Den Kompass ausrichten

Mann mit Kompass zur Orientierung und Flächeneinmessung des Forstbetriebs.
Nach dem Abi schlägt Ihr Kind den eigenen Weg ein. Um die richtige Richtung zu finden, braucht es Infos und Ihre Unterstützung.
Foto: Helge Gerischer

Orientieren

Den Kompass ausrichten

Nach dem Abitur steht Ihrem Kind die Welt offen. Doch was kommt als nächstes? Studium, Ausbildung oder erst mal eine Auszeit? Oft ist es gar nicht so leicht, die richtige Entscheidung für den ersten Schritt ins Berufsleben zu treffen. Wie es gelingen kann und Sie Ihre Kinder dabei unterstützen können, zeigt abi» im Folgenden.

Unter den zahlreichen Ausbildungen oder den rund 9.000 grundständigen Studiengängen das Richtige für sich zu finden, ist eine große Herausforderung. „Viele Schülerinnen und Schüler sehen bei all den Möglichkeiten den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr“, sagt Peter Schröder, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Osnabrück. „Berufliche Orientierung ist keine Prüfung mit einem Termin, sondern eine wichtige Phase in der Lebenswegplanung, für die man sich freie Zeit einplanen sollte.“

Frühzeitig informieren

Mit einer strukturierten Berufswegplanung sollte man nach Ansicht des Berufsberaters am besten mindestens drei Jahre vor der Schulentlassung beginnen. „Es ist klug, diese Aufgabe rechtzeitig und systematisch anzugehen“, ist Peter Schröder überzeugt. Erste Ideen für den eigenen Werdegang erhalten viele beispielsweise schon im Elternhaus, durch ein Schulpraktikum, Lieblingsfächer in der Schule oder auch inspiriert durch ein Hobby.

Porträtbild von Peter Schröder

Peter Schröder

Foto: privat

In der Studien- und Berufsberatung nutzt Peter Schröder verschiedene Methoden, um dem Berufswunsch der Schülerinnen und Schüler auf die Spur zu kommen. „Hierfür benutzen wir beispielsweise eine Entscheidungsmatrix oder das Selbsterkundungstool der Bundesagentur für Arbeit“, sagt Peter Schröder. Das Selbsterkundungstool nimmt sowohl kognitive und fachliche Kenntnisse als auch Interessen, berufliche Vorlieben und soziale Kompetenzen unter die Lupe. Insgesamt bearbeiten die Schülerinnen und Schüler vier Module, in denen sie ihre eigenen Fähigkeiten selbst einschätzen und Aufgaben zu Denkgeschwindigkeit, räumlichem Vorstellungsvermögen, Text- und mathematischem Verständnis lösen. Je nach Auswahl erhalten sie konkrete Vorschläge für passende Studienfelder oder Ausbildungsberufe.

Seriöse Informationen im Netz

Online-Portale wie abi>> und Studienwahl bieten umfassende und gut strukturierte Informationen zur Berufsorientierung sowie ausführliche Studienfeldbeschreibungen. Auf den Seiten berufsfeld-info.de, BERUFENET und BERUFE.TV finden Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern, umfassende Informationen über einzelne Berufe und Ausbildungswege. Auch der Berufswahlfahrplan hilft bei der beruflichen Orientierung. „Zudem empfehlen wir gerne die App ‚AzubiWelt‘“, berichtet Peter Schröder.

Schülerinnen und Schüler, die sich beruflich beraten lassen möchten, sollten sich unbedingt bei der Berufsberatung der örtlichen Agentur für Arbeit melden und einen Termin vereinbaren. Dies geht wahlweise mittels der Servicehotline der Bundesagentur für Arbeit, über die Internetseite arbeitsagentur.de oder bei einem persönlichen Besuch der nächsten Agentur für Arbeit. Zu den Terminen – in der Agentur für Arbeit oder auch in der Schule – können Eltern ihre Kinder gerne begleiten. Ein Erstkontakt mit den Beratern der Agentur ist bereits in den Schulsprechstunden möglich. Auskünfte dazu gibt das jeweilige Schulsekretariat.

Genau informieren

Bevor man sich für ein Studium oder eine Ausbildung entscheidet, ist es wichtig, sich genau zu informieren. „Bei einigen Studiengängen kann ein Titel mehr versprechen als inhaltlich geboten wird. In den Modulbeschreibungen hingegen bekommen die Schülerinnen und Schüler einen genauen Eindruck von den einzelnen Fächern, den Semesterstunden pro Fach oder wann ein Auslandssemester geplant ist“, erklärt der Berufsberater.

