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Bachelor live

Kosovo 2: Die Berge

Es dämmert schon in Pristina, als ich mit meiner guten Freundin in den Bus nach Peja einsteige. Der Bus füllt sich schnell, unterwegs steigen bis in die Peripherie der Hauptstadt hinaus noch Leute zu, man steht bereits auf dem Gang. Aus den Lautsprechern tönt grelle Gute-Laune-Popmusik, aber kein englisch-sprachiger Einheitsbrei, sondern echte, lokale Musik in einer fremden Sprache. Vorne steht auf einem Schild „Während der Fahrt bitte nicht mit dem Fahrer sprechen“ – wohl ein ausgesonderter Bus aus Deutschland. Der Fahrer unterhält sich jedenfalls trotzdem.
Als wir am nächsten Morgen wanderlustig die Herberge verlassen, sind wir verblüfft: Die unfassbar schöne Berglandschaft um uns herum hatten wir am Abend zuvor gar nicht gesehen. Am Treffpunkt, wo wir auf den Bus des Alpinclubs aus Pristina warten, erscheint keiner. Wir rufen an und erfahren. Man ist ohne uns einzusammeln vorbeigefahren. Na gut, dann trampen wir eben ein paar Kilometer in die Berge. „Trampen ist im Kosovo unüblich und nicht zu empfehlen“, steht zwar in meinem Reiseführer. Sieben Minuten später sitzen wir allerdings auf der Rückbank des Wagens zweier junger Herren, die uns von ihrer Pizza abgeben. Es sind echte Bergsteigerprofis – und lassen uns an einer Stelle raus, wo es nicht zu gefährlich zum Wandern ist, irgendwo im Nirgendwo, allein in den Bergen. In der Sonne ist es behaglich warm, im Schatten ist der Weg vereist. Eine Herde Kühe kommt uns mit lautem Glockengeläut entgegen.
Schließlich nähern wir uns einem Gipfel und ein paar Hütten. Wir erwarten die komplette Idylle und tatsächlich hat man einen großartigen Blick, Schnee und Sonne. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppen sich ein paar der Hütten – es sind vielleicht um die zehn – als regelrechte Villen und die Menschen hier oben sprechen Deutsch. Ein Mann erklärt uns, dass es sich hauptsächlich um Ferienhäuser und ihre Bewohner aus der Stadt handelt.
Wir machen uns an den Abstieg. Unten angekommen sticht uns ein Reisebus ins Auge. Und tatsächlich: Es ist der Alpinclub aus der Hauptstadt, der seine Tour beendet hat. Um die 100 mit Fotoapparaten und Funktionskleidung ausgestatteten, erschöpften kosovo-albanischen Wanderer trudeln langsam ein. Wir sind uns sicher, die schönere Wanderung gehabt zu haben. Dankenswerterweise nehmen sie uns mit zurück nach Peja, in die Stadt, wo das beste Bier des Kosovo gebraut wird. Doch das heute Abend noch näher zu verkosten, dazu kommen wir gar nicht mehr. Müde und sehr glücklich fallen wir ins Herbergsbett und in den Schlaf.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Nov 30, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Nov 30, 2017

Bachelor live

Was ist Luxus?

