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Bachelor live

Funzeln, süßer Schoppen und Co.

Als ich im vergangenen Jahr fast 150 Kilometer fern meiner rheinhessischen Heimat nach Marburg gezogen bin, ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, was es bedeutet, in einer Weinregion aufgewachsen zu sein. Viele Dinge, die ich bislang für völlig normal gehalten habe, entpuppten sich plötzlich als regionale Sitten.
Als ich meinen Mitbewohnern beispielsweise einmal erzählte, dass ich am Wochenende mit Freunden funzeln war, sahen sie mich nur fragend an. Auch als ich ihnen erklärte, was eine Funzelfahrt ist (eine Planwagenfahrt durch die Weinberge mit Weinverkostung), konnten sie sich darunter nicht viel vorstellen. Ein anderes Mal schnappten einige meiner Freunde den Begriff „Händkäs mit Musik“ auf und fingen an zu rätseln, was wohl damit gemeint war. Sie hatten viele kreative Ideen: Ein Käse serviert mit einer kleinen Jukebox, die ein gewünschtes Lied spielt? Geigenspieler, die sich neben den Tisch stellen, während man den Käse isst? Dass es sich dabei um Käse in Zwiebelsoße handelt, wusste allerdings niemand. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich auf einer Marburger WG-Party, als ich ein beliebtes Getränk aus meiner Heimat trank: Süßer Schoppen, also Wein mit Limonade. Auch dafür erntete ich irritierte Blicke und mehrmals die Frage: „Schmeckt das überhaupt?!“
Natürlich gibt es überall regionale Besonderheiten – ob Spezialitäten, Bräuche oder Festivitäten. Aber vor allem im Spätsommer lerne ich meine Heimat immer wieder aufs Neue zu schätzen. Zwischen August und Oktober richtet fast jede Stadt und jedes kleine Dorf in der Umgebung ein eigenes Weinfest aus, ebenso veranstalten viele Weingüter Hoffeste. Dort treffe ich nicht nur jedes Mal viele Bekannte, sondern komme auch in den Genuss vieler rheinhessischer Köstlichkeiten, wie einem guten Wein oder Spundekäs mit Bretzelchen. Das fehlt mir manchmal in Marburg.

Autor: Franziska  |  Rubrik: studium  |  Sep 26, 2017
Autor: Franziska
Rubrik: studium
Sep 26, 2017

Bachelor live

Politikwissenschaftler unter sich

Vor einigen Tagen habe ich eine Webseite gefunden, die Dinge listete, die nur Politikwissenschaftler verstehen würden – und ich musste sehr schmunzeln. Seit dem Wintersemester studiere ich Politik- und Medienwissenschaften. Nach meinem ersten Semester habe ich bereits eine ähnliche Liste für Medienwissenschaftler im Internet gefunden und fand, dass kein einziges der Klischees, das dort stand, wirklich stimmte. Ich werfe jedenfalls nicht mit Begriffen wie „audiovisuell“ und „Multimedia“ um mich, schaue in meiner Freizeit auch keine japanischen Kurzfilme aus den 80ern und Snapchat habe ich zwar einmal installiert, aber schon kurze Zeit später wieder von meinem Handy gelöscht.
Weil die zweite Liste mit Klischees über Politikwissenschaftler jedoch so unglaublich wahr und außerdem witzig war, habe ich hier einige meiner persönlichen Favoriten gesammelt: Zuerst einmal möchten die wenigsten von uns Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin werden – und wir sind alle genervt, das so oft gefragt zu werden. Viele wollen überhaupt nicht in die Politik, sind aber bei Nichtregierungsorganisationen oder Jugendgruppen aktiv oder haben einfach Spaß daran, herauszufinden, wie unsere Welt funktioniert.
Gefragt werden wir zudem ständig nach Nachrichten, die jemand am Tag zuvor bei der Tagesschau gesehen hat. Ich habe Freunde, die nicht mit mir studieren und bei denen ich mir sicher bin, sie glauben, ich würde in der Uni Wahlkampfprogramme lesen und studieren. Tatsächlich versucht man, so oft wie möglich einen aktuellen Bezug herzustellen – allzu oft gelingt das aber nicht: Über die anstehenden Bundestagswahlen habe ich beispielsweise noch in keinem Seminar gesprochen und auch in keiner Vorlesung etwas dazu gehört.
Ein negatives Klischee stimmt meiner Meinung nach aber absolut: Wenn jemand im Seminar oder auch in jedem anderen Gespräch nicht weiter weiß, dann zitiert er einfach jemanden. Wir lesen viel in unserem Studium, mal ganze Bücher, mal nur Ausschnitte, und von einigen Autoren weiß man, dass jeder Kommilitone sie gelesen hat. Wenn man dann in einer Diskussion einmal noch keine feste Meinung hat oder eine Antwort auf eine Frage nicht weiß, ist diese Lektüre eine Wunderwaffe: Zitate gehen immer – glauben jedenfalls Politikwissenschaftler.

