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Studentenleben live

Journalistische Recherche vor Ort (Teil 2)

Wie bereits berichtet, wollte ich also die Auswirkungen der Finanzkrise auf den Fußball in Portugals Liga und die Wechselwirkungen zur Gesellschaft untersuchen. Vor allem in Hinblick auf die absurde Situation, dass die Liga Transfersummen und Gehälter in Millionenhöhe zahlt, während der Staat kurz vor dem Bankrott steht. Weiter gefragt: Kann man bereits von einer Parallelwelt des Fußballs sprechen, die im Unterschied zum Staat ganz eigene Regeln und Werte entwickelt hat und nach diesen funktioniert? Wie bewerten die Fans diese paradoxe Situation? Gibt es Anhänger, die dagegen protestieren oder wird jener Zustand stillschweigend akzeptiert, während man zeitgleich gegen die Sparpolitik der Regierung auf die Barrikaden geht? Gibt es viele unter ihnen, die seit der Finanzkrise kein Geld mehr für eine Eintrittskarte aufbringen können?

Nachdem ich meine Bewerbung fristgerecht eingereicht hatte, hieß es erstmal: abwarten. Als ich nach ein paar Wochen schon fast vergessen hatte, dass noch eine Antwort ausstand, kam die frohe Nachricht. Die Jury hatte sich für mein Thema ausgesprochen und ein Stipendium bewilligt. Es konnte nun also tatsächlich losgehen.

Da ich geplant hatte, mit Verantwortlichen von Vereinen, Journalisten und natürlich Fans Interviews zu führen und diese als Basis meiner Erkenntnisse zu nehmen, musste ich jetzt Adressen und Kontakte recherchieren. Auch die Reiseroute legte ich fest. Starten wollte ich meinen dreiwöchigen Aufenthalt in Lissabon, um dann über Coimbra, Porto und Braga wieder zurück nach Lissabon zu fahren. Die jeweilige Dauer ließ ich noch offen. Ich buchte lediglich den Hin- und Rückflug.

Autor: Leon  |  Rubrik: studium  |  Oct 25, 2013
Autor: Leon
Rubrik: studium
Oct 25, 2013

Studentenleben live

Journalistische Recherche vor Ort

Bereits vor diesem Semester stand für mich fest, dass ich noch ein wenig Auslandsluft schnuppern wollte. Da die Organisation für ein Auslandssemester zu lang dauern würde, suchte ich nach anderen Möglichkeiten. Über Freunde und auch im Zuge eigener Recherchen war ich auf ein sehr interessantes Angebot der „Schwarzkopf Stiftung Junges Europa“ gestoßen. Diese bietet allen jungen Leuten bis 26 Jahre die Möglichkeit, zwischen drei und sechs Wochen auf Reisen zu gehen, indem sie das Vorhaben mit einer bestimmten Summe fördert. Bedingung: Man muss sich ein interessantes Thema mit EU-Bezug überlegen, welches man im Reiseland untersuchen möchte. Eine Jury entscheidet dann in einem Auswahlverfahren, welches Vorhaben gefördert wird. Ist man einer der Auserwählten, muss man die Erkenntnisse der Reise in Form eines Abschlussberichtes nach der Rückkehr an die Stiftung senden.

Nach dem Entschluss, mich für das Programm zu bewerben, startete ich mit einem ausgiebigen Brainstorming. An dessen Ende standen dann zunächst zwei Themen. Im Endeffekt entschied ich mich für eines in Portugal. Anlass war die immer noch anhaltende Finanzkrise der EU, die ja neben Griechenland vor allem auch mit Portugal in Verbindung gesetzt wird. Dieses Thema direkt vor Ort in Kombination mit einem bestimmten Bereich zu untersuchen, reizte mich sehr. Denn: In den Zeitungen hatte ich bereits viel über das Thema gelesen, doch wie sich die Krise im Land konkret äußert, kann durch das Lesen nur schwer vermittelt werden. Meine Fußballbegeisterung brachte mich dann auf die Idee. Warum nicht die Auswirkungen und Wechselverhältnisse der Finanzkrise auf den portugiesischen Fußball untersuchen? Zugegeben, es klingt zunächst ein wenig exotisch. Aber bei genauerem Hinsehen ergibt das durchaus Sinn. Wie genau, das erzähle ich euch im nächsten Blog.

Autor: Leon  |  Rubrik: studium  |  Oct 22, 2013
Autor: Leon
Rubrik: studium
Oct 22, 2013

Studentenleben live

Home sweet Home

Ich bin nun schon seit etwa einem Jahr in Ludwigsburg zu Hause. Und ich frage mich oft, wie dieser Begriff eigentlich definiert wird, Zuhause. Ist das da, wo ich die meisten Menschen kenne? Dort, wo ich mich wohlfühle? Die Stadt, in der ich am längsten war? Mein Geburtsort?

Ich bezeichne beide Zugstrecken als Heimfahrt, ich schließe nicht aus, hier auch nach dem Studium zu wohnen. Ich bezweifle sogar, jemals ganz dorthin zurückzugehen, wo ich vorher gelebt habe. Ich stehe oft mit dem falschen Schlüssel in der Hand vor der Haustür in Niedersachsen. Aber ich stelle immer in den ersten fünf Minuten eines Smalltalk-Gesprächs mit einem Fremden klar, dass ich eigentlich daher stamme, „wo man gescheit Deutsch sprechen kann“. Ein „Ich komme aus Ludwigsburg“ kommt mir nie so einfach über die Lippen, obwohl es offiziell mit einem schicken Aufkleber auf meinem Personalausweis vermerkt ist. Ich kenne nicht einmal den Namen des örtlichen Bürgermeisters und bringe es immer noch fertig, mich auf den simpelsten Wegen zu verlaufen.

Ich bin in meiner „alten Heimat“ mittlerweile in ein kleineres Zimmer umgezogen und irgendwie merke ich auch sonst, dass zu Hause eben nicht mehr zu Hause ist und ich ein bisschen eine Gastrolle spiele. Manchmal frage ich mich, wie es wäre, wenn meine Mutter auch die Stadt verlassen würde, nachdem mein Bruder ausgezogen sein wird. Im Gespräch ist das definitiv und ich weiß nicht, ob das irgendwie die Antwort auf meine Ausgangsfrage beeinflusst. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es vielleicht wirklich schade, dass wir keinen Dialekt sprechen, mit dem sich so eine automatische Zugehörigkeit ergibt und ein Heimatgefühl ausgelöst wird.

Ist Heimat also kein Ort, sondern ein Gefühl?

Unpräzise Definitionen klingen immer am schönsten. Und ich weiß nicht, ob ich dem so zustimmen kann. Wenn Regionen in Menschen ein Identitätsgefühl auslösen, dann bin ich meistens raus. Ich kann das nicht nachvollziehen. Es gibt viele Orte, an denen ich gern bin, an denen ich mich wohlfühle und nach denen ich mich sehnen kann, aber ich würde niemals von mir behaupten, mich mit einer Stadt identifizieren zu können.

Alles in allem glaube ich, ein Zuhause kann sich an mehreren Dingen orientieren. Ich habe im Norden eins für meine Erinnerung und hier eins, das Zukunft heißt.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Oct 21, 2013
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Oct 21, 2013