Auch die Berufsperspektiven nach Studium und Ausbildung sollte man bei seiner Wahl nicht aus den Augen verlieren. Auf Messen zur Berufsorientierung können Schülerinnen und Schüler in ungezwungener Atmosphäre Informationen über Berufe einholen. Auch Tage der offenen Tür in Hochschulen, Unternehmen oder auch den Industrie- und Handels- sowie den Handwerkskammern sind eine gute Gelegenheit, sich über Berufsperspektiven zu informieren.

Auszeit nutzen

Wer sich auch nach dem Abitur noch nicht auf einen Weg festlegen kann, dem empfiehlt der Berufsberater beispielsweise ein Praktikum im In- oder Ausland. „Dies kann sogar eine Vorbereitung auf weitere berufliche Aktivitäten sein“, sagt Peter Schröder. „Auch ein Freiwilligendienst – etwa ein Freiwilliges Soziales Jahr, ein Bundesfreiwilligendienst oder Freiwilliger Wehrdienst – oder eine andere Überbrückungsmöglichkeit bietet sich an. Hier findet man Zeit, neue Perspektiven zu entwickeln, kann etwas ausprobieren und tut zudem etwas Gutes.“ Eine duale Berufsausbildung kann ebenfalls eine Möglichkeit sein, um vor dem Studium praktische Erfahrung zu sammeln.

Wie man die Zeit zwischen Schule und Studium sinnvoll nutzen kann, zeigt auch die Übersicht über Überbrückungsmöglichkeiten. Informationen über regionale Anbieter mit Listen gibt es in der Berufsberatung oder in den Berufsinformationszentren (BiZ) der Agenturen für Arbeit.

Plan B

Sollte es mit dem Platz für den Wunschstudiengang doch nicht klappen, ist es gut, einen Plan B in der Tasche zu haben. „Es gibt nichts, was nicht doch mal passieren kann. Für solche Fälle ist es gut, eine Alternative parat zu haben. Das kostet nichts, bringt aber Sicherheit“, rät Peter Schröder. „Auch dann, wenn das Abitur nicht erreicht wird und Schülerinnen und Schüler bereits in der zehnten, elften oder zwölften Klasse abgehen, sind Eltern eingeladen, mit ihren Kindern in die Berufsberatung zu kommen.“

Berufsberatungen der Agentur für Arbeit

Einen Termin vereinbaren…
… per Telefon: 0800 4555500
… per Kontaktformular

 

Berufswahl­fahrplan

Was will ich werden?

Es ist so weit: Endlich hast du das Abitur in der Tasche und kannst mit Studium oder Ausbildung loslegen! Aber halt: Welche Studiengänge und Ausbildungen kommen infrage? Und wie entscheidest du, was das Richtige für dich ist? Die Antworten auf diese und weitere Fragen findest du im abi>> Berufswahlfahrplan.

 

 

Weißt du eigentlich, wie viele Studienmöglichkeiten es gibt? Das Portal studienwahl.de listet aktuell rund 9.000 grundständige Studiengänge – Bachelor, Staatsexamen, Diplom und Co. Hinzu kommen fast 330 duale Ausbildungsberufe sowie eine große Anzahl schulischer Ausbildungsgänge. Toll, dass es so eine große Auswahl gibt. Da ist für jeden was dabei! Doch zunächst einmal ist gute Orientierung nötig.

Es braucht vor allem zwei Dinge: Genügend Zeit und einen guten Plan

Tatsächlich ist es am besten, wenn du bereits im vorletzten Schuljahr damit beginnst, dich mit deiner Berufswahl auseinanderzusetzen. Im Abschlussjahr gibt es schließlich genug andere Dinge zu tun. „Das richtige Studium oder die richtige Ausbildung zu finden, ist ein Prozess, den man Schritt für Schritt machen sollte. Es lohnt sich, sich immer wieder damit zu beschäftigen“, weiß Jörg-Michael Wenzler, Studien- und Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Esslingen. Vor allem solltest du nicht unterschätzen, dass dein „Wunschberuf“ von vor einem Jahr vielleicht gar nicht mehr zu deinen heutigen Plänen für die Zukunft passt.