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Sep 26, 2017
Autor: Marie
Rubrik: studium
Sep 26, 2017

Bachelor live

Alte Knochen, moderne Fabriken: Kutná Hora

Eine Zugstunde von Prag entfernt liegt das Örtchen Kutná Hora (Kuttenberg). Für mich war es auch bei meinem zweiten Besuch der 20.000-Einwohner-Stadt eine wahre Freude, über das mittelalterliche Pflaster zu wandern und mich in den engen Gassen zu verlaufen.
In Kutná Hora ist man auf die Ausflügler aus Prag gut eingestellt, am Bahnhof ertönen die relevanten Ansagen auf Tschechisch und auch Englisch. Magnet für die Besucherscharen ist vor allem das Beinhaus, ein Kirchenraum vollgepackt mit menschlichen Überresten. Es gibt adelige Wappen aus Knochen, Knochenkronleuchter und nicht zu vergessen die vier großen Schädelberge. Die Überreste stammen vor allem von Pestopfern und Gefallenen aus den Hussitenkriegen. Aber noch bizarrer als all die Knochen an den Wänden, sind die Lebendigen, die mit ihren Fotoapparaten alles festhalten und mit den Selfiesticks posieren. Und auch ich komme nicht darum herum, einige Aufnahmen zu schießen, brauche ich doch noch Bildmaterial für meinen Reiseführer.
Ein weiteres Highlight Kutná Horas ist der Dom mit seinem äußerst sehenswerten Gewölbe und dem Vorplatz, von dem man einen ausgezeichneten Blick über die Stadt genießt. Ein Besuch in dieser Stadt ist eine einzige Zeitreise ins Mittelalter.
Doch auch hier ist das 21. Jahrhundert längst angekommen. Das viertgrößte tschechische Unternehmen hat hier seinen Sitz: Foxconn CZ, der tschechische Ableger des asiatischen Apple-Zulieferers. Und in der Stadt erzählt man mir, wie regelmäßig die Arbeiter in der Tabakfabrik von Philip Morris Schachteln klauen, bevor sie registriert werden, um sie zu verkaufen.
Als ich die Stadt verlassen will, spricht mich vor dem Bahnhof ein netter, älterer Herr in neon-orange-farbener Arbeitskleidung an: „Du hast aber einen schönen Koffer“, meint er und zeigt auf meinen metallenen Reisebegleiter. Er stellt sich mir vor. Vor ein paar Wochen ist er aus dem Gefängnis gekommen. Ursprünglich aus dem Nachbardorf, fegt er nun die Straßen hier in Kutná Hora. Er bittet mich um ein paar Kronen. Die bekommt er und einen lieben Handschlag, ehe ich in den Zug steige und wieder zurück gen Hauptstadt fahre.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Sep 22, 2017