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Freiwilligendienst im Ausland

Der Sinn eines Sozialzentrums – 1

Vor einigen Wochen habe ich bereits von meiner Arbeit im Sozialzentrum hier in Frankreich berichtet – und auch, dass der Anfang dort schwer für mich war.
Angesichts schlecht organisierter Arbeitsabläufe und geringer Teilnehmerzahlen bei unseren Aktivitäten stellte ich mir häufig die Frage, welchen Sinn es macht, in einer Kleinstadt eine solche Institution aufrechtzuerhalten. Doch jetzt, nach fast sechs Monaten, wird es für mich immer klarer: Viele Menschen sind hier auf dem Land mit schwierigen Situationen konfrontiert, über die ich als „Großstadtkind“ vorher nie so recht nachgedacht habe.
Zunächst gibt es nur wenig Arbeit und viele Menschen kommen daher ins Sozialzentrum, um ihren Lebenslauf zu aktualisieren, Anschreiben auszudrucken, Stellenanzeigen zu recherchieren oder sich beraten zu lassen. Wer Arbeit in der Umgebung findet oder Auszubildender ist, kann sich im Sozialzentrum unter bestimmten Bedingungen außerdem einen Motorroller mieten, denn der öffentliche Nahverkehr ist kaum ausgebaut.
Auch in unseren Computerkursen wird mir bewusst, dass manche Dorfbewohner sich ein wenig abgeschnitten fühlen müssen. Viele Teilnehmer kommen aus Neugier, weil es im Dorf nichts mehr Neues zu sehen gibt, oder um sich mit anderen Senioren auszutauschen. Manchmal stoßen wir während unserer Kurse auch auf individuelle Schwierigkeiten: So kann beispielsweise ein Herr nicht so gut lesen und schreiben. Eine achtzigjährige Dame, die sehr aufgeschlossen und voller Lebenslust ist, hat Probleme mit der Bedienung der Maus, da ihre Hand zu sehr zittert. In diesen Situationen lernen wir als Freiwillige, uns auf Menschen einzulassen und uns ihren Situationen anzupassen.
Wenn sie ihre ersten E-Mails verschicken und so mit ihren Kindern und Enkeln in Kontakt bleiben können, sind die meisten Teilnehmenden sehr zufrieden.
Sehr interessant sind zudem immer die Gespräche mit ihnen. Zum Beispiel erzählte mir die 80-jährige Dame von ihren Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg, den sie als Kind miterleben musste. So sind die Computerkurse ein sinnvoller Austausch, von dem auch ich und die beiden anderen Freiwilligen profitieren. Das ist ja auch ganz im Sinne des Konzepts des Sozialzentrums. Denn schließlich sollen unterschiedliche Menschen zusammengebracht und informelles Lernen ermöglicht werden.

Autor: Anna  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 3, 2019
Autor: Anna
Rubrik: orientieren
Apr 3, 2019

Freiwilligendienst im Ausland

Berufsziel unbekannt?

Nun bin ich seit über vier Monaten hier in Frankreich. Immer wieder werde ich gefragt, wie es nach meinem Freiwilligendienst für mich weitergehen soll. Es wird Zeit, eine Antwort auf diese Frage zu finden!
Mich interessieren sehr viele verschiedene Studienrichtungen. Von Politikwissenschaft über Europäische Studien oder Frankoromanistik bis hin zu Kommunikationswissenschaften – ich habe über alles nachgedacht. Wichtig sind mir aber auch gute Berufsperspektiven. Seit anderthalb Jahren komme ich immer wieder zu dem Ergebnis: Am meisten könnte ich mich für den Studiengang Psychologie oder aber für Ressortjournalismus begeistern.
Aber wie soll ich mich nun entscheiden? Weil ich in Frankreich bin, kann ich mich leider nicht mal eben in eine Vorlesung setzen oder einen Infotag an meiner Wunsch-Uni besuchen. Daher habe ich nun noch einmal im Internet recherchiert, mich mit einer Psychologiestudentin ausgetauscht und telefonisch an einer Studien- sowie einer Berufsberatung teilgenommen. Jetzt weiß ich endlich: Ich möchte Psychologie studieren!
Für psychologische Themen interessiere ich mich schon immer – und mit dem Studium steht mir ein weites Tätigkeitsfeld offen: Von Coaching und Supervision über Personalmanagement bis hin zu Marktforschung. Ein bisschen mulmig ist mir zwar bei dem Gedanken, dass ich auch viel Statistik haben werde, dafür bin ich auf die Allgemeine Psychologie sowie Module zu Sozial- und Entwicklungspsychologie umso gespannter. Außerdem steht mir noch die Entscheidung für einen Studienort bevor: Erlangen, Regensburg oder Bamberg? Ich bin sehr gespannt, wohin es mich verschlägt.

 

Autor: Anna  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Mar 20, 2019

Freiwilligendienst im Ausland

Wie im Schullandheim

Vergangene Woche habe ich drei Tage in einer Jugendherberge in einem 32-Einwohnerdorf verbracht – zusammen mit einer Gruppe anderer Freiwilliger aus der Region. Im Rahmen eines Seminars unserer Trägerorganisation standen Gespräche über unsere Erfahrungen als Freiwillige, politische Debatten und verschiedene Spiele auf dem Programm.
So wurden wir als Gruppe beispielsweise am zweiten Tag vor die Aufgabe gestellt, ohne jegliche Hilfsmittel eine Schnur zu überqueren, die auf Kopfhöhe zwischen zwei instabilen Stelzen gespannt war. Und obwohl dies erst unmöglich schien, fanden wir nach einiger Zeit tatsächlich eine Methode, mit vereinten Kräften alle Teilnehmer auf die andere Seite zu bringen.
Das Interessanteste war jedoch die Gruppe selbst, denn hier kamen ganz unterschiedliche Menschen zusammen. So nahm beispielsweise ein junger Mann mit einer leichten geistigen Behinderung am Seminar teil. Außerdem lernten wir einen französischen Freiwilligen kennen, der mit 22 bereits zweifacher Vater ist. Eine andere Freiwillige hatte Frankreich noch nie verlassen und war sehr an den Erfahrungen der internationalen Freiwilligen interessiert.
Außerdem waren mehrere Mädchen aus dem Elsass beim Seminar dabei: Diese Region im heutigen Frankreich gehörte zeitweise zu Deutschland. Daher spricht man dort neben der Amtssprache Französisch auch Elsässisch, das dem Deutschen sehr ähnlich ist. Ich war erstaunt, wie viel Elsässisch ich verstehen konnte und nutzte die Gelegenheit, mich mit den Freiwilligen über die deutsche und die französische Kultur auszutauschen.
Letztlich habe ich das Seminar mitten in der Natur sehr genossen – besonders während der gemeinsamen Mahlzeiten kam eine ausgelassene Stimmung auf, die mich an frühere Aufenthalte im Schullandheim erinnerte.