Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Studentenleben live

Praktikum bei Papa

In den Semesterferien werde ich ein Praktikum machen. Mein bisher drittes insgesamt und mein erstes selbstorganisiertes. Dementsprechend hatte ich zum ersten Mal die Qual der Wahl, wohin ich eigentlich möchte. Einzige Vorgabe: Es soll eine Schule sein, an der ich zu Schülern mit Lernbehinderungen Kontakt haben werde. Viele meiner Kommilitonen machen dieses Praktikum einfach in der Umgebung, andere gehen wieder in ihre Heimatstadt zurück und wieder andere quartieren sich bei Freunden ein, die in einer tollen Stadt wohnen.

Ich dachte zuerst, ich müsste mich denjenigen anschließen, die einfach hier bleiben und versuchen, möglichst wohnortnah in einer Schule unterzukommen. Schulen für lernbehinderte Kinder gibt es überall, ich habe noch von keiner mit einem besonders guten Ruf gehört, meine Freunde wohnen alle in winzigen WG-Zimmern und ich wüsste niemanden, mit dem ich es auf so engem Raum lange aushalten würde. Dazu kommt, dass meine Eltern aus meinem Heimatort weggezogen sind. Meine Mama wohnt jetzt im Westerwald in einem 200-Seelen-Dorf ohne vernünftige Busanbindungen und mein Papa in einer ähnlichen Situation in der Lüneburger Heide.

Zumindest scheint mir die öffentliche Verkehrsanbindung im Dorf meines Vaters nicht ganz so schlecht. Die Busanbindungen sind dort deutlich besser, vermutlich ist das dem Tourismus geschuldet. Es ist zwar trotzdem winzig und vorwiegend von älteren Menschen bewohnt, aber es ist durchaus machbar, am Wochenende mal meinen Bruder, meine Oma oder meine Schwester besuchen zu fahren, die alle nicht so weit davon entfernt wohnen. Und ich könnte mich voll und ganz auf das Praktikum konzentrieren ohne Gefahr zu laufen, zu sehr von meinem Privatleben abgelenkt zu werden. Keine Freunde, die ich abends treffen kann, kein Babysitten, kein Arbeiten, kein Klavierunterricht, nichts. Da könnte es ja fast möglich sein, das Praktikum plus zwei Hausarbeiten in den Semesterferien unterzubringen.

Aber auf der anderen Seite kann es sicher auch richtig schiefgehen. Vielleicht wird mir dieser Ausgleich so sehr fehlen, dass ich nicht genug Energie habe, um meine Arbeit zu erledigen. Ich weiß es nicht. Wir werden sehen.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Feb 4, 2016
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Feb 4, 2016

Studentenleben live

Flexibel wie ein Stein

Früher mochte es nicht, wenn sich Dinge änderten. Ich hatte gerne schon morgens einen Plan vom Tag und überhaupt: „spontan“ bedeutet doch, man überlegt sich was für übernächste Woche, oder? Ich war eigentlich ganz glücklich damit, manchmal hatte ich aber trotzdem ein bisschen das Gefühl, durch meine Unflexibilität etwas zu verpassen und mir die Chance auf tolle Geschichten zu verbauen, die ich meinen Enkelkindern erzählen kann.

Diese Janna ist definitiv Vergangenheit. Ich habe das Gefühl, mich in den letzten Monaten ziemlich verändert zu haben, weil ich momentan sehr locker an neue Situationen und Veränderungen herangehe. Besonders mag ich aber, dass ich wirklich spontaner geworden bin.

Ein Beispiel? Vergangene Woche saß ich eines Abends um halb zehn Uhr eigentlich in Jogginghose und Schlabber-T-Shirt mit einem guten Buch auf dem Sofa, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen, da der ursprünglich geplante Mädelsabend abgesagt wurde. Dann bekam ich eine Nachricht von zwei meiner besten Freunden aus der Uni, die fragten, ob ich nicht vorbeikommen wollte. Zwölf Minuten später (inklusive Umziehen und Fahrradweg) stand ich vor ihrer Tür und konnte mich über einen Abend mit viel Lachen, aber auch tiefergehenden Gesprächen freuen.

