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Soll jeder studieren?

Studierende im Hörsaal
Wer zum Beispiel Arzt oder Apotheker werden möchte, muss studieren. Diese Berufe erreicht man nur über die Uni.
Foto: Martin Rehm

Meinung

Soll jeder studieren?

Ist der Weg an die Hochschule tatsächlich der richtige für jeden, der das Abitur in der Tasche hat? abi» hat Bildungsexperten und Schüler zu ihrer persönlichen Meinung zu diesem Thema befragt.

Roger Wurm, Projektleiter Hochschulkompass bei der Hochschulrektorenkonferenz:

Ein Portät-Foto von Roger Wurm

Roger Wurm

Foto: Privat

Wenn es um die Entscheidung über den eigenen Bildungs- und Berufsweg geht, müssen vor allem die persönlichen Neigungen und Talente zählen. Man sollte dabei beide Optionen – Ausbildung im dualen System oder Studium – als gleichwertig sehen. Kein Experte kann wirklich prognostizieren, wie der Arbeitsmarkt in fünf oder zehn Jahren aussieht. Wer aber in dem, was er gelernt hat, gut ist und aufgeht, wird seinen Weg erfolgreich gehen. Flexibilität und Weiterbildung gehören heute immer dazu.

Prof. Dr. Michael Heister, Leiter der Abteilung „Berufliches Lehren und Lernen, Programme und Modellversuche“ am Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB):

Ein Porträt-Foto von Prof. Dr. Michael Heister

Prof. Dr. Michael Heister

Foto: Privat

Nicht jeder, der die formale Berechtigung dafür erworben hat, sollte unbedingt ein Studium beginnen. Sicherlich liegt es nicht jedem jungen Menschen, nach der Schulzeit noch einmal mindestens drei Jahre weitgehend theoretisch zu lernen. Als Alternative bietet sich eine praxisorientierte, duale Berufsausbildung an, die auch sehr anspruchsvoll sein kann – beispielsweise in den Berufsfeldern Elektrotechnik oder Hörgeräteakustik. Absolviert man zusätzlich etwa einen Meisterlehrgang, hat man ebenfalls recht gute Karrierechancen und Verdienstperspektiven, kann unter anderem einen eigenen Betrieb führen.

Nils Pollmeyer, Corporate Human Resources, Talent Attraction bei der Carl Zeiss AG

Ein Porträt-Foto von Nils Pollmeyer

Nils Pollmeyer

Foto: Privat

Unternehmen im Technologiebereich wie wir müssen ihren Innovationsvorsprung Tag für Tag verteidigen. Dazu suchen sie hervorragende Forscher und Entwickler, die sie unter den besten Hochschulabsolventen finden. Die Firmen benötigen aber ebenso qualifizierte Fachkräfte in technischen Ausbildungsberufen. Hier brauchen wir erstklassige Absolventen des dualen Systems mit Ausbildung in Unternehmen und Berufsschule, einem Berufsweg mit Zukunft und attraktiven Entwicklungsmöglichkeiten. Das Abitur ist auch hierfür die beste Voraussetzung.

Madlen Starke, Schülerin der zwölften Klasse des Gymnasiums Dresden-Plauen:

Ein Porträt-Foto von Madlen Starke

Madlen Starke

Foto: Privat

Ich persönlich sehe die steigende Akademisierung kritisch. Es studieren sehr viele junge Menschen. Demzufolge gibt es offene Ausbildungsstellen, vor allem in Handwerksberufen. Mir scheint, auch das Ansehen von Ausbildungsberufen ist nicht so hoch wie das von Studienberufen, was ich schade finde. Dabei stimmt das Klischee nicht, dass jemand, der nicht studiert hat auch gleichzeitig nicht intelligent ist.

 

Torsten Köhler, Geschäftsführer Bildung der Industrie- und Handelskammer Dresden:

Ein Porträt-Foto von Torsten Köhler

Torsten Köhler

Foto: Jan Gutzeit

Unsere Erfahrungen haben gezeigt: Wenn man reibungslos in einen Beruf einsteigen will, ist es günstig, mit einer dualen Berufsausbildung zu beginnen und diese durch eine berufliche Höherqualifizierung, also beispielsweise zum Meister oder Fachwirt, oder durch ein Studium zu ergänzen. Bieten Firmen Lehrstellen an, bedeutet das in der Regel, dass in diesen Branchen Arbeitskräfte gebraucht werden. Beginnt man ein Studium, wählt man sein Fach zwar ebenfalls nach den persönlichen Wünschen und Neigungen, und hat den Arbeitsmarkt aber unter Umständen weniger im Blick.

abi>> 02.10.2015