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Sag mir, was ich werden soll

Junge Frau vor einem Spiegel
Spieglein, Spieglein - welcher Beruf passt zu mir? Testverfahren haben in der Regel spezifischere Antworten parat.
Foto: Swen Reichhold

Testverfahren

Sag mir, was ich werden soll

Ein paar Fragen beantworten, auf „Absenden“ klicken und passende Studien- und Berufsvorschläge erhalten: Ganz so einfach ist es nicht mit den zahlreichen Tests zur Studien- und Berufsorientierung. Dennoch sind solche Verfahren hilfreich, um die eigenen Talente und Interessen zu erkunden.

Thomas Kuhn* (22) hatte bei der Studienwahl nur vage Ideen: Er interessierte sich für Soziales und Kultur. „Mir war aber nicht klar, welche Studiengänge dazu passen“, meint er. Dann ist er auf den StudiFinder gestoßen, einen Selbstorientierungstest im Internet. „Hier musste ich unter anderem meine Kompetenzen und Interessen angeben und bewerten, auf einer Skala von ‚sehr stark’ bis ‚gar nicht interessiert‘. Danach waren meine Vorstellungen viel konkreter“, fasst er zusammen. An seinen Wunschstudienorten hat er sich daraufhin für Soziologie, Ethnologie sowie Medien- und Kulturwissenschaften beworben.

Dr. Nicole Schmohl, Berufsberaterin in der Agentur für Arbeit Hannover, kann verstehen, warum junge Menschen auf solche Online-Tests setzen: „Abiturienten haben eine riesige Auswahl an Berufsmöglichkeiten. Das Bedürfnis nach scheinbar einfachen Lösungen ist da nachvollziehbar.“ Sich wahllos durch möglichst viele Tests klicken, ist ihrer Meinung nach jedoch nicht zielführend. Man sollte sich erst einen Überblick verschaffen, welches Testverfahren geeignet ist.

Tests zur Selbsterkundung:

Sie dienen der grundlegenden Orientierung. Wer noch gar nicht weiß, in welche Richtung es beruflich gehen soll und ob Studium oder Ausbildung besser passt, kann hier Unterstützung finden. Dabei werden in der Regel Interessen, Stärken und teils persönliche Eigenschaften abgefragt, wie Nicole Schmohl weiß: „Es geht etwa darum, wie viel Durchhaltevermögen jemand hat oder wie kommunikativ er ist.“ Daraufhin werden mögliche passende Berufsfelder oder auch bereits Studiengänge und Ausbildungsberufe vorgeschlagen. Ein Beispiel für einen solchen Test ist BORAKEL der Ruhr-Universität Bochum, wo sich ein Teilbereich mit „Mein Berufsweg“ beschäftigt.

Studienbezogene Self-Assessments:

Diese Self-Assessments sind bereits konkret auf das Studium bezogen. Sie sind geeignet für junge Menschen, die wissen, dass sie studieren möchten, und bereits ein bestimmtes Studienfeld im Auge haben. Hier werden in der Regel ebenfalls Interessen und Stärken abgefragt, aber auch bereits Wissen aus den jeweiligen Studienfachgebieten. So funktioniert etwa der StudiFinder, den Thomas Kuhn gemacht hat, oder der Studienfeldbezogene Beratungstest (SFBT) der Bundesagentur für Arbeit, den es für sechs Studienfelder gibt.

Fachspezifische Self-Assessments:

Die Eignung für ein konkretes Studienfach kann man mit einem fachbezogenen Test überprüfen. Dieser stellt in der Regel Aufgaben aus dem Studium, welche die Teilnehmer mithilfe ihres Schulwissens lösen sollen. Für Nicole Schmohl sind sie empfehlenswert, weil sie den Schülern ein realistisches Bild der späteren fachlichen Anforderungen vermitteln: „Man erkennt, dass ein Schulfach im Studium anders funktioniert, zum Beispiel Mathe.“ Solche Tests bietet etwa die RWTH Aachen unter anderem für Architektur, Elektrotechnik oder Psychologie.

Passende Auswertung und richtiger Zeitpunkt:

Einige Hochschulen setzen Self-Assessments mittlerweile bei der Studienzulassung ein. Nach Testabschluss erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat, das sie bei der Bewerbung um einen Studienplatz vorlegen müssen. Dieses Verfahren nutzen beispielsweise alle staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Baden-Württemberg: Wer dort studieren möchte, muss die Teilnahme an einem Selbsttest zur Studienorientierung (kurz OT, www.was-studiere-ich.de) oder am SIT nachweisen, dem Studium-Interessentest von ZEIT Online in Kooperation mit der Hochschulrektorenkonferenz. Während man für solche Self-Assessments nichts bezahlen muss, gibt es etwa bei den allgemeinen Orientierungstests kostenpflichtige Angebote für unter zehn bis rund 40 Euro – und mehr.

Um einen Test optimal zu nutzen, empfiehlt Nicole Schmohl, sich die Ergebnisse im Detail anzuschauen. So kann man sich selbst reflektieren und Rückschlüsse ziehen, die über das Offensichtliche hinausgehen: „Bei ‚Interesse an kreativen Arbeiten’ bin ich nicht nur fürs Gestalten geeignet, sondern auch dafür, Arbeitsabläufe kreativ zu organisieren“, nennt sie ein Beispiel. Wer mehrere Self-Assessments macht, kann die Detailergebnisse in einer Tabelle zusammenfassen und sich so Schritt für Schritt mehr Überblick verschaffen. „Tests und ihre Auswertung sind ein Prozess, mit dem man sich länger beschäftigen sollte“, betont die Berufsberaterin.

Dabei kann es auch sinnvoll sein, sich Unterstützung durch die Berufsberatung zu holen. Die Agenturen für Arbeit bieten selbst Tests für ausgewählte Studienfelder an, deren Ergebnisse dann gemeinsam besprochen werden. Und noch einen Tipp hat Nicole Schmohl parat: den richtigen Zeitpunkt wählen. „Ab der elften Klasse ist genau richtig. Früher macht vor allem bei fachspezifischen Tests wenig Sinn, weil man dann überfordert ist und frustriert wird.“

* Name geändert.

 

abi>> 02.10.2015