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Freiwilligendienst im Ausland

Hinterland

Für viele mag es wie ein Klischee klingen, aber ich kann nun aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Menschen in Afrika im Allgemeinen und aus Tansania im Speziellen überaus offen und freundlich sind.
Einmal wurde ich etwa von Flown, einem Lehrer der Katempris-Schule, der kaum älter ist als ich, nach Hause eingeladen. Dieses Angebot nahm ich liebend gern an, denn ich besuchte Tansania ja gerade aus dem Grund, authentisches Leben mitzubekommen und nicht nur Touristenhotspots abzuklappern. Besonders interessant war für mich, dass sein Heimatdorf im Gegensatz zu Kayanga – „meiner Stadt“ mit ihrem Markt, den Reisebussen und den geteerten Straßen – tatsächlich ein Kaff im Hinterland ist. Eines Samstagmorgens fuhren wir erst mit Kleinbussen, dann mit dem Taxi dorthin. Erst nach zwei Stunden kamen wir am Haus seiner Eltern an.
Das Haus war eher eine Hütte, aus Lehm gebaut, mit gestampften Böden, kleinen, düsteren Zimmern. Die Eltern empfingen uns freudig; erstens, weil ihr Sohn nach zwei Monaten an der Schule auf einen Besuch vorbeischaute und zweitens, weil er einen so seltsamen Gast wie mich mitbrachte. Ich überreichte circa zwei Kilo Zucker, mein Gastgeschenk. Dann ließen wir Männer uns auf simpel gezimmerten Bänken nieder und plauderten ein wenig.
Wohlgemerkt: Nur wir Männer saßen beisammen. Das konservative Rollenverständnis im ländlichen Tansania verbot es offensichtlich, dass sich die Frauen und Kindern gleichberechtigt mit uns unterhalten können. Sie hielten sich stattdessen in der Küche auf, kochten für uns zu Mittag und schälten Erdnüsse – ein Umstand, der mich peinlich berührte.
Nachdem wir gegessen hatten, zeigte mir Flown die Felder seiner Familie und seine eigenen, auf denen sie Bananen, Kaffee, Kartoffeln und Cassava anbauen. Dabei erlebte ich zum ersten Mal, dass ein Kind vor mir als Weißen schreiend wegrannte. Ich kam mir vor wie ein Gespenst. Es war das Kind von Flowns bestem Freund, der mit 24 Jahren schon eine Frau und zwei Kinder hat und seinen Lebensunterhalt als Bauer verdient.
Nachdem wir zurück zum Elternhaus gegangen waren und reichlich mit Geschenken in Form von Eiern und Erdnüssen überschüttet wurden, machten wir uns auf den Heimweg. Mit vielen neuen Erfahrungen legte ich mich abends erschöpft ins Bett.

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  Jul 6, 2018

Freiwilligendienst im Ausland

Tansanische Grundschule – Teil 2

Wenn der Unterricht in der Katempris-Grundschule beginnt, setzen wir Freiwilligen uns neben lernschwache Schüler und unterstützen diese. Besonders interessant für mich ist dabei, die Lernmethoden der tansanischen Lehrer zu beobachten. In vielen Aspekten setzen sie eine Pädagogik ein, die hierzulande eher als veraltet gelten würde, zum Beispiel das Vorsagen und Nachsprechen.
Einmal pro Woche hat jede Klasse IT-Unterricht, den wir Freiwilligen aus ganz logischen Überlegungen übernehmen: Wir haben im Vergleich zu den Lehrern, die teils noch nie einen Computer benutzt haben, einfach mehr Erfahrung. Wir üben täglich mit den Schülern auf ausgedienten Laptops die Benutzung von Word und Paint.
Um 11 Uhr gibt es einen Brei, für viele Kinder die erste Mahlzeit des Tages. Wir setzten uns zu den Schülern an die Tische, plaudern mit ihnen, bringen ihnen Spiele bei und haben generell an ihrer Lebensfreude Anteil. Das betrachte ich als wahnsinnig großes Geschenk.
Danach findet wieder Unterricht statt, gefolgt vom Mittagessen, das aus einer Soße und abwechselnd aus Reis, Ugali (Maisbrei) oder Kartoffeln besteht. Um 16 Uhr versammelt sich die gesammelte Schule zur Verabschiedung, ehe wir wieder in unseren Bus steigen und nach Hause fahren. Manchmal bleibe ich auch mit den Internatskindern in der Schule und verbringe den ganzen Nachmittag damit, mit ihnen Memory zu spielen.
Zurück zu Hause kochen wir Freiwilligen gemeinsam Abendessen oder gehen zum Essen in die Stadt, was für uns preislich kaum einen Unterschied macht. Danach wünsche ich allen im Haus eine gute Nacht, begebe mich in mein Zimmer, schreibe in mein Tagebuch und gehe zu Bett.

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  Jun 19, 2018
Autor: Hannes
Rubrik: orientieren
Jun 19, 2018

Freiwilligendienst im Ausland

Tansanische Grundschule - Teil 1

Während meiner Zeit in Tansania arbeite ich in einer privat geführten Grundschule. Um euch meine Tätigkeit dort näherzubringen, möchte ich schildern, wie ein Tag hier in der Regel abläuft:
Um 7 Uhr ist es Zeit, aufzustehen. Nach einem kurzen Frühstück, welches meistens aus pappigem Weißbrot besteht, machen wir Freiwilligen uns zusammen mit den beiden Kindern, die bei uns im Haus wohnen, auf zum Schulbus. Dieser hält an der nächstgelegenen asphaltierten Straße.
Die nächsten 20 Minuten verbringen wir gequetscht wie die Ölsardinen, während der Bus alle Kinder auf der Strecke einsammelt. Ich bekomme zu dieser Zeit kaum meine Augen auf, doch die Kinder sind schon quicklebendig: Sie singen Lieder, brüllen Abzählreime und feuern den Busfahrer an. Ich fühle mich wie in einem Fanbus. Vor der Schule, die direkt neben der Landstraße liegt, werden wir in die Freiheit entlassen. Hier warten bereits andere Kinder auf uns, unter anderem die aus dem Internat.
Um 8 Uhr stellen sich die Schüler in Reihen zur „Assembly“ auf, zur Morgenversammlung. Diese beginnt meist mit Turnübungen und endet mit Gospelsongs. Zweimal in der Woche wird die Nationalhymne Tansanias gesungen – eine Patriotismusbekundung, die mir als Deutscher sehr fremd ist. Noch mehr wunderte es mich da, als ich einmal freundlich, aber bestimmt dazu aufgefordert wurde, währenddessen aufzustehen. In Tansania gilt es nämlich nicht nur als respektlos, während der Hymne zu sitzen, zu gehen oder gar zu arbeiten – es kann sogar rechtlich geahndet werden!
Danach gehen die Schüler in ihre Klassenzimmer, die auf dem weitläufigen Gelände verstreut sind. Mehr zum Unterricht erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  Jun 14, 2018
Autor: Hannes
Rubrik: orientieren
Jun 14, 2018