Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Die richtige Entscheidung treffen

Eine junge Frau sitzt an einem Schreibtisch voller Bücher.
Wenn es sich nicht nur um einen zeitweisen Motivationsverlust handelt, sollte man über einen Abbruch nachdenken.
Foto: Katharina Kemme

Studien- und Ausbildungsabbruch

Die richtige Entscheidung treffen

Wann ist ein Ausstieg aus Studium oder Ausbildung sinnvoll? Wann lohnt sich ein Strategiewechsel? Und wie geht man dabei vor? Antworten auf diese und andere Fragen geben Stephan Schneider, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Berlin-Mitte, und Ulrikka Richter, Studienberaterin an der Philipps-Universität Marburg.

abi>> Wie erkennt man, ob ein Studium oder eine Ausbildung doch nicht zu einem passt?

Stephan Schneider: Man sollte etwa hinterfragen, ob wirklich die eigenen Neigungen und Fähigkeiten ausschlaggebend für die Wahl waren. Außerdem, ob die gewählte Hochschulart beziehungsweise der Ausbildungsbetrieb zu einem passt oder auch die neue Wohnumgebung. Oft erfolgt auch ein Ausstieg, weil das Geld nicht ausreicht. Hier kann unter anderem eine Beratung zu Fördermitteln und Stipendien helfen. Idealerweise klärt man diese Punkte schon vor dem Studium oder der Ausbildung.

abi>> Wann ist der Punkt erreicht, an dem man das Studium oder die Ausbildung besser abbrechen sollte?

Ulrikka Richter: Wenn es sich nicht nur um einen zeitweisen Motivationsverlust handelt, sondern sich der Frust über einen längeren Zeitraum hinzieht, man womöglich sogar Vermeidungsstrategien oder Krankheitssymptome entwickelt. Viele zweifeln nur zu Beginn des Studiums, etwa wenn sich das neue soziale Umfeld nicht so schnell entwickelt wie erwartet. Wer tatsächlich dauerhaft mit den Studieninhalten unzufrieden ist, sollte Konsequenzen ziehen.

abi>> Wie sollte man einen Ausstieg organisieren?

Ein Portät-Foto von Stephan Schneider

Stephan Schneider

Foto: Privat

Stephan Schneider: Bei einem Studium sollte man sich an die Studienberater der jeweiligen Hochschule wenden. Auch die Beratungsangebote der Arbeitsagenturen helfen weiter. Bei einer dualen oder schulischen Ausbildung sollte man rechtzeitig mit den Ausbildungsberatern der jeweiligen Kammern sprechen. Ganz wichtig ist, sich so früh wie möglich Gedanken zu machen. So sollte man etwa die Entscheidung im Studium nicht von einem zum nächsten Semester vor sich herschieben, sodass es zur Zwangsexmatrikulation aufgrund fehlender Leistungsnachweise kommt.

Ulrikka Richter: Es sind die Fristen und alle Formalitäten zu beachten. Auch hier hilft bei Unklarheiten die Studienberatung weiter. So sollte eine vorzeitige Exmatrikulation im bereits begonnenen Semester möglichst bis Ende des ersten Vorlesungsmonats erfolgen. Das Semester gilt dann als noch nicht studiert und die Semestergebühr wird oft noch erstattet. Wenn diese Frist überschritten ist, sollte man das laufende Semester nutzen, um zum Beispiel im Nebenfach für einen späteren Fachwechsel anrechnungsfähige Module zu studieren. Solche Leistungen können auch anderweitig nützlich sein, als Nachweis für bereits erworbene Kompetenzen. Man sollte also unbedingt daran denken, sich alles schriftlich bestätigen zu lassen, auch bereits abgelegte Prüfungen.

abi>> Was gilt es in finanzieller Hinsicht zu beachten?

Stephan Schneider: Bei einem Wechsel des Studiengangs nach dem vierten Semester ist man in der Regel nicht berechtigt, nochmals BAföG zu beziehen. Außerdem wird in der Regel BAföG im Bachelorstudium nur bis zum vollendeten 30. Lebensjahr gewährt und bei Masterstudiengängen nur bis 35 Jahre.

Ein Porträt-Foto von Ulrikka Richter

Ulrikka Richter

Foto: Privat

Ulrikka Richter: Zu klären ist außerdem der Status gegenüber der Kindergeldkasse und Versicherungen. Wer sich exmatrikuliert und keine Anschlussbeschäftigung im Sinne eines Ausbildungsabschnittes nachweisen kann, verliert unter Umständen seine Ansprüche. Das kann auch für die Eltern ärgerlich werden, wenn später eine Kindergeld-Rückforderung kommt. Also sollte man sich etwa um ein anschließendes Praktikum oder einen Platz bei einem Freiwilligendienst bemühen und diese Zeit für die weitere Berufsorientierung nutzen.

abi>> Wie und wo lassen sich Alternativen finden, wenn der Frust im Studium oder in der Ausbildung zu groß wird?

Stephan Schneider: Auch hier eröffnen Beratungsgespräche verschiedene Wege. So gibt es gerade einige Modellversuche der Industrie- und Handelskammern sowie der Handwerkskammern, die sich speziell an Studienaussteiger richten und verkürzte Ausbildungen anbieten. In Berlin etwa haben wir das Projekt „your turn – Den Studienabbruch zur Chance wenden“. Ohnehin ist es für viele Studienaussteiger sinnvoll, als Alternative eine Ausbildung zu erwägen. Anschließend kann eventuell noch ein Studium angehängt werden. Bei Unsicherheit ist zunächst ein Praktikum im gewünschten Bereich ratsam. Zudem sollte man die Entscheidung zum Wechsel oder Ausstieg zwar zügig, aber auch nicht übereilt treffen. Testverfahren helfen, sie kognitiv zu untermauern. Solche Tests bietet der Berufspsychologische Service der Arbeitsagenturen an.

Ulrikka Richter: Bei der Studienfachberatung lässt sich klären, ob ein Abbruch sinnvoll ist oder man nicht doch auch andere Lösungen finden kann – etwa wenn ein völlig überfrachteter Stundenplan der wahre Grund für den Frust ist. Manche unterschätzen auch, dass das universitäre Studium vor allem eine Auseinandersetzung mit theoretischen, oftmals abstrakten Inhalten bedeutet. Dann wäre man womöglich in einem ähnlichen Studienfach an einer anwendungsorientiert lehrenden Fachhochschule oder in einem dualen Studium besser aufgehoben. Wer Punkte wie diese abgeklopft hat und trotz allem feststellt „das ist nun wirklich nicht mein Fach“, sollte sich an die zentrale Studienberatung der jeweiligen Hochschule wenden. Hier beraten wir zu Themen wie Studien- und Berufsorientierung, Wechsel der Hochschule oder vermitteln an andere Stellen, die weitere Unterstützung bieten – zum Beispiel an eine psychologische Beratung.

abi>> 02.10.2015