Südafrika ist voller Kontraste. Da sind die Townships und die Villen, da sind Wellblechhäuser und Elektrozäune, da sind Kirchen unter freiem Himmel und Convention Centers. In Südafrika hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, dass ich mehr Fragen haben würde, je länger ich in diesem Land bin. Ein Workcamp ist vor allem dazu da, um einen kulturellen Austausch zwischen den Teilnehmern und den Menschen vor Ort zu schaffen. So schnell Kontakt zu Einheimischen zu finden, mit ihnen feiern oder wandern zu gehen, sie zum Essen einzuladen und zum Essen eingeladen zu werden – das war für mich purer Luxus. So grübelte ich darüber, was Luxus aus verschiedenen Perspektiven bedeutet …
Das Internet ist voll mit Reisetipps in und rund um Kapstadt. An einem Wochenende fuhren wir zu einem Café, das dort oft angepriesen wurde. Es liegt mitten zwischen zwei Bergen an einem kleinen See und ist das am idyllischsten gelegene, einsamste und wohl schönste Café, das ich je gesehen habe. Mit dabei waren zwei Südafrikaner, die wir in unserem Vorort von Kapstadt kennengelernt hatten. Doch sie fühlten sich dort sichtlich unwohl. Denn die Gäste waren nur Weiße – nicht einmal unbedingt viele Touristen, sondern eher Einheimische, aber eindeutig Angehörige einer hohen Einkommensklasse.
Als wir wenig später in unserer letzten Woche die südafrikanische Küste entlangfuhren, fand ich es in den ersten Tagen schwer, die Reise zu genießen. Wie auch, wenn man weiß, dass sich ein großer Teil der Bevölkerung diesen Ausflug niemals hätte leisten können?
Dieser Gedanke kam mir auch beim Thema Hostels. In Südafrika heißen diese nicht Hostels, sondern Backpackers. In Europa habe ich schon viele kennengelernt, habe in engen Zehn-Bett-Zimmern und in schnöden Hochhausbauten übernachtet. In Südafrika sind die Hostels dagegen ein Traum: groß angelegte Gebäude meist mit Gärten, Swimmingpool und Feuerstelle, Schlafsäle mit Meerblick, meist gehörte sogar ein eigener Strand dazu – und die Preise sind kaum höher als in europäischen Hostels. Dort tummelten sich Backpacker auf ihrem eigenen Abenteuer durch Südafrika. Und ich fragte mich, ob sie überhaupt verstanden, dass ihre Reise durch ein als wild wahrgenommenes Land für die meisten Südafrikaner einfach nur Luxus ist.

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Nov 29, 2017
Autor: Marie
Rubrik: studium
Nov 29, 2017

Bachelor live

Kosovo 1: Die Hauptstadt

Eine gute Freundin von mir studiert derzeit ein Jahr lang im Rahmen des Erasmus-Programms in der Hauptstadt des Kosovos, Pristina. Ein wenig mehr als eine Million Einwohner hat der Kosovo und 200.000 davon wohnen dort – es ist wohl ein toller Ort. Ich mache ich mich also auf mit dem ICE nach Berlin, zum Schönefelder Flughafen und mit dem Billigflieger runter auf den Balkan.
Pristina scheint eine ganz normale europäische Hauptstadt zu sein: Kinder spielen, Hunde bellen, auf dem Markt herrscht reges Treiben. Doch der Balkan-Krieg ist noch nicht lange her. Ab und an fahren Militärfahrzeuge von großen internationalen Missionen, die noch im Land sind, durch die Straßen. Auf dem Hauptplatz der Stadt schwenken Albaner, die größte Volksgruppe im Land, bei einer Demonstration vor dem Parlament ihre Fahnen. Mit den Serben gibt es noch immer Konflikte. Die deutsche Bundesregierung erkannte 2008 die Unabhängigkeit des Kosovo an. Und das Auswärtige Amt warnt: „Es wird […] empfohlen, größere Menschenansammlungen zu meiden und sich über die lokalen Medien über die Sicherheitslage vor Ort zu informieren.“
Im Nationaltheater lasse ich die schöne albanische Sprache auf mich wirken. Hier im Zentrum gibt es unzählige hippe Cafés und Bars, ganze Straßenzüge lang. An jeder Ecke werden Kebab und gute Speisen angeboten – die Küche des Landes ist fleischlastig. Die Bevölkerung ist hauptsächlich islamisch. Das hat mitunter zur Folge, dass man auf dem Turm einer katholischen Kirche steht und ringsherum die Muezzine rufen hört. Der Verkehr ist wild: Fußgänger überqueren die Straßen immer dann, wenn sich eine Lücke auftut. Ein paar Hoteltürme ragen in den Himmel. Wer wohl da oben Champagner trinkt? An jedem Laternenpfahl hängen grün eingerahmte Zettel mit Porträts von alten Leuten und deren Nachrufen. Die Nationalbibliothek, welche gleichzeitig die der Universität ist, ist übersichtlich. Unten gibt es ein Café, da hängen Rauchen-verboten-Schilder an den Wänden, trotzdem sieht man sein Gegenüber kaum durch die dicken Rauchschwaden.
Pristina – eben eine fast ganz normale europäische Hauptstadt.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Nov 28, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Nov 28, 2017