Darauf weist auch Nadine Nottbeck von der Zentralen Studienberatung Osnabrück hin: „Pläne können sich ändern. Zum Beispiel wenn man merkt, dass man falsche Vorstellungen von einem Studiengang hatte. Da sollte noch genug Zeit bleiben, sich neu zu orientieren.“

Alles beginnt mit dir

Bei der Berufswahl gibt es zwei Faktoren, die die Entscheidung maßgeblich beeinflussen: Die sogenannten inneren und äußeren Kriterien. Zu den inneren Kriterien zählen zum Beispiel deine persönlichen Stärken und Interessen, zu den äußeren hingegen etwa die Zulassungsvoraussetzungen der Hochschulen oder die Anforderungen der Unternehmen.

In den vielen Beratungsgesprächen, die Jörg-Michael Wenzler bereits geführt hat, stellt er eine Sache immer wieder fest: „Manche meinen, ihre Interessen und Fähigkeiten seien gar nicht so wichtig, und schauen zuerst darauf, wie gut die Chancen am Arbeitsmarkt oder die Verdienstmöglichkeiten sind.“ Diese Erfahrung hat auch Nadine Nottbeck gemacht: „Oft prüfen die Schüler zuerst die Fakten. Ist dann zum Beispiel die Zulassungshürde zum Wunschstudiengang sehr hoch, sind viele verunsichert und wählen etwas anderes.“ Beide Experten empfehlen, zuerst bei sich selbst anzufangen und anschließend die wichtigsten Informationen zum gewünschten Studium oder zur favorisierten Ausbildung zusammenzutragen. Denn häufig tut sich auf diese Weise noch ein alternativer Weg zum Ziel auf.

Fristen setzen, nicht verzetteln

Du hast noch gar keine konkreten Vorstellungen, wie deine berufliche Zukunft einmal aussehen soll? Keine Sorge! Damit bist du nicht allein. Auch in diesem Fall ist es sinnvoll, schrittweise vorzugehen. Stelle dir selbst Fragen zu deiner Zukunft: Was möchtest du beruflich einmal erreichen? Was ist dazu nötig? Sammle erste Informationen, die dir bei der Beantwortung der Fragen helfen können.

Um deinen Interessen und Fähigkeiten auf die Spur zu kommen, kannst du das Selbsterkundungstool (SET) der Bundesagentur für Arbeit nutzen.

Und noch ein Trick, der dir dabei hilft, dich nicht zu verzetteln: Setze dir Fristen, bis wann du ein bestimmtes Detail klären willst. Eine gute Vorlage, was du wann erledigen solltest, bietet der gelbe abi>> Berufswahlfahrplan.

Und die folgenden fünf Stationen erläutern, wie du Schritt für Schritt bei der Studienwahl vorgehen kannst. Bei jeder Station findest du Links zu weiterführenden Artikeln im abi>> Portal oder zu anderen Internetangeboten.

Hinweis: Du kannst die fünf Stationen der Reihe nach durchgehen oder du steigst direkt an dem Punkt ein, der dich besonders interessiert. Es ist schließlich deine Entscheidung!

Tipp

Unter www.arbeitsagentur.de/bildung/studium bzw. www.arbeitsagentur.de/bildung/ausbildung findest du zwei Leitfäden, die dir helfen, schrittweise den richtigen Weg für dich zu finden.

 

Abiturienten können sich mit ihren Anliegen auch persönlich bei ihrer örtlichen Agentur für Arbeit beraten lassen. Dort gibt es sogenannte Teams für akademische Berufe. Die Beratung kostet nichts, du musst nur vorab einen Termin vereinbaren. Das geht entweder unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 4 5555 00 oder über das Kontaktformular im Internet.

 

Checkliste

Bester Sound auf allen Wegen

Nach dem Abitur eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten für den Start ins Berufsleben: Ausbildung, Studium oder vielleicht ein duales Studium? abi» hat Argumente für alle drei Wege gesammelt.

