Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Freiwilligendienst im Ausland

Französische Esskultur

Nicht umsonst heißt es „Leben wie Gott in Frankreich“. Nach acht Monaten hier kann ich bestätigen, dass die meisten Franzosen einen anderen Bezug zum Essen haben als der durchschnittliche Deutsche.
Ein Mittag- oder Abendessen unter Franzosen kann sich gut und gerne einmal über mehrere Stunden erstrecken. Das liegt vor allem an der Anzahl der Gänge: Eine „ordentliche“ Mahlzeit besteht schließlich aus Vorspeise, Hauptspeise, Fromage (Käse) und Dessert!
Sogar in französischen Jugendherbergen werden häufig alle vier Gänge serviert.
Und auch in der Mittagspause kommt es nicht selten vor, dass meine Kollegen einen Salat, anschließend eine warme Mahlzeit und als Nachtisch einen Joghurt verputzen.
Meine typisch deutsche Brotzeit – in der Regel ein Apfel und ein belegtes Baguette – wird nach wie vor misstrauisch beäugt – der Verzehr eines Sandwichs gilt schon fast als „Fast Food“.
Auch die Aufteilung der Mahlzeiten unterscheidet sich von deutschen Gewohnheiten: Nach dem Mittagessen folgt in Frankreich um 16 Uhr die beinahe obligatorische Zwischenmahlzeit, das „goûter“. Hier wird ausschließlich süß gegessen, die Kinder im Sozialzentrum bekommen zum Beispiel ein Schokobrötchen, ein Stück Baguette mit einer Rippe Schokolade darin, Kekse oder eine Apfeltasche. Über die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Schlemmerei sollte man besser nicht zu lange nachdenken. Fest steht: Wer hier in Troyes einen Bäcker betritt, wird von der Auswahl süßer Spezialitäten, verschiedenen Küchlein, Éclairs und kunstvoll verzierten Törtchen geradezu übermannt. Selbst nach über einem halben Jahr habe ich noch nicht alles probiert!
Das Klischee des „guten französischen Essens“ kann ich also vollends bestätigen – seit Oktober habe ich vor allem den guten Camembert hier zu schätzen gelernt, aber auch Galettes (Pfannkuchen aus Buchweizen) und Quiche möchte ich nicht mehr missen. Kürzlich habe ich im Restaurant sogar einmal Schnecken probiert. Diese waren zwar sehr lecker, aber wenn ein Menü 22 Euro kostet, kann einem schnell der Appetit vergehen…

Autor: Anna  |  Rubrik: orientieren  |  Jun 24, 2019
Autor: Anna
Rubrik: orientieren
Jun 24, 2019

Freiwilligendienst im Ausland

Fünf Tage Spielefestival

Die Spielebibliothek, in der ich einmal wöchentlich arbeite, organisiert jedes Jahr im Mai ein großes Spielefestival mit mehreren tausend Besuchern.
Seit Wochen liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren und am Dienstagabend war es dann so weit: Das Festival wurde eröffnet. Während der folgenden Tage kamen Schulklassen, Kindergartengruppen, Krippenkinder, aber auch Familien in die Stadthalle. Diese war mit allem ausgestattet, was das Kinderherz begehrt: Von Prinzessinenkostümen über Drachen, Cowboyhüte, Bobbycars und Bausteinen bis zur Puppenküche. Während der ersten Tage bestand meine Aufgabe darin, einige Gesellschaftsspiele zu erklären und mit den Kindern zu spielen – halbstündlich wurde mir eine neue Gruppe Kinder zugeteilt. Diese Zeit hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn ich mich immer noch sehr konzentrieren muss, um ein Spiel auf Französisch gut zu erklären.
Am Wochenende begann dann das eigentliche Festival: Frühmorgens reisten Vertreter von Verlagen, Spieledesigner, Musiker und Schausteller aus der ganzen Region an – zusätzlich zum großen Spielsaal in der Stadthalle wurden Zelte aufgebaut und dekoriert. Als es dann losging, strömten die Besucher herein: Überall wurde gespielt, gelacht und gerannt.
Am Eingang gab es eine Reihe Geschicklichkeitsspiele zum Thema „Piraten“ zu entdecken, auf der anderen Seite der Stadthalle drehten die Kinder auf einem wunderschönen handbemalten Karussell ihre Runden. Die Schausteller spielten dazu Flöte und Violine. Aber auch für Erwachsene und Jugendliche hatte das Festival einiges zu bieten: Neben einem großes Schachturnier wurden jede Menge Gesellschaftsspiele und sogar Escape Games angeboten.
Insgesamt waren die fünf Tage Festival trotz gelegentlicher Regenschauer eine tolle Erfahrung und es hat mir sehr gut gefallen, mit den anderen Animateuren zusammenzuarbeiten. Am Samstagabend herrschte dann beim gemeinsamen Essen mit allen Kollegen und Schaustellern ausgelassene Stimmung.

