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Bachelor live

Reisepass und Netzadapter

Als ich nach meinem Abitur für einen Freiwilligendienst nach Spanien ging, wusste ich schon recht früh, dass alles klappen würde: Bereits im Februar hatte ich die Zusage von dem Projekt, in dem ich arbeiten würde, und bis Mai warteten wir dann noch auf die Zusage, dass die Fördergelder für dieses Projekt bewilligt werden. Im Juni war mein Abiball und im Oktober ging es erst los: jede Menge Zeit also, um sich Gedanken zu machen. Und welche Frage stellt man sich zuerst? Na klar: Was soll ich mitnehmen?
Für ein ganzes Jahr einen Koffer zu packen, das ist eine verrückte Aufgabe. Eine Freundin, die nach ihrem Abitur ein Jahr in Bolivien verbracht hat, hat mir damals geraten, einfach für drei Wochen Urlaub zu packen und davon auszugehen, dass ich spätestens danach irgendwo wohne, wo ich entweder eine Waschmaschine habe oder wo es in meiner Nähe einen Waschsalon gibt. Beinahe noch schwieriger war es, als ich zurückflog: Eine Freundin, die mich zuvor besucht hatte, hatte mir meinen Reiserucksack mitgebracht und im Gegenzug meinen Koffer mit nach Hause genommen. Der Rucksack war jedoch kleiner als der Koffer und ich hatte eine Menge Mitbringsel sowie Erinnerungsstücke im Gepäck. Damals habe ich einen Großteil meiner Kleidung gespendet – das war wohl die einfachste Lösung.
In diesem Sommer werde ich vier Wochen in einem Workcamp in Südafrika verbringen und dieses Mal war es relativ einfach: Die Organisation, mit der ich dort sein werde, hat uns Packlisten ausgehändigt. Ganz so einfach stelle ich mir all das bisher trotzdem nicht vor: Eine Bauchtasche habe ich zwar noch von meinem Italienurlaub und den Reisepass beantragt, der Netzadapter für die Steckdose ist zumindest bestellt und meine Kleidung bereits herausgelegt. Aber was, wenn man etwas vergisst? Oder viel schlimmer: Was, wenn die Airline den Koffer vergisst?
Wenn ich ehrlich bin, hasse ich es, zu packen. Ich finde es unglaublich stressig, mir jetzt schon überlegen zu müssen, welches T-Shirt ich in drei Wochen anziehen möchte. Und das Wetter? In Kapstadt sind die Jahreszeiten andersherum als bei uns und im August, wenn wir ankommen, ist gerade der Winter zu Ende und der Frühling beginnt. Kälte heißt das trotzdem noch nicht, außer vielleicht nachts – die Wärmflasche steht deshalb auch schon auf der Packliste.

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Oct 4, 2017
Autor: Marie
Rubrik: studium
Oct 4, 2017

Bachelor live

Funzeln, süßer Schoppen und Co.

