Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

100 erste Tage an der Uni

Vielleicht doch zu viel?

In letzter Zeit hatte ich leider nicht ganz so viel Zeit, Texte für diesen Blog zu schreiben. Das Studium ist nämlich definitiv anstrengender als ich gedacht hatte. Momentan habe ich das Gefühl, dass mich alles etwas überrollt. Studium, Fachschaft, Weihnachtsstimmung und mein soziales Leben unter einen Hut zu bringen, fühlt sich unmöglich an!

Als auch noch die Verfassungsrechtsklausur auf den 17. Dezember gelegt wurde, statt auf Ende Januar, war irgendwie alles doof. Außerdem habe ich nächste Woche Geburtstag und muss noch einige Dinge organisieren. Am Samstag kommt eine Freundin, die ich beschäftigen sollte, und als ob das nicht schon reichen würde, habe ich mir auch noch eine Erkältung eingefangen.

Was mich aber wirklich verunsichert, ist, dass ich das Gefühl habe, nicht das richtige Studium gewählt zu haben. Das ist ein ganz unangenehmes, schweres Gefühl, das sich in meiner Bauchgrube ausdehnt. Ständig frage ich mich, ob ich die Inhalte tatsächlich sechs Jahre lang studieren kann und will. Jura ist ein Fach, das theoretisch jeder beherrscht, aber manche beherrschen es einfach besser. Ich brauche jedenfalls Stunden, um den Stoff zu lernen – und lerne dabei auch unheimlich viel über mich. Ich glaube, ich bin nicht der theoretische und abstrakte Typ. Auswendiglernen liegt mir zwar, aber das alleinige Wiedergeben ödet mich an. Auch habe ich einsehen müssen, dass ich nicht unbedingt immer nach Lösungen suchen will. Vielmehr interessiert es mich, Fragen zu stellen und nachzudenken.

Mein Kopf sagt mir, dass dem Jura-Studium mindestens zwei Semester geben sollte, während mein Herz mir sagt, dass ich mit diesem Studium nicht glücklich werden kann. Jedoch fühle ich mich so wohl in Heidelberg und mit meinen Kommilitonen, dass ich eigentlich gar nicht weg will. Natürlich weiß ich aber auch, dass ich meine Entscheidung nicht davon abhängig machen soll. Außerdem habe ich das Gefühl, mit diesem Problem ganz allein zu sein. Jeder in meinem Umfeld spricht von der angeblichen Elite-Uni und ist stolz darauf, an diesem Standort Jura studieren zu können. Dabei gibt es sicher einige, die das genauso empfinden wie ich, sich aber nicht trauen, offen darüber zu reden.

Was soll ich also tun? Und vor allem: Was soll ich sonst studieren? Mal sehen, ob dieses Gefühl verschwindet. Bis dahin heißt es aber: Ab in die Bibliothek!

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  Dec 9, 2015
Autor: Bo
Rubrik: studium
Dec 9, 2015

100 erste Tage an der Uni

Fahrradfahren

„I want to ride my bicycle, I want to ride my bike. I want to ride my bicycle, I want to ride it where I like“, sangen Queen 1978 in „Bicycle Race“ und nichts drückt wohl besser aus, was in Leipzig fahrradtechnisch abgeht.

Fahrradfahren ist in! Ja, und auch ich gehöre zu denen, die ihr Fahrrad lieben. Mit meinem chiliroten Damentrekkingrad mache ich die Stadt unsicher. Das Rad ist für die Leipziger aus verschiedenen Gründen das Transportmittel der ersten Wahl:

