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Studentenleben live

Erwachsen werden

Ja, ich muss ehrlich zugeben, ich beobachte gerne Menschen. Gangarten, Kleidungsstile, Verhaltensweisen. Am liebsten auf Marktplätzen, in der Bahn und früher auch oft auf dem Schulhof.

Seit es nun aber stattdessen der Hochschulcampus geworden ist, hat sich einiges verändert. Die Gesichter, in die ich blicke, sind jetzt erwachsener. Jeder scheint seinen eigenen Stil gefunden zu haben. Klar, dazwischen laufen auch vereinzelt Menschen herum, denen nur noch der altbekannte 4YOU-Rucksack zu fehlen scheint, um das äußerliche Image abzurunden und mir die letzte innerliche Bestätigung zu geben, dass es sich bei ihrem Hochschulbesuch wirklich um nichts anderes als einen Schulausflug handelt. Aber die Erwachsenen-Fraktion überwiegt doch deutlich. Und manchmal macht sie mir Angst. Angst, weil ich lebenslauftechnisch in der Theorie auf derselben Stufe stehe wie sie – im Studium und irgendwie so ziemlich mitten im Leben. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, das selbst auszustrahlen, weil ich mich selbst noch lange nicht so fühle. Weil ich in Diskussionen so schnell meinen eigenen Standpunkt verliere, weil ich neulich im Vorstellungsgespräch nicht sagen konnte, was ich für Ziele habe und was für Prioritäten im Leben, weil ich Freunde fragen muss, wenn ich mich selbst beschreiben soll, und weil ich viel zu oft nicht weiter weiß.

Von meiner Wand lächelt mich eine Postkarte an: „Erwachsen werden? Ich mach zwar viel Scheiß mit, aber nicht jeden...“ Vielleicht eine gute Devise, mich aus der Affäre zu ziehen, solange ich noch keine Ahnung habe, was Erwachsenwerden tatsächlich heißt. Irgendwie habe ich ja auch noch ein bisschen Zeit dafür und dass „volljährig“ kein Synonym für „erwachsen“ ist, war mir auch schon länger bewusst. Wahrscheinlich ist das alles ein Prozess, der bei manchen eben schneller als bei anderen geht und vermutlich würde sich auch die Hälfte derer, die ich als erwachsen empfinde, selbst nicht so bezeichnen. Also heißt es wohl erst einmal weiter abwarten, Erfahrungen machen, Tee trinken und hoffen, dass andere Menschenbeobachter mir immerhin keinen 4YOU-Ranzen mehr wünschen.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Sep 20, 2013
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Sep 20, 2013

Studentenleben live

Alles dreht sich um ... Prag

Die vier fantastischen Wochen Sommerschule in der schönsten Hauptstadt Europas haben mir Flausen in den Kopf gesetzt. Ganz viele Flausen, die ich nun nicht mehr los werde. Tschechisch ist genau meins. Meine Sprache, mein Land, meine Kultur.
Vielleicht muss ich doch meinen Bachelor verlängern und einfach nochmal dahin. Die Sprache noch mal richtig lernen. Von A bis Z. Und dann Tschechisch weiter studieren. Auf der anderen Seite wäre es so einfach, den Bachelor jetzt fertig zu machen, um dem Master einen großen Schritt näher zu kommen! Außerdem ist ein ganzes Studium in Prag bestimmt in keinster Weise vergleichbar mit einem vierwöchigen Aufenthalt an einer kleinen aber feinen Sommerschule! Wir waren dort gern gesehene Gäste, jeder hat sich um uns gekümmert und jeder tschechische Satz wurde mit Freuden aufgenommen. Das würde im Alltag anders sein. Ganz anders.
Wieder mal bin ich hin- und hergerissen zwischen Ausland und daheim bleiben. Eigentlich wollte ich den Bachelor durchziehen. Aber man kann ja mal im BAföG-Amt nachfragen, was die so über meine Pläne denken, und ob ich mit finanzieller Unterstützung rechnen kann. Und dann wird nach der Inga-Strategie verfahren: Erst mal bewerben, hinterher weiß man mehr! Vielleicht werde ich ja gar nicht genommen. Glücklicherweise sind jetzt noch Semesterferien. So kann ich genüsslich der Aufschieberitis frönen – meine Sorgen werden mich erst im Oktober einholen.

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Sep 19, 2013
Autor: Inga
Rubrik: studium
Sep 19, 2013

Studentenleben live

Top oder Flop

Ein Studium muss man planen – so heißt es immer. Am besten sollte man schon beim Abitur wissen, wie es konkret weitergehen soll und wo man sein Auslandsjahr verbringt. Anhand dieser völlig ausgereiften Pläne wählt man dann eine Uni. Dass das nur selten der Realität entspricht, ist wahrscheinlich allen klar und auch ganz gut so. Man kann aber nicht leugnen, dass man mit den Planungen für einen Auslandsaufenthalt oder einen Studienortwechsel früh anfangen muss. Es klingt in den Broschüren zwar immer alles ganz einfach, aber nichts ist undurchsichtiger und verwirrender als die Univerwaltung. Ich habe oft den Eindruck, dass hier die eine Hand nicht weiß, was die andere tut und wenn man Pech hat, wird man von einer Stelle zur nächsten geschickt, ohne das Geringste erreicht zu haben. Wenn man es dann doch geschafft habe sollte, alle notwendigen Unterlagen beim richtigen Büro noch innerhalb der Frist abzugeben und vielleicht sogar ein Eignungsgespräch hinter sich hat, kommt der entscheidende Moment: Ob man angenommen wird, weiß nur die Univerwaltung. Und man muss hoffen, dass die zuständige Sachbearbeiterin (es sind doch meist Frauen) nicht mit dem falschen Fuß aufgestanden ist und gerade heute schlechte Laune hat. Ob man in ein paar Wochen oder Monaten an das andere Ende von Deutschland ziehen kann oder weit in die Welt hinausgehen darf, hängt von höheren Mächten / Verwaltungsbeamten ab. Unweigerlich kommt mir das Bild von Kaisern im alten Rom in dem Sinn, wie sie im Kolosseum sitzen und mit ihrem Daumen nach oben oder unten zeigen. Es ist eine nervige Zeit, in der man ständig gefragt wird : „Und, hast du schon Antwort? Weißt du jetzt schon, wo es hingeht nächstes Jahr?“ und man immer wieder allen interessierten Freunden und Familienmitgliedern klar machen muss, dass man es ja selbst langsam gern wüsste, aber immer noch auf die Antwort wartet. Man hat schon keine Lust mehr, sich den gewünschten Ausgang vorzustellen und legt sich stattdessen einen „Scheiß-egal-Pelz“ an. Damit man nicht am Boden zerstört ist, egal wie das Urteil der Verwaltungscaesaren ausfallen sollte: Top oder Flop.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Sep 18, 2013
Autor: Rose
Rubrik: studium
Sep 18, 2013