Als ich im vergangenen Jahr fast 150 Kilometer fern meiner rheinhessischen Heimat nach Marburg gezogen bin, ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, was es bedeutet, in einer Weinregion aufgewachsen zu sein. Viele Dinge, die ich bislang für völlig normal gehalten habe, entpuppten sich plötzlich als regionale Sitten.
Als ich meinen Mitbewohnern beispielsweise einmal erzählte, dass ich am Wochenende mit Freunden funzeln war, sahen sie mich nur fragend an. Auch als ich ihnen erklärte, was eine Funzelfahrt ist (eine Planwagenfahrt durch die Weinberge mit Weinverkostung), konnten sie sich darunter nicht viel vorstellen. Ein anderes Mal schnappten einige meiner Freunde den Begriff „Händkäs mit Musik“ auf und fingen an zu rätseln, was wohl damit gemeint war. Sie hatten viele kreative Ideen: Ein Käse serviert mit einer kleinen Jukebox, die ein gewünschtes Lied spielt? Geigenspieler, die sich neben den Tisch stellen, während man den Käse isst? Dass es sich dabei um Käse in Zwiebelsoße handelt, wusste allerdings niemand. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich auf einer Marburger WG-Party, als ich ein beliebtes Getränk aus meiner Heimat trank: Süßer Schoppen, also Wein mit Limonade. Auch dafür erntete ich irritierte Blicke und mehrmals die Frage: „Schmeckt das überhaupt?!“
Natürlich gibt es überall regionale Besonderheiten – ob Spezialitäten, Bräuche oder Festivitäten. Aber vor allem im Spätsommer lerne ich meine Heimat immer wieder aufs Neue zu schätzen. Zwischen August und Oktober richtet fast jede Stadt und jedes kleine Dorf in der Umgebung ein eigenes Weinfest aus, ebenso veranstalten viele Weingüter Hoffeste. Dort treffe ich nicht nur jedes Mal viele Bekannte, sondern komme auch in den Genuss vieler rheinhessischer Köstlichkeiten, wie einem guten Wein oder Spundekäs mit Bretzelchen. Das fehlt mir manchmal in Marburg.

Autor: Franziska  |  Rubrik: studium  |  Sep 26, 2017
Autor: Franziska
Rubrik: studium
Sep 26, 2017

Bachelor live

Politikwissenschaftler unter sich

Vor einigen Tagen habe ich eine Webseite gefunden, die Dinge listete, die nur Politikwissenschaftler verstehen würden – und ich musste sehr schmunzeln. Seit dem Wintersemester studiere ich Politik- und Medienwissenschaften. Nach meinem ersten Semester habe ich bereits eine ähnliche Liste für Medienwissenschaftler im Internet gefunden und fand, dass kein einziges der Klischees, das dort stand, wirklich stimmte. Ich werfe jedenfalls nicht mit Begriffen wie „audiovisuell“ und „Multimedia“ um mich, schaue in meiner Freizeit auch keine japanischen Kurzfilme aus den 80ern und Snapchat habe ich zwar einmal installiert, aber schon kurze Zeit später wieder von meinem Handy gelöscht.
Weil die zweite Liste mit Klischees über Politikwissenschaftler jedoch so unglaublich wahr und außerdem witzig war, habe ich hier einige meiner persönlichen Favoriten gesammelt: Zuerst einmal möchten die wenigsten von uns Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin werden – und wir sind alle genervt, das so oft gefragt zu werden. Viele wollen überhaupt nicht in die Politik, sind aber bei Nichtregierungsorganisationen oder Jugendgruppen aktiv oder haben einfach Spaß daran, herauszufinden, wie unsere Welt funktioniert.
Gefragt werden wir zudem ständig nach Nachrichten, die jemand am Tag zuvor bei der Tagesschau gesehen hat. Ich habe Freunde, die nicht mit mir studieren und bei denen ich mir sicher bin, sie glauben, ich würde in der Uni Wahlkampfprogramme lesen und studieren. Tatsächlich versucht man, so oft wie möglich einen aktuellen Bezug herzustellen – allzu oft gelingt das aber nicht: Über die anstehenden Bundestagswahlen habe ich beispielsweise noch in keinem Seminar gesprochen und auch in keiner Vorlesung etwas dazu gehört.
Ein negatives Klischee stimmt meiner Meinung nach aber absolut: Wenn jemand im Seminar oder auch in jedem anderen Gespräch nicht weiter weiß, dann zitiert er einfach jemanden. Wir lesen viel in unserem Studium, mal ganze Bücher, mal nur Ausschnitte, und von einigen Autoren weiß man, dass jeder Kommilitone sie gelesen hat. Wenn man dann in einer Diskussion einmal noch keine feste Meinung hat oder eine Antwort auf eine Frage nicht weiß, ist diese Lektüre eine Wunderwaffe: Zitate gehen immer – glauben jedenfalls Politikwissenschaftler.

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Sep 26, 2017
Autor: Marie
Rubrik: studium
Sep 26, 2017