 

Autor: Anna  |  Rubrik: orientieren  |  May 27, 2019
Autor: Anna
Rubrik: orientieren
May 27, 2019

Freiwilligendienst im Ausland

Paris - Stadt der Extreme

Seit ich hier in Troyes lebe, war ich schon mehrmals in Paris – klar, die Metropole ist nur eineinhalb Stunden Zugfahrt entfernt, die nur 15 Euro kostet.
Mein letzter Besuch in Paris war jedoch etwas Besonderes, denn diesmal begleiteten mich meine Eltern. In knapp drei Tagen wollten wir zusammen die wichtigsten Touristenattraktionen besichtigen. Da wir mit dem Auto unterwegs waren, wurden wir schon vor unserer Ankunft mit den Herausforderungen dieser Großstadt konfrontiert: Je näher wir Paris kamen, desto dichter wurde der Straßenverkehr. Dabei scheinen alle Verkehrsregeln außer Kraft gesetzt: Rollerfahrer brausen zum Beispiel mit extremer Geschwindigkeit und ohne jeglichen Sicherheitsabstand zwischen den Autos hindurch. Auch als wir am nächsten Morgen in die U-Bahn einstiegen, verbesserte sich der Eindruck vom Verkehr in Paris nicht gerade. Wir landeten in einem sehr vollen Wagon und immer mehr Leute drängten sich hinein – Alltag in Paris, dort steht eben nichts still, überall Musik, Lärm, Stimmengewirr, Menschen.
Dabei ist die Stadt wirklich etwas Besonderes: An jeder Straßenecke ragen die beeindruckenden alten Häuserfassaden auf, in der Innenstadt findet man zu jeder beliebigen Uhrzeit geöffnete Geschäfte, Restaurants, Crêpes-Stände oder Bars.
Auch das Seine-Ufer, gesäumt von alten Bäumen, zieht nicht umsonst jährlich über 30 Millionen Touristen in seinen Bann. Ganz zu schweigen von den weltberühmten Sehenswürdigkeiten: von der Basilika Sacré-Coeur über den Louvre, die (zugegebenermaßen etwas mitgenommene) Kathedrale Notre Dame bis hin zum Eiffelturm. Als ich mit meinen Eltern schließlich aus der Metro stieg und Letzterer vor uns aufragte, waren wir alle beeindruckt.
Trotz allem, Paris hat zwei Seiten: Bei genauerem Hinsehen verwandelt sich die vermeintlich „perfekte“ Stadt der Liebe in ein trauriges Beispiel dessen, was wir Menschen unserer Umwelt antun. In der Seine schwimmen schon seit Jahren keine Fische mehr, die Luftqualität zählt zur schlechtesten Europas – und eine Begegnung mit aus Müllbergen auftauchenden Ratten ist keine Seltenheit.
Auch wenn ich mit meinen Eltern eine sehr schöne Zeit in Paris verbracht habe, die Stadt hat mich auch zum Nachdenken gebracht.