Ausbildung

  • Praktisches Arbeiten: Wer genug vom langen Lernen in der Schule hat und endlich selbst arbeiten möchte, für den ist eine Ausbildung das Richtige. Die praktische Arbeit steht im Vordergrund und Hintergrundwissen aus der Berufsschule kann gleich angewendet werden.
  • Geld: Auszubildende in Betrieben oder im öffentlichen Dienst bekommen für die Arbeit, die sie leisten, ein Gehalt. Für viele ist dies der erste wichtige Schritt in Richtung mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit vom Elternhaus.
  • Übernahme: Mit einer Ausbildung ist man schon mal „drin“ im Unternehmen und hat meist gute Chancen auf eine Übernahme. Durch die Arbeit während der Lehrzeit hat man auch die Möglichkeit, gute Kontakte zu weiteren Arbeitgebern in der Branche zu knüpfen.
  • Karriere: Mit einem Ausbildungsabschluss hat man viele Möglichkeiten, sich weiter zu qualifizieren. Weiterbildungen, etwa zum Meister oder Techniker, eröffnen die Möglichkeit, in gehobeneren Positionen zu arbeiten oder sogar einen eigenen Betrieb zu führen.
  • Grundlage fürs Studium: Die praktische Qualifikation bietet eine gute Grundlage für ein Studium, in dem die Theorie vertieft wird. Studierende mit einer Ausbildung wissen dann schon, wo dieses theoretische Wissen zur Anwendung kommt. Häufig besteht auch die Möglichkeit, ein berufsbegleitendes Studium aufzunehmen.

Studium

  • Intensives Lieblingsfach: Bis zum Abitur sind Kenntnisse in vielen Fächern gefragt. Im Studium kann man sich auf das Fach konzentrieren, das einen wirklich interessiert und sich intensiv damit auseinandersetzen.
  • Bestimmtes Berufsziel: Wer Arzt, Rechtsanwalt oder Architekt werden möchte, kann dieses Berufsziel nur über ein Studium erreichen. Einige Berufe setzen einen Hochschulabschluss als Qualifikationsgrundlage voraus.
  • Geld: Akademiker verdienen im Laufe ihres Berufslebens im Schnitt mehr als Fachkräfte mit einem Ausbildungsabschluss. Auch wenn es während des Studiums noch kein Geld gibt, so sind die Aussichten auf mehr Gehalt mit dem Berufseinstieg höher. Der Verdienst ist allerdings auch immer von der jeweiligen Branche abhängig.
  • Entfaltungsmöglichkeiten: Viele Studierende ziehen aus dem Elternhaus aus, um in einer anderen Stadt ein Studium aufzunehmen und lernen so, auf eigenen Beinen zu stehen und ihren Studienalltag selbst zu organisieren.
  • Karriere: Verantwortungsvolle Führungspositionen werden meist mit Hochschulabsolventen besetzt. Das Studium stellt somit eine wichtige Qualifikation auf dem Weg nach oben dar.
  • Eigene Richtung: Da es im Studium mehr Wahlbereiche gibt und die Inhalte nicht so strikt vorgegeben sind, hat man mehr Möglichkeiten, sich selbst auszutesten – und dann die Richtung zu finden, die zu einem passt.

Duales Studium

  • Theorie und Praxis: Wer gerne praktisch arbeitet, aber trotzdem auf eine intensive theoretische Grundlage nicht verzichten möchte, für den ist das duale Studium eine Alternative. Es bietet die Kombination aus Studium und Praxisphasen, in denen das Wissen gleich zur Anwendung kommt.
  • Zwei Abschlüsse: Bei ausbildungsintegrierenden Varianten des dualen Studiums können sogar zwei Abschlüsse erlangt werden: der Studienabschluss an der Hochschule und der Ausbildungsabschluss im Betrieb.
  • Geld: Während des Studiums erhält man für die praktischen Tätigkeiten im Betrieb in der Regel ein Gehalt. Nach dem Abschluss sind die Absolventen des dualen Studiums wie Vollzeitstudierende in gehobeneren Positionen gefragt und werden entsprechend gut bezahlt.
  • Übernahme: Dual Studierende haben durch ihre praktische Ausbildung einen engen Bezug zu ihrem Unternehmen – das sie meist übernimmt. Außerdem können durch die Praxis und die Verbindungen an der Hochschule wertvolle Kontakte zur Branche geknüpft werden.
  • Allerdings: Die doppelte Ausbildung erfordert auch einen erhöhten Arbeitsaufwand. Das Studium muss in kürzerer Zeit absolviert werden und in den Semesterferien stehen weitere Praxisphasen im Betrieb an. Bis zum Abschluss ist somit ein straffer Zeitplan angesagt.

Mehr Infos

Leitfaden Studium 

www.arbeitsagentur.de/bildung/studium

Leitfaden Ausbildung 

www.arbeitsagentur.de/bildung/ausbildung


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Stand: 20.05.2019