutzer sollte technisch versiert sein oder zumindest schon Erfahrungen mit internetbasierten Plattformen haben.
abi>>: Nach einem Hype im vergangenen Jahr haben einige Unternehmen und User ihre Aktivitäten in SL wieder eingestellt. Welche Zukunftsaussichten prophezeien Sie der 3-D-Welt?
André Mersch: Ein Rückgang ist, wissenschaftlich gesehen, ganz natürlich. Ich glaube aber, dass die Kurve wieder ansteigen wird. Erinnern wir uns doch mal daran, wie es anfangs mit dem Internet war. Damals gab es auch Skeptiker und nur wenige reservierten sich sofort eine eigene Homepage. Heute kann nahezu jeder eine Internetpräsenz vorweisen. Auch arbeiten bereits IT-Firmen wie IBM an neuen 3D-Softwares. In den nächsten zwei Jahren kann also noch sehr viel passieren.


