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100 erste Tage an der Uni

Meine erste Demo (Teil 1)

Treffen um zehn Uhr am Leipziger Hauptbahnhof, der StuRa (StudentInnnenrat) hatte einen Zug nach Dresden organisiert. Es geht gegen das Sächsische Hochschulgesetz (SächsHG). Viel mehr wusste ich nicht, als ich mich mit einem WG-Mitbewohner zum Hauptbahnhof aufmachte. Auf einer Demo war ich noch nicht gewesen und mit sächsischer Hochschulpolitik kannte ich mich auch noch nicht aus. Dass der StuRa ziemlich „links" sei, hatte man mir gesagt, und, dass ihm jährlich aus Studentenbeiträgen eine relativ große Summe zur Verfügung gestellt würde. Was „links sein" in diesem Fall heißt - also ob da auch meine Interessen vertreten würden - und was mit dem ganzen Geld angestellt wird, das interessierte mich dann genug, um für die Demo meine einzige Vorlesung an diesem Tag sausen zu lassen.

So groß schien mir die Schar an Studenten nicht, die sich da um kurz vor zehn vor dem Hauptbahnhof eingefunden hatte. Knapp 30.000 Studenten sind wir allein an der Uni Leipzig, mit den anderen Hochschulen zusammen sogar 40.000. Voll war der Zug dann aber doch, an die 750 Studenten sollen dabei gewesen sein. Nach Fahrtbeginn lief ich durch den Waggon und fragte den ein oder anderen, um was es ginge, in diesem umkämpften SächsHG. Das Rektorat hätte damit „viel mehr Macht" und Studenten und Professoren „viel weniger", meinte einer zu mir. Ganz zufrieden war ich mit der Antwort nicht, doch bald liefen ein paar Leute vom StuRa durch die Gänge, zählten uns und verteilten Flugblätter zu Demo und Gesetz.

 Ansicht eines Demonstrationszuges mit Studierenden, einige halten Transparente hoch.

Als wir in Dresden ankamen, begrüßte uns die Polizei. Alles war schon geplant und der Streckenverlauf der Demo abgesperrt. Kurz darauf trafen noch weitere Studenten ein, aus Chemnitz und Freiberg. Als wir uns in Bewegung setzten, Richtung TU Dresden, schien mir das Ganze viel zu unspektakulär - keine lauten Parolen und keine großen Transparente, kein Wir-Gefühl. Ein kleiner LKW - umfunktioniert zur Bühne mit großen Lautsprechern rundum - führte den Zug an. Nachdem ich den ein oder anderen gefragt hatte, warum sie denn auf der Demo seien, und gemerkt hatte, wie unradikal doch manch einer war, der hier mitzog - einer meinte, das Mensa Essen solle doch „noch billiger" werden - schlich ich mich kurz davon und ging zum Eingang eines Plattenbaus, um ein Foto von oben zu schießen.

Blick von oben auf die Demonstranten

Fotos: Privat

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Dec 3, 2008
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Rubrik: studium
Dec 3, 2008

100 erste Tage an der Uni

Trunken, so fühle ich mich

Trunken, so fühle ich mich im Moment. Ein gewisses Torkeln ist in meinem Gang, Unsicherheit, Zögern. Tausend Dinge drehen sich in mir und verdrehen mir den Kopf. Organisation und Struktur, Disziplin und Konzentration, dies sind die Schlagworte, die so gar nicht zu mir passen, auf die es aber im Studium - dessen bin ich mir nur allzu sehr bewusst - ankommt. Was muss ich, was will ich und was kann ich? Wie bringe ich all meine Wünsche, Bedürfnisse und die an mich gestellten Forderungen in Einklang? Dass dies genau das richtige Studium für mich ist, das ist mir inzwischen klar, das ist ein gutes Gefühl. Dass Leipzig eine spannende Stadt ist und Studenten viel bietet, das auch.

Wenn es aber etwas konkreter wird und ich von einer Vorlesung zur anderen radele und mich dabei mit den Tücken regennassen und spiegelglatten Kopfsteinpflasters auf atemberaubende Weise vertraut mache und danach feststelle, dass mir das Licht von der Halterung gezogen wurde, und ich während der Suche nach einem Fahrradladen für entsprechenden Ersatz eigentlich nur an dieses Mädchen, das sich in der gestrigen Vorlesung neben mich setzte, denken kann, dann komme ich mir trunken vor und wünsche mir etwas Sonnenschein.

Autor:   |  Rubrik: orientieren  |  Nov 26, 2008
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Rubrik: orientieren
Nov 26, 2008

100 erste Tage an der Uni

Studieren in Leipzig II

Im vorigen Blog sprach ich von dem neuen im Bau befindlichen Universitätsgebäude in der Innenstadt. Interessanterweise ist ein Teil davon vor ein paar Tagen auch schon fertig gestellt worden. Puma, dm, McPaper, Starbucks und andere Geschäfte öffneten am letzten Wochenende mit viel Tamtam, Werbung und Angeboten ihre Tore im Parterre des Gebäudes, unterhalb der noch lange nicht bezugsfertigen Seminarräume und Hörsäle. Diese Verquickung von Bildung und Wirtschaft missfiel mir anfangs. Ob man das Budget von Schulen durch Werbeverträge mit der Wirtschaft aufbessern dürfe, war, so erinnerte ich mich, zu meiner Schülerzeit ein Thema, das plötzlich in aller Munde war, aber auch genauso schnell wieder verschwand. Daher also meine erste etwas reflexartige negative Reaktion auf diese Verquickung.

Nun, vielleicht ist es gar nicht so schlecht. Für den Baugrund in so zentraler Lage hätten sicher auch andere private Investoren hohe Summen gezahlt. Nun entsteht auf dem Grund des alten von der SED gesprengten Unigebäudes ein neues unter finanzieller Zuhilfenahme von Puma und Starbucks. Und gegen günstig gelegene Einkaufsmöglichkeiten haben auch wir Studenten nichts. Es ist jedoch interessant, dass die Bauarbeiten an diesen Läden im Zeitplan lagen und die Zentralmensa - von allen Studenten sehr herbeigesehnt - nicht wie ursprünglich geplant im letzten Jahr eröffnete, sondern uns frühestens in ein oder zwei Jahren zugute kommen wird.

 

 

Hier im Bild die erwähnte Ladenzeile im Parterre. Die Räume darüber können noch nicht bezogen werden, das Hauptgebäude links ist noch im Rohbau.

 

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Nov 24, 2008
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Rubrik: studium
Nov 24, 2008