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Studentenleben live

Langstreckenverkehrsmittel

Da ich noch immer keinen Führerschein besitze und nun sogar erfahren musste, wie es sich anfühlt, wenn der kleine Bruder Auto fahren darf und man selbst immer noch nur maximal auf dem Beifahrersitz Platz nehmen kann (und auch das selten, ich bin eine sehr unaufmerksame Beifahrerin), benutze ich sehr häufig die öffentlichen Verkehrsmittel.

Seit Anbieter von Fernbus-Reisen ihre Streckennetze ein bisschen ausgebaut haben und ich komfortabel, ohne Umstiege und in sieben Stunden von Stuttgart nach Hannover reisen kann, hat sich das mit der Bahn auch erledigt. Ich meine, 110 Euro gegen 25 – das ist in studentischen Köpfen eine ganz klare Sache. Neuerdings bietet das Busunternehmen mit den quietschgrünen Bussen auch Nachtfahrten an, also beschloss ich kurzerhand, dass es sich sehr wohl lohnt, die heimischen Gefilde für ein einziges Wochenende aufzusuchen und beim ersten Treffen meines Abiturjahrgangs nach drei Jahren vorbeizuschauen. Gesagt, getan. Nur leider kam ich dort nie an. Ich musste schmerzlich feststellen, dass auch die neumodische Erfindung des Fernbusses ein klares Manko hat – die Pausenzeiten der Fahrer lassen teilweise zu wünschen übrig. Und so kam es, dass wir schon in Hessen nicht mehr weiterfahren konnten, weil wir (vermutlich der Müdigkeit unseres Busfahrers geschuldet, es läuft zumindest ein Verfahren gegen ihn) kurzerhand mit einem Lkw kollidierten. Es ist glücklicherweise nichts Schlimmes passiert. 13 von den 72 Mitfahrern wurden verletzt, soweit mir bekannt allerdings schlimmstenfalls mit Platzwunden und Gehirnerschütterungen. Ich gehörte natürlich zu einer der Glücklichen und durfte dann frisch genäht zusammen mit einem Leidensgenossen die Reise mit dem PKW fortsetzen. Sein Vater holte uns nämlich aus dem Krankenhaus ab. Und so befand ich mich schnell wieder in einer Mitfahrgelegenheitssituation, aber dieses Mal verband uns immerhin ein bisschen mehr als der Zielort. Meinem Klassentreffen konnte ich dann natürlich nicht beiwohnen, was aber weniger an meiner physischen Verfassung lag, sondern vielmehr an der Meinung meiner Mutter – und der furchtbar hässlichen Netzmütze auf meinem Kopf, die die Kompressen auf der Wunde halten sollte.

Was mich nun noch ein bisschen ärgert ist, dass mein Gepäck mich leider eine Woche nach dem Unfall noch immer nicht erreicht hat und ich ohne Kalender und Laptop schrecklich unorganisiert bin.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Sep 16, 2014
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Sep 16, 2014

Studentenleben live

Auf dem OP-Tisch

Die Kommunikation in französischen Krankenhäusern (oder sagen wir besser in diesem einen) ist genauso simpel wie verstörend: nämlich nicht existent. Ich befand mich eine gefühlte Ewigkeit im Ungewissen in der Notaufnahme und wartete. Irgendwann wurde ich zum Röntgen bugsiert, dann wartete ich wieder stundenlang, ohne den geringsten Hauch einer Ahnung zu haben, ob meine Selbstdiagnose des Mittelhandbruchs der Wahrheit nahe kam.
Die Untersuchung des Arztes bestand darin, an meiner Hand herumzudrücken, was mich fast in die Decke fahren ließ. Einem mehrminütigen latein-französischen Monolog seinerseits folgte ein „Ich bin gleich wieder da“, woraufhin er verschwand und ich ihn nie wiedersah. Sämtliche – zwar mit deutschem Akzent, aber doch korrekt ausgedrückten – Fragen nach meinem Zustand und den nötigen Heilverfahren wurden ignoriert oder mit einem Achselzucken beantwortet. Das linderte meine Nervosität nicht gerade. Eine Krankenschwester legte mir einen Gips an und gab mir zu verstehen, dass ich morgen um acht operiert werden sollte.
Eine schlaflose Nacht, zwei Selbstdesinfektionen und eine viel zu teure Taxifahrt später lag ich ziemlich verstört in blauem OP-Hemd auf dem Tisch, der mir vorkam als würde er mein Ende bedeuten. Zunächst fragte ich noch auf Französisch nach, wo, warum und wie ich operiert werden sollte, aber als mir keine Antwort zuteil wurde, gab ich resigniert auf und fügte mich in mein Schicksal. Als ich einige Stunden später aus der Benebelung aufwachte, hatte ich noch zwei Arme und zwei Hände und konnte auch fast alles bewegen. Das Schlimmste war vorbei – ich war erleichtert!

