„Unabhängige Beratung nutzen“

Versicherungsberater im Gespräch mit einer Studentin.
Kostenlose Beratungsstellen helfen bei der Suche nach passenden Versicherungsmöglichkeiten.
Foto: Hans-Martin Issler

Versicherungen - Interview

„Unabhängige Beratung nutzen“

Welche Versicherungen brauchen Studierende und Auszubildende? Wo sind Kinder bei den Eltern mitversichert, wo nicht? Darüber informiert Madlen Müller, Referentin Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Sachsen.

abi>> Frau Müller, welche Versicherungen sind für Studierende und Auszubildende Pflicht?

Madlen Müller: Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Krankenversicherung. Studierende müssen bei der Hochschule eine solche nachweisen. Auf Antrag können sich Studierende von dieser Versicherungspflicht befreien lassen und sich privat versichern. Wichtig: Wird davon Gebrauch gemacht, besteht keine Rückkehrmöglichkeit in die gesetzliche Krankenversicherung bis zur Aufnahme einer versicherungspflichtigen Tätigkeit. Eine eigene Versicherungspflicht tritt nicht ein, wenn eine Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung der Eltern vorliegt.

abi>> Wie sieht es bei Azubis aus?

Madlen Müller: Auch Auszubildende, die gegen Entgelt beschäftigt sind, sind gemäß § 5 Abs. 1 SGB V versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung.

abi>> Welche Versicherungen sind keine Pflicht, aber dennoch empfehlenswert?

Ein Porträtbild Madlen Müller

Madlen Müller

Foto: privat

Madlen Müller: Es sollte ein Versicherungsschutz gegen die Folgen existenzbedrohender Risiken bestehen. Gravierend können mögliche Vermögensschäden wegen Haftpflichtansprüchen oder Einkommensausfällen durch Krankheit oder Unfall sein. Zum einen ist daher die Privathaftpflichtversicherung unverzichtbar. Studierende sind grundsätzlich bis Ende des ersten Studiums, unverheiratete Auszubildende bis Ende der ersten Ausbildung, meist bis zum 25. Lebensjahr, über die Haftpflichtversicherung der Eltern versichert. Um sicher zu gehen, sollte der Vertrag der Eltern geprüft werden.

abi>> Und warum ist das Thema Einkommensausfälle bereits relevant?

Madlen Müller: Nur eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) bietet einen umfassenden Schutz gegen dauerhaften Einkommensausfall bei Krankheit und Unfällen. Da Studierende häufig noch ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen sind und sich der gewählte Beruf später als nachteilig auf einen bedarfsgerechten Versicherungsschutz auswirken kann, ist es durchaus ratsam, die BU noch während der Ausbildung abzuschließen.

abi>> Worauf sollte man generell achten?

Madlen Müller: Jeder sollte vor Abschluss einer Versicherung genau prüfen, ob er diesen Vertrag überhaupt benötigt und langfristig zahlen kann. Um sicher zu gehen, kann eine unabhängige Beratung bei einer Verbraucherzentrale Zweifel aus dem Weg räumen – und gegebenenfalls eine Menge Geld sparen.

Weiterer Tipp

Hausratversicherung

Wohnt Ihr Kind bei Ihnen oder hat zumindest den Erstwohnsitz bei Ihnen gemeldet, ist es über Ihre Hausratversicherung geschützt. Eine eigene Hausratversicherung kann sich insbesondere dann für Ihr Kind lohnen, wenn es eine eigene Wohnung hat und wertvolle Möbel und Elektrogeräte wie Laptop und Co. besitzt

 

Finanzen

Wo fließt das Geld hin, wo kommt es her?

Eltern sind während der Erstausbildung ihres Kindes weiterhin verpflichtet, Unterhalt zu zahlen. Wer das finanziell nicht stemmen kann, wird vom Staat unterstützt. Doch welche Kosten fallen in Studium und Ausbildung an? Und welche Einnahmequellen stehen dem gegenüber? abi» klärt auf.

Ausgaben

  • Schulische Ausbildung: In den meisten schulischen Ausbildungen wird keine Vergütung bezahlt, in einigen wird ein monatliches Schulgeld fällig.
  • Studium: Für das Erststudium fallen in Deutschland mittlerweile in keinem Bundesland mehr Studiengebühren an, solange die Regelstudienzeit eingehalten wird. Erhoben wird aber durchaus meist ein Semesterbeitrag, der etwa Verwaltungskosten, den Beitrag zum Studentenwerk und für ein Semesterticket beim örtlichen Verkehrsverbund beinhaltet. Dieser kann je nach Hochschule zwischen 50 und 250 Euro betragen.
  • Lebenshaltung: Laut Deutschem Studentenwerk geben deutsche Studierende aktuell im Schnitt monatlich 819 Euro für Miete, Lebensmittel, Arztkosten, Medikamente und Krankenversicherung, Fahrtkosten, Freizeit, Kleidung, Telefon und Internet sowie Lernmittel aus. Immerhin: Sie erhalten in vielen Lebensbereichen Vergünstigungen. Davon profitieren auch Auszubildende, zudem wohnen sie oft noch bei den Eltern. Allerdings müssen sie häufig ein eigenes Auto finanzieren.
  • Steuern und private Versicherungen: Wohnt Ihr Kind in einer eigenen Wohnung, die als Zweitwohnsitz gemeldet ist, kann darauf in manchen Städten eine Zweitwohnungssteuer erhoben werden. Zudem müssen private Versicherungen wie für Berufsunfähigkeit, KfZ und Hausrat sowie die Altersvorsorge im Finanzplan mitbedacht werden.

