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Bachelor live

Der Masterplan

Vor Kurzem fand mein Kennlernwochenende vom College of Europe in Berlin statt. Am Anfang war es wie jedes Mal bei solch einer Veranstaltung: Man führt ein bisschen Smalltalk, fühlt sich etwas fehl am Platz und fragt sich, was der eine oder andere Vortrag eigentlich soll. An diesen eineinhalb Kennlerntagen erzählten Alumni von ihrer Arbeit. Außerdem durfte ich bei einem Botschaftsempfang bei Pommes und Leffe-Bier mit dem belgischen Botschafter über den Zusammenhalt in Europa und der Welt diskutieren.
Nach und nach kristallisierten sich an diesen Tagen die Grüppchen heraus, die sich besonders gut verstanden, und schon bald hatte ich das Gefühl, meine „neuen Mädels“ und auch sonst viele nette Leute kennengelernt zu haben. Und anders, als es der Ruf des Colleges vermuten lässt, nicht nur Studierende, die unbedingt Karriere machen wollen, sondern auch solche, die Neues erleben und über den Tellerrand schauen möchten.
Die Alumni haben uns vor Augen geführt, welche Bandbreite das Leben hat. Von der alle Vorurteile erfüllenden Finanzministeriumsbeamtin über den Angestellten beim Auswärtigen Amt, der am Thema „Brexit“ mitwirkt, bis hin zum OSZE-Mitarbeiter, der in der Ukraine den Durchmesser von Bombenkratern ausgemessen hat, war wirklich alles dabei. Als beruhigend empfand ich zum einen den Absolventen des Jahrgangs 1975, der ebenso wie ich erst Jura studiert, am College die Politik-Option gewählt und sich dann ziemlich gut in der (Arbeits-)Welt zurechtgefunden hat. Zum anderen gefiel mir die Aussage eines weiteren Alumni, dass die Note nicht so wichtig sei, denn die Lerninhalte hätte man nach 20 Jahren vergessen – das Gefühl, das aus Brügge zurückbleibt, und die Diskussionen, die man dort führte, jedoch nie. Er regte an, querzudenken und gegen den Strom zu schwimmen.
Und das habe ich mir ganz fest vorgenommen: Mich nicht in der (Lern-)Mühle fangen zu lassen, sondern das Lebensgefühl in Brügge mitzunehmen und von dem zu profitieren, was das College ausmacht: Die Menschen. Und noch eine Gewissheit habe ich: Es gibt keinen Masterplan für das Leben. Es wird immer unvorhergesehene Ereignisse wie den Brexit geben. Es wird Türen geben, die sich schließen und welche, die sich öffnen. Man muss einfach neugierig, hartnäckig und mutig bleiben.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  14.08.2017

Bachelor live

Seminarleitung

Seit dem Abitur war ich auf vielen Seminaren, etwa dem Vorbereitungsseminar für meinen Auslandsaufenthalt, dem Zwischenseminar, dem nach der Heimkehr, deutsch-tschechischen Begegnungen oder auch Theaterworkshops. Neulich sollte ich nun zum ersten Mal selbst ein Seminar leiten. Die Organisation, mit der ich einst in Tschechien war, suchte jemanden, der den zukünftigen Freiwilligen die tschechische Landeskunde näherbringen kann. So verschlug es mich ins ferne Wiesbaden.
Das Vorbereitungsseminar war bereits in vollem Gange, als ich eintraf. 80 junge Menschen auf einem zehntägigen Seminar – eine Mordsorganisation. 26 von ihnen werden nach Indien gehen, 20 nach Australien und zwölf in europäische Länder. Zwei der letzteren Gruppe haben Tschechien zum Ziel und für diese bin ich zuständig. Doch die eine hatte Abiball und nur der andere war da.
Am nächsten Morgen um 9 Uhr ging es los. Ich war gut vorbereitet und begann mit einem „Vorurteilscheck“: Tschechen trinken viel Bier? Stimmt! Tschechien ist Osteuropa? Quatsch! Ich brachte meinem Freiwilligen Wissenswertes über die Politik und die Gesellschaft näher und erzählte vom Leben in Tschechien. Und natürlich bekam er ganz viele Tipps: Mit welchen Verkehrsmitteln ist man im Nachbarland unterwegs? Was isst man da drüben?
Am Ende, nach sechs Stunden Seminarleitung mit einem Teilnehmer, hatte ich das Gefühl, dass noch ganz viel zu sagen wäre – und die Gewissheit, dass so ein Seminar mehr Aufwand ist, als es für die Teilnehmer scheint.

Bachelor live

Ostseewellen

Es ist Sommer und der alljährliche Familienurlaub an der Ostsee steht an. Da ich das Meer im vergangenen Jahr sehr vermisste, fahre ich dieses Mal wieder mit. Doch was hat es auf sich mit der Ostsee?
Die Seebäder an der Küste sind schon seit Hunderten Jahren Ziel von Touristen. Zu DDR-Zeiten waren es staatlich organisierte Urlaube, vor allem vom FDGB – dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund – die die Menschen hierher brachten. Viel reisen durfte man nicht und ein Aufenthalt hier war durch die Subventionen des Staates günstig. Manch einer versuchte, über die Ostsee in den Westen zu fliehen, auf Luftmatratzen, in selbstgebauten Booten oder mit eigener Muskelkraft. Nachts wurden die Badestrände deshalb mit Flutlicht ausgeleuchtet und von den Grenzern überwacht. Die meisten Fluchtversuche scheiterten, mehr als 100 Menschen verloren gar ihr Leben. Doch circa 900 schafften über die See den Weg in die Freiheit.
2007 erlangte die Ostseeküste unweit Rostocks auf der ganzen Welt Beachtung, als der Badeort Heiligendamm Tagungsort des G8-Gipfels war. Die Sicherheitsmaßnahmen kosteten Millionen Euro. Die Reporter wurden im nahegelegenen Ort Kühlungsborn untergebracht und reisten mit der Dampflok Molli an.
Heute geben Kühlungsborn, vor allem aber Heiligendamm ein eher trauriges Bild ab. In Heiligendamm leben 300 Menschen. Das gigantische Grand Hotel hat vermutlich mehr Betten als der Ort Einwohner, wechselt alle paar Monate den Besitzer, taumelt von Insolvenz zu Insolvenz. Die wunderschönen Villen direkt am Strand fallen langsam ein. In Kühlungsborn leben 8000 Menschen. Allsommerlich rücken die Urlauber an, vor allem Rentner oder Familien mit kleinen Kindern. Erstere schieben ihre Rollatoren auf der Strandpromenade vor sich hin, an der Verkäufer ramschiger Läden versuchen, die Urlauber zu einem Spontankauf zu verleiten. Dabei ist es eigentlich ein ganz netter Ort. Es stimmt eben doch: Der Tourist zerstört, was er sucht, in dem er es findet.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  07.08.2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
07.08.2017