  1. Fahrradfahren ist flexibel! Auf die Tram muss man warten, mit dem Rad hingegen kann man losfahren, wann man will. Und wenn spätabends am Wochenende gerade kein Nachtbus fährt, ist das Fahrrad ein treuer Begleiter.
  2. Fahrradfahren ist abwechslungsreich! Heute mal keine Lust auf die stets selbe Route zur Uni? Bisher unentdeckte Parks, Parallelstraßen und Stadtviertel warten!
  3. Fahrradfahren ist schnell! Mit dem Fahrrad ist man in Leipzig in den meisten Fällen schneller als mit der Straßenbahn oder dem Auto. Wenn man sich an der roten Ampel an den glänzenden Karossen vorbei nach vorne schlängelt, ist das jedes Mal ein kleines Glücksgefühl. Außerdem kommt man mit dem Fahrrad dorthin, wo man mit dem Auto nicht hinkann oder -darf. Zudem entfallen die Parkplatzsuche oder der Weg von der Haltestelle zum Zielpunkt – mit dem Fahrrad kann man seine Destination direkt ansteuern.
  4. Fahrradfahren macht wach! Wenn man morgens allzu harsch vom Wecker geweckt wird und einen nichts so recht in die Uni zieht, ist das Rad genau das Richtige. Man bewegt sich, ist an der frischen Luft und irgendwann fangen die meisten unweigerlich an, ein Guten-Morgen-Liedchen zu singen. Kommt man dann an der Uni an, ist man wach und bereit für den Tag.
  5. Leipzig ist fahrradfreundlich! Es ist eine wahre Freude, in so einer Stadt zu radeln. Statt Radwegen gibt es überall in der Stadt Radfahrerstreifen auf den Straßen. Man fährt mit den Autos (denen also ein wenig Platz weggenommen wird) auf einer Fahrbahn und ist dank des guten Asphalts und der Verkehrsführung ziemlich schnell unterwegs.

Durch die Menge an Fahrrädern gibt es am Campus nun auch schon kuriose Auswüchse: Meine Universität bietet zwei riesige Fahrradgaragen an, da die Räder sonst die umliegenden Straßen verstopfen würden. Dort stehen die Studentenschätze regengeschützt und – so zumindest das Gefühl – auch halbwegs sicher vor Fahrraddieben. Denn die gibt es leider auch in Leipzig.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Dec 2, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Dec 2, 2015

100 erste Tage an der Uni

Debattenkultur

Langsam kehrt Routine ein. Unter der Woche lebt es sich hervorragend auf Sparflamme – hauptsächlich in Unigebäude und Mensa. Am Wochenende miete ich mich immer noch regelmäßig im Hotel Mama ein. Es ist immer wieder ein gutes Gefühl, am Freitag den letzten fünf Minuten der Physik-Vorlesung den Rücken zu kehren, um den ersten Zug zurück in die Heimat zu erwischen.

Das letzte dieser Wochenenden wurde leider überschattet von den Anschlägen in Paris. Kaum war ich zuhause, gab es fast minütlich neue Eilmeldungen – der Schreck sitzt unverhältnismäßig tief. Verschwörungstheorien über Bombenbau in den Kellern der Universität, bewaffnete Polizisten in den Aachener Straßen und die Omnipräsenz des Themas in ganz normalen Gesprächen bringen das Gefühl, das wohl aktuell in Paris herrschen muss, ein kleines unangenehmes Stück weit auch in meinen Alltag. Unter meinen Kollegen aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr, die das letztes Jahr wie ich in Frankreich, teilweise sogar in Paris verbracht haben, herrscht plötzlich eine komische, schockierte, sogar leicht aggressive Stimmung. Die meisten von uns hatten das Gefühl nach den Anschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ noch gut in Erinnerung, einige waren sogar damals in Paris. Nachdem wir uns versichert hatten, dass es unseren gemeinsamen Bekannten in Paris gut geht, entstand eine unangenehme Stille in der Gruppe, die selbst einige Tage später niemand gebrochen hat. Irgendwie wussten wir alle nicht, was wir uns dazu gegenseitig zu sagen hatten. Ich hatte das Gefühl, dass sich niemand traute, etwas loszuwerden, um gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen, etwas Unangemessenes zu sagen. Ich denke, diese Angst kam daher, weil wir wussten, welch persönlichen Bezug einige von uns zu den Anschlägen in Paris hatten.

Mein Freundeskreis in der Heimat ging mit den Ereignissen in Paris viel forscher um. Wir diskutierten weniger über die Aussagen hochrangiger Politiker, sondern sprachen über die Motivation der Anschläge, die Reaktion Frankreichs und verschiedene Optionen, wie mit einer Terrororganisation umzugehen sei. In diesen Gesprächen wurde mir bewusst, wie wertvoll es ist, von einer guten Debattenkultur profitieren zu können. Ich habe dank meiner Eltern und Freunde nicht nur gelernt, mich ganz passabel auszudrücken, sondern konnte immer schon von meinungsbildenden und konstruktiven Diskussionen lernen.

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Dec 1, 2015
Autor: Katha
Rubrik: studium
Dec 1, 2015