 

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Sep 15, 2014
Autor: Inga
Rubrik: studium
Sep 15, 2014

Studentenleben live

Abschied auf Zeit

Sein Leben lang wird man mit Abschieden konfrontiert. Abschied vom Kindergarten, jetzt fängt der „Ernst des Lebens“ an. Abschied von dem zu klein gewordenen Lieblingspulli, diese blöde Wachstumsphase aber auch. Abschied vom Meerschweinchen, das nach ein paar Jahren an Altersschwäche stirbt.

Vor zwei Wochen musste ich mich jetzt am Flughafen von meiner Schwester verabschieden. Für neun Monate macht sie Work & Travel in Ozeanien. Für sie eine tolle Zeit, um einzigartige Erfahrungen zu machen, Leute kennenzulernen und hoffentlich herauszufinden, was sie später machen möchte. Für mich ein Dreivierteljahr ohne meine Schwester, die einer der wichtigsten Menschen für mich ist.

Plötzlich ist das Zimmer neben meinem dauerhaft leer. Ich kann nicht mehr einfach rübergehen und mich mit ihr unterhalten, sondern muss die Zeitumstellung und ihre Internet-Möglichkeit einberechnen. Ich kann nicht mehr spontan mit ihr Filme gucken oder zu unserer Lieblingsmusik tanzen, nicht mehr mit ihr shoppen gehen oder mich dazu setzen, wenn sie mit ihren Freundinnen Kuchen für eine Party backt.

In den Tagen vor ihrer Abreise gingen mir diese Gedanken ständig durch den Kopf, mittlerweile ist es gar nicht mehr so schlimm. Ich habe sie noch nie ständig um mich gebraucht, gerade in den letzten zwei Jahren war ich oft bei meinem Freund oder in Düsseldorf und wir beide waren viel mit unseren eigenen Freundeskreisen unterwegs. Skype ist zwar kein richtiger Ersatz für eine Unterhaltung, aber es kommt schon ziemlich nah ran, und die Nachrichten, die ich ihr bei jedem kleinen Problem aufs Handy schicke, beantwortet sie halt erst, sobald sie in Neuseeland aufgestanden ist.

Beim Essen passiert es allerdings noch regelmäßig, dass jemand einen Teller zu viel deckt und das eigens zum Skypen angeschaffte Tablet ist bei jedem Frühstück anwesend – selbst wenn es nicht genutzt wird. Die Abwesenheit meiner Schwester ist in kürzester Zeit zur Normalität geworden. Und auch wenn wir noch oft sagen „neun Monate sind zu viel … wäre schön, wenn sie Ende des Jahres wieder zu Hause wäre“, ist es nicht so schlimm wie erwartet. Es bleibt noch zu sehen, wie die Familienfeiern an Geburtstagen und Heiligabend aussehen werden. Aber nach derzeitigem Stand werden die einzigen Tränen wohl die des Neides sein, wenn die Bilder von den Fijis Sonne, Strand und braungebrannte Menschen zeigen, während hierzulande der Traum von einer weißen Weihnacht durch Regen zunichte gemacht wird.

Und zum Glück gibt es ja auch die Gewissheit: Meine Schwester hat uns nicht für ewig verlassen wie ich damals den Kindergarten. Sie kommt wieder!

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Sep 12, 2014
Autor: Janna
Rubrik: studium
Sep 12, 2014