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Studentenleben live

Verkehrte Welt

Hebräisch, das ist doch diese Schrift, die man von rechts nach links liest oder? Genau. Es ist diese Schrift, die ich während meines Aufenthaltes hier sicherlich nicht lernen werde. Es gibt leider nicht mal einen Sprachkurs, da ich die einzige Austauschstudentin an der Uni bin. Ich besuche die Kurse für angehende Englischlehrer und hoffe, dass auch jeder der Menschen, die ich in meinem Alltag treffe, fähig ist, auf Englisch zu kommunizieren. Meistens habe ich Glück, zumal Filme hier nicht synchronisiert werden und die meisten dadurch ganz gut Englisch sprechen (schreiben können sie deshalb natürlich noch nicht, weshalb mir viele lieber Sprachnachrichten schicken, als meine Textmessages ebenfalls in Schriftform zu beantworten). Auf hebräisch kann ich somit noch nicht mehr als bis drei zählen, Guten Appetit, Ich heiße Hannah, Prost, ein Schimpfwort und ein paar Hundebefehle. Lesen oder schreiben kann ich tatsächlich gar nichts.

Was mir aber bewusst geworden ist, und womit ich mich vorher noch nie befasst hatte, ist, dass mit der Schriftrichtung so viel mehr zusammenhängt. So wird beispielsweise auch mein Stundenplan von rechts nach links geschrieben, beginnend natürlich mit Sonntag (ich habe hier ja sozusagen eine Zeitverschiebung von 25 Stunden, wenn man beachtet, dass Freitag und Samstag hier Wochenende heißt). Ein anderes Beispiel: Einmal wollte ich den Computer einer Freundin benutzen und dachte, ich finde mich schon zurecht, die Symbole sind ja dieselben und die Eingabesprache bekomme ich schon auf Englisch gestellt. Es war aber so irritierend, dass die ganze Organisation in umgekehrter Richtung war – die Startfläche rechts, die Uhrzeit links in der Ecke, auf der Facebook-Seite kamen links die News und Abmeldefunktionen und rechts das Suchfeld und überhaupt waren alle Eingabefelder im Internetbrowser rechtsbündig eingestellt – dass ich immer zuerst dachte, ich würde gar nicht schreiben, bis ich feststellte, dass ich die Buchstaben nur auf der anderen Seite zu erwarten hatte.

Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass so etwas Banales unser gesamtes Denken beeinflusst und wir so automatisiert sind, dass ein winziger Richtungswechsel für uns ein so gravierendes Problem darstellt... Verrückte Welt.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Nov 17, 2014
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Nov 17, 2014

Studentenleben live

Die Zeit fliegt

Kaum zu glauben, aber meine Zeit in Kapstadt neigt sich dem Ende zu. Und so muss ich in meinen beiden Kursen je eine Prüfung ablegen. Anders als in Deutschland ist die Prüfung nicht unbedingt eine Klausur, sondern zu meiner Erleichterung ein 4.000-Wörter-Essay und eine Probe-Mediation. Die Hausarbeit hat zwar die eine oder andere Stunde in der Bibliothek abverlangt, aber glücklicherweise stören sich die Südafrikaner nicht an Kleinigkeiten wie Formatierungen und Inhaltsverzeichnissen, was die Arbeit deutlich erleichterte. Im Mediations-Kurs war ein Vormittag ganz der Streitschlichtung gewidmet, damit war der Kurs dann bestanden. Kein Vergleich zu dem wochenlangen Pauken in der Bibliothek in Deutschland.

Nach drei Monaten ist mein Studium an der University of Cape Town jetzt offiziell vorbei. Für mein Jurastudium in Deutschland habe ich nicht viel gelernt, da deutsches Recht nicht angeboten wurde – höchstens der Mediations-Kurs kann mir später mal helfen. Die Kurse haben mich inhaltlich auch nicht sehr gefordert, mein Englisch dafür ist deutlich besser geworden.

Insgesamt waren die drei Monate zu kurz, um wirklich enge Beziehungen zu südafrikanischen Studierenden aufzubauen. Das liegt nicht nur daran, dass deren Stundenplan bei weitem voller ist als meiner, sondern auch an den beiden Kommilitonninen, mit denen ich zusammengewohnt habe: Wenn man durch seine WG bereits sehr guten Anschluss gefunden hat, ist die Notwendigkeit, neue Leute kennenzulernen, nicht so groß. Auch muss man im Ausland aufpassen, sich nicht in einer Gruppe „Internationals“ zu verlieren – wegen gleicher Interessen fällt es oft leichter, mit anderen Ausländern Dinge zu unternehmen. Aber ich habe auch viele Afrikaner kennengelernt, die die Lücken in meiner Afrika-Karte ein wenig gefüllt haben und viel über Toleranz und Vielfalt gelernt. Ich habe mal den Flair einer großen Universität miterlebt und die Lockerheit südafrikanischer Lehrer. Es war eine Art Urlaubssemester mit vielen interessanten Erfahrungen und Erlebnissen. Aber nach dieser Pause freue ich mich auch schon darauf, in Deutschland wieder ein wenig mehr zu tun zu haben.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Nov 14, 2014
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Nov 14, 2014

Studentenleben live

Lebenslanges Lernen

Die Message meiner Überschrift ist offensichtlich: Wir alle sind durch lebenslanges Lernen geprägt. Wir lernen zu gehen, zu sprechen, zu schreiben, zu lesen und zu rechnen. Fahrrad fahren, Schleife binden und vieles mehr. Nach dem Schulabschluss heißt es schließlich: Ausbildung oder Studium? Beide Wege beinhalten jede Menge Neues, das es zu lernen gilt, sowohl an fachspezifischem Know-How als auch an sozialer Kompetenz. Wir entwickeln uns also stetig weiter. Auch im Berufsleben. Wir lernen, wie sehr Theorie und Praxis in Wirklichkeit zusammenhängen, freuen uns über erste Erfolgserlebnisse und lernen aus unseren Fehlern. Dafür sind Fehler schließlich da: Was Hänschen nicht wusste, weiß Hans erst recht – oder so ähnlich. Wir werden also im Laufe unseres Lebens immer erfahrener und verbessern uns in vielerlei Hinsicht – beruflich wie privat.

Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich kürzlich ein sehr interessantes Buch aus dem Jahre 1990 gelesen: Peter M. Senge spricht darin von der lernenden Organisation, die ebenfalls durch lebenslange Optimierungsprozesse geprägt ist. Hier geht es ebenfalls darum, aus Misserfolgen zu lernen, um es zukünftig besser zu machen. Das Konzept des lebenslangen Lernens ist also quasi allgegenwärtig, egal ob auf der Ebene einzelner Menschen oder auf der Ebene komplexerer Organisationsstrukturen. Es ist sozusagen fest im Lauf der Dinge verankert. Da soll mal einer behaupten, Lernen sei nur etwas für Streber.

Autor: Jacqueline  |  Rubrik: studium  |  Nov 14, 2014
Autor: Jacqueline
Rubrik: studium
Nov 14, 2014