Hanna Limbrunner wirkt höflich, natürlich, nicht aufgesetzt. Und genauso wollte sie auch in den Vorstellungsgesprächen bei möglichen Arbeitgebern rüberkommen. Tipps zum Auftreten, und mit welchen Fragen sie rechnen müsse, bekam sie im Bewerbungstraining in der elften Klasse: „Gängig sind Fragen über den Beruf, den man ergreifen möchte, über das Unternehmen selbst, angefangen von der Produktpalette bis hin zur Unternehmensgeschichte.“
Schon für ihre schriftlichen Bewerbungen hatte sie auf den Internetseiten über die sechs Unternehmen, bei denen sie sich bewerben wollte, Informationen eingeholt: „In der jeweiligen Einladung zum Vorstellungsgespräch schickten die Firmen noch Broschüren mit, die ich gründlich gelesen habe“, erzählt sie. Über das Berufsbild Industriekauffrau hatte sie sich unter anderen in dem Buch „Studien- und Berufswahl“ der Bundesagentur für Arbeit informiert.
Neben den Fragen wurde im schulischen Bewerbungstraining auch über den Verhaltenskodex gesprochen: „Es ging um Grundsätzliches, etwa, dass man bei der Begrüßung und im Gespräch den Blickkontakt hält, sich gerade hinsetzt, sich nicht auf die Stuhlkante kauert, so als wollte man gleich weglaufen.“ Soweit die Theorie. „Das in der Situation dann so umzusetzen, ist gar nicht so einfach. Als es soweit war, habe ich nicht bewusst daran gedacht, die Hände ruhig auf den Tisch zu legen, es dann aber automatisch getan“, erinnert sich die 18-Jährige.
Klassiker: Fragen nach Stärken und Schwächen
Je nach Unternehmen nahmen ein bis fünf Personen an den Vorstellungsgesprächen teil, die in der Regel etwa 20 bis 30 Minuten dauerten: „Es fühlt sich aber viel länger an“, räumt sie ein. Wie erwartet wollte jeder Gesprächspartner wissen, warum sie sich ausgerechnet bei seinem Unternehmen bewerbe: „Ich habe mich auf die Ausbildungsmesse an unserer Schule bezogen und kurz argumentiert, warum mir der Auftritt gut gefallen hat – was ja auch stimmte. Ich wollte auf jeden Fall vermitteln, dass ich mich für das Unternehmen interessiere und mich vorab erkundigt habe.“
Dass sie ausgerechnet ihr erstes Gespräch bei ihrem favorisierten Unternehmen, der Otto Dunkel GmbH in Mühldorf, hatte, empfand sie als Nachteil: „Es wäre gut gewesen, mit etwas mehr Übung in das Gespräch reinzugehen.“ Sicherheit gab ihr, dass sie eine der beiden Interviewerinnen bereits aus einem Praktikum kannte, und auch, dass die gestellten Fragen wirklich die waren, auf die sie sich vorbereitet hatte. Ein Klassiker ist zum Beispiel die Frage nach den eigenen Stärken und Schwächen: „Bei den Schwächen geht es darum, dass ich eine eigentlich positive Eigenschaft ins Gegenteil verkehre. Bei mir ist das etwa mein Drang nach Perfektionismus. Der steht mir manchmal im Weg und sorgt dafür, dass ich ungeduldig werde.“ Nicht immer lief alles nach Plan. Bei einem anderen Unternehmen ist sie über das aktuelle Zeitgeschehen ausgefragt worden: „Ich habe damit nicht gerechnet und war verunsichert. Trotz der Aufregung habe ich versucht, ruhig zu bleiben, nicht einfach drauflos zu reden.“
Damit sie sich in der Bewerbersituation möglichst wohl fühlt, hat sie sich bei der Wahl ihrer Kleidung nicht für einen schicken Hosenanzug oder ein Kostüm entschieden, sondern für eine elegante schwarze Hose und eine Bluse: „Alles andere hätte nicht zu mir gepasst, und ich wollte mich nicht verstellen.“ Zwar wurde ihr geraten, das Vorstellungsgespräch in einem Rollenspiel vorab zu üben, doch sie lehnte ab: „Ich hätte das nicht als Ernstfall ansehen können, aber eine Freundin von mir hat das gemacht und ihr hat es geholfen.“ Ihr Tipp: „Ich habe mir meine Antworten in Gedanken vorformuliert und zur Übung laut ausgesprochen.“
Am Ende war Hanna Limbrunner erfolgreich: Bei der Otto Dunkel GmbH hat sie den Ausbildungsplatz als Industriekauffrau bekommen.