Einnahmen

  • Vergütung: Während einer dualen Ausbildung erhält Ihr Kind eine Ausbildungsvergütung. Wie viel hängt von Branche, Beruf und Region ab. Genaue Informationen über die jeweilige Ausbildungsvergütung liefert stets aktuell das BERUFENET. Einige schulische Ausbildungen, etwa die zum Gesundheits- und Krankenpfleger, werden ebenfalls vergütet.
  • Kindergeld: Während der Ausbildung oder dem Studium haben Sie für Ihr unverheiratetes Kind bis zum 25. Lebensjahr Anspruch auf Kindergeld (194 Euro für die ersten beiden Kinder, 200 Euro für das dritte Kind, 225 Euro für jedes weitere Kind). Der Anspruch erlischt, wenn der Jugendliche mehr als 20 Stunden in der Woche erwerbstätig ist – also einer Beschäftigung nachgeht, die nicht der Ausbildung, sondern primär dem Geldverdienen dient. Zwischen Schule und Erstausbildung wird dann weiterhin Kindergeld gezahlt, wenn sich Ihr Kind ernsthaft um einen Ausbildungs- oder Studienplatz bewirbt und dies durch Bewerbungen oder ähnliches belegen kann. Ein Minijob mit monatlichen Bruttoeinnahmen unter 450 Euro widerspricht diesem Anspruch nicht (Details unter www.arbeitsagentur.de). Übrigens: Wohnen Auszubildende oder Studierende nicht mehr zuhause und beziehen keinen Unterhalt von den Eltern, erhalten sie bis zum 25. Lebensjahr das Kindergeld selbst ausbezahlt.
  • Jobben: Fast zwei Drittel der Studierenden verdienen sich durch einen Nebenjob etwas dazu. Je nachdem, ob es sich um eine Werkstudententätigkeit oder einen Nebenjob, während des Semesters oder der vorlesungsfreien Zeit handelt, bestehen unterschiedliche Rechte und Pflichten, die sich zum Beispiel auf das BAföG auswirken können (Details unter www.studentenwerke.de). Mini-, Saison-, Ferien- und Studentenjobs werden etwa in der JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit ausgeschrieben.
  • Stipendien: Es gibt mehr als 2.000 Stipendiengeber in Deutschland, die ihre Förderung nicht nur an gute Noten, sondern beispielsweise an soziales oder politisches Engagement sowie sportliches oder künstlerisches Talent knüpfen. Stipendien gibt es sowohl für Studierende als auch Auszubildende. Die Förderung ist entweder finanzieller Natur – von ein paar Hundert bis mehr als 1.000 Euro im Monat – oder ideell angelegt, in Form von Seminaren, Workshops oder Mentoring. Eine ausführliche Datenbank bietet www.stipendienlotse.de.
  • BAföG: Die Förderung nach Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz BAföG, kann grundsätzlich jeder deutsche Staatsbürger für die Zeit seiner Erstausbildung beantragen, der bei Studien- oder Ausbildungsbeginn maximal 30 Jahre alt ist. Der monatliche Höchstsatz für Studierende, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, beträgt derzeit 735 Euro, für Auszubildende 590 Euro. Gewährt wird der Zuschuss dann, wenn das eigene Einkommen, das der Eltern und gegebenenfalls des Ehepartners eine gewisse Summe nicht überschreiten. Auch Vermögen wird angerechnet. Für einen Auslandsaufenthalt gelten andere Sätze. Über einige Grundregeln informiert die Seite www.bafög.de, doch nur eine persönliche Beratung und der Antrag können den Anspruch klären. Die BAföG-Förderung ist ein zinsfreies Darlehen, das nach Abschluss der Ausbildung oder des Studiums nur zur Hälfte zurückgezahlt werden muss.
  • Studienkredite und Bildungsfonds: Wer keinen Anspruch auf BAföG hat, muss unter Umständen auf Studienkredite zurückgreifen, die verzinst werden und komplett rückzuzahlen sind. Die KfW-Förderbank bietet einen günstigen Bildungskredit an, zudem einen etwas höher verzinsten Studienkredit. Auch Banken und private Anbieter gewähren Studienkredite (objektiver Vergleich unter www.che.de/studienkredittest). Bildungsfonds werden von Investoren gegen eine Rendite finanziert. Wer das Auswahlverfahren schafft, erhält während des Studiums Geld oder auch ideelle Förderung. Nach dem Studium muss ein gewisser Prozentsatz vom Einkommen zurückgezahlt werden.
  • Berufsausbildungsbeihilfe (BAB): Auszubildende können diese Förderung der Bundesagentur für Arbeit erhalten, wenn sie nicht bei den Eltern wohnen können, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit entfernt ist. (Mehr Informationen und der BAB-Rechner auf www.arbeitsagentur.de)

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Stand: 22.05.2019