Der vergangene Sonntag war in Sachen Spontaneität aber mein bisheriges Highlight: Ich hatte den ganzen Tag verschlafen, weil ich vom Lernen ein bisschen schlapp war und für abends drei Freunde eingeladen habe, damit ich nicht einen ganzen Tag ohne gesellschaftliche Interaktion auskommen musste. Spontan kamen dann noch drei weitere Freunde dazu. Eigentlich sollte das Ganze nicht so lange gehen. Das einzige andere Mädchen der Runde verabschiedete sich auch um halb elf, die anderen saßen aber weiter in meinem Wohnzimmer, leerten meinen Kühlschrank und erfanden Spiele, bis es plötzlich drei Uhr nachts war und eine Idee geboren wurde: Lasst uns doch alle die „Nudel-Challenge“ machen, bei der jeder zwei Packungen Nudeln essen muss.

Es war halb sieben Uhr morgens, als ich an jenem Tag mit dem guten Gefühl eingeschlafen, dass ich mich später an diese Dinge erinnern werde und mir sage: Hey, ich habe in meiner Jugend wirklich witzige Sachen erlebt!

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Feb 3, 2016
Autor: Janna
Rubrik: studium
Feb 3, 2016

Studentenleben live

Text on 9 Keys

„Sehen wir uns morgen um zwölf Uhr?“ – „Ja, passt, freie mich! Risse“ So, oder so ähnlich sahen bei mir schon manche Nachrichten aus, die ich per Sofortnachrichtendienst mit meinem Handy verschickt habe. Dabei wollte ich meine Freunde weder dazu auffordern, mich zu heiraten, noch haben meine Eltern mir den nicht gerade schmeichelhaften Namen „Risse“ gegeben. Die Autokorrektur funktioniert einfach nicht gut und schlägt mir lauter Blödsinn vor, den ich nie schreiben wollte. Welche Nutzer schreiben denn von Rissen?

Am Anfang kannte mein Telefon auch keine zweite Person. „Du kommst“ oder „ihr kommt“ hielt es für falsch. Dabei müssten doch auch die Entwicklerinnen und Entwickler wissen, dass man im Deutschen konjugieren muss. Oder dass es zumindest ein gewisses Zielpublikum gibt, das in seinen Nachrichten noch konjugieren will. Vielleicht ist das inzwischen eine aussterbende Spezies?

Warum, frage ich mich, ist mein intelligentes Telefon eigentlich genauso unwissend wie mein altes? Früher – in den Zeiten ohne Smartphone – habe ich häufiger Nachrichten verschickt wie: „Ich süd dich später an. Viele Grüße Pore“ Wahlweise auch „Viele Grüße Soße“. Und habe mich nachher furchtbar aufgeregt. Wer bitteschön will denn von „Poren“ schreiben? Wieso schreibt das Gerät dieses lächerliche Wort? Mein neues Telefon will von Löchlein in der Haut, Gott sei Dank, nichts mehr wissen. Warum eigentlich nicht? Natürlich! Ich habe ja kein T9 mehr!

T9 oder auch „Text on 9 Keys“ – kennt ihr das noch? Endlich musste man bei meinem Namen nicht mehr 777-666-7777-33 drücken – das dauerte ja Stunden – sondern schlicht 7673. Eine tolle Erfindung damals, doch für heutige Handys völlig überflüssig. Auch ich musste kurz nachdenken, bevor mir wieder eingefallen ist, welcher Buchstabe auf welcher Zahl liegt. Und diejenigen, die etwas jünger sind als ich, kennen vermutlich nicht mal das Problem, geschweige denn die Lösung. Ja, das gute alte T9. Lange habe ich nicht mehr daran gedacht, ihm konnte man sogar etwas beibringen. Und es gab Rätsel, in denen nur die Zahlen abgedruckt waren und man sich kombinieren sollte, was sich wohl für eine mit T9 geschriebene Nachricht dahinter verbergen könnte. Schade, dass es die nicht mehr gibt.

Vielleicht werden sich zukünftige Generationen nicht nur fragen, was eigentlich T9 ist, sondern auch, warum wir nicht einfach nur Sprachnachrichten verschicken. Diese Audiobotschaften haben zwar ungefähr so viel Charme, wie die Nachrichten früher auf dem Anrufbeantworter, dafür schickt man keine ungewollten Heiratsanträge.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Feb 3, 2016
Autor: Rose
Rubrik: studium
Feb 3, 2016