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Mein Freiwilliges Jahr

Achtung, Lebensretter im Anmarsch!

Von klein auf lernt jeder Mensch etwas wahnsinnig Wichtiges: Notrufnummern. Für die Unwissenden: Es sind die 112 für die Feuerwehr beziehungsweise die 110 für die Polizei.
Im Krankenhaus ist das allerdings etwas anders, die Rettungskräfte sind schließlich schon gerufen worden und haben den Patienten zu uns gebracht. Doch was, wenn unsere Patienten im Haus Hilfe brauchen? Wenn jemand kollabiert? Dann kommen wir, Ärzte, Pfleger, FSJler. Es gibt allerdings noch die „Profis“ unter uns: das Reanimationsteam. Das Rea-Team wird immer dann gerufen, wenn ein Patient einen Herzstillstand erleidet oder keine messbaren Vitalzeichen hat. Für solche Fälle wählen wir eine eigene Telefonnummer – quasi unsere interne „112“ –, um das Team schnellstmöglich zu erreichen. Denn in diesen Momenten zählt jede Sekunde.
Glücklicherweise kommen solche Momente nicht all zu oft auf meiner Station vor. Umso aufregender ist es, wenn es dann tatsächlich passiert. Erst vor Kurzem kam ein Arzt aus einem Patientenzimmer herausgeeilt und rief „Rea-Alarm“.
Dann muss alles klappen: Während die ausgebildeten Pfleger die instabilen Patienten betreuten, habe ich das Reanimationsteam gerufen und im Flur für Platz gesorgt. Obwohl ich weiß, was zu tun ist, schlotterten mir ehrlich gesagt ganz schön die Knie und mir kam jede verstrichene Minute wie eine Stunde vor. Ist ja klar, schließlich ging es um ein Menschenleben. Außerdem gehören Reanimationen bisher noch nicht zu meinem beruflichen Alltag.
Zum Glück wurde dem Patienten rechtzeitig geholfen und er konnte lebend die Station verlassen. Eine ganz schön aufregende Situation fand also ein gutes Ende – und ich habe dabei helfen können!

Autor: Lydia  |  Rubrik: orientieren  |  May 9, 2018
Autor: Lydia
Rubrik: orientieren
May 9, 2018

Mein Freiwilliges Jahr

Auf Abstand

Sobald ich am Morgen meinen ersten Schritt auf Station setze, kommt mir alles entgegen: der Geruch von Desinfektionsmitteln; der delirante Patient, der schon wieder das Haus zusammenschreit; der Stress, der mich in den nächsten Stunden erwartet. Ich weiß jetzt schon, dass von meinen knapp 40 Patienten mindestens zehn schwere Pflegefälle sind. Schicksalsschläge, die jedem von uns passieren können und die niemand erleben möchte – ich habe jeden Tag betroffene Menschen um mich. Jeden Tag höre ich schmerzerfüllte Stimmen, sehe Angehörige, denen die Tränen herunterlaufen, weil wir doch nichts mehr für ihr Familienmitglied tun können, und hoffe mit anderen Patienten, dass für sie schnell ein Reha-Platz gefunden wird. Bei all dieser seelischen Belastung ist es wahnsinnig wichtig, dass das Pflegepersonal nicht daran kaputt geht – so auch ich nicht.
Was kann ich also tun, um das alles nicht mit nach Hause zu nehmen? Wie viel Distanz zum Patienten ist okay, um nicht völlig herzlos zu werden?
Distanz ist enorm wichtig, allerdings darf es auch nicht zu viel sein. In meinem (zukünftigen) Job bin ich mehr als nur eine Krankenschwester – ich bin der Tröster, der die Tränen trocknet. Doch sobald ich das Patientenzimmer verlassen habe, sind meine Gedanken schon woanders. Für mich sind diese Patienten, die eine liebevolle Familie um sich haben, völlig Fremde. Ich habe nie eine Beziehung zu ihnen aufgebaut, außer eine pflegerische. Ich weiß zwar über die gesundheitliche Entwicklung Bescheid, aber oft weiß ich nicht einmal das genaue Alter.
Generell kann ich meine Arbeit sehr gut im Krankenhaus lassen. Im Laufe des Jahres habe ich jedoch festgestellt, dass ich nach dem Dienst immer sehr aufgekratzt bin. Kein Wunder, immerhin rase ich knapp neun Stunden ununterbrochen von Zimmer zu Zimmer. Irgendwann habe ich angefangen, Sport zu treiben. Vor allem direkt nach dem Dienst lässt mich das enorm herunterfahren und entspannt meine Seele.
Natürlich kann ich hier nur für mich sprechen. Jeder hat seinen eigenen Weg, mit solchen Dingen umzugehen. Wichtig ist jedoch auf jeden Fall eines: So oft, wie du in diesem Bereich an andere denkst, solltest du auch an dich denken!

Autor: Lydia  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 30, 2018
Autor: Lydia
Rubrik: orientieren
Apr 30, 2018

Mein Freiwilliges Jahr

Suche Wohnung, biete Hungerlohn

Schon vor dem FSJ hatte ich fest geplant, zeitnah von zuhause auszuziehen. Mit meinem FSJ-Taschengeld wäre ich allerdings nicht weit gekommen und ehrlich gesagt habe ich mir auch nicht zugetraut, selbstständig und alleine zu leben.
Rückblickend habe ich in meinem Freiwilligenjahr bisher viel über mich gelernt und gemerkt, dass ich es sehr wohl schaffe ein eigenständiges Leben zu führen: Ich kann eine 40-Stunden-Woche Arbeit aushalten, meinen Haushalt organisieren, Einkäufe erledigen, die Wohnung putzen, mein Sozialleben strukturieren, Wäsche waschen, kochen und mit meinem Geld umgehen. Das müsste doch reichen, oder?
Fehlt nur noch die Wohnung. Und das ist wohl der schwierigste Punkt. Auch wenn ich mich endlich entschlossen habe, im Herbst definitiv auszuziehen, heißt das noch lange nicht, dass ich auch eine günstige Wohnung finde. Nicht selten werden in Berlin Zwei-Zimmer-Wohnungen für über 650 Euro im Monat vermietet. Und selbst wenn ich das aufbringen kann, muss ich noch Nebenkosten, Versicherungen und andere Ausgaben zahlen.
Um all das zu schaffen, habe ich mich erst mal gegen ein Studium und für eine Ausbildung entschieden. Bis ich einen Studienplatz in Medizin bekomme, vergehen eh noch Jahre. Insofern kann ich diese Zeit auch mit einer Ausbildung und dem gleichzeitigem Auszug überbrücken. Eigenständigkeit ist mir wichtiger als „Hotel Mama“. Dafür werde ich mir auch noch einen Nebenjob suchen, denn ich möchte auch nicht auf Dauer jeden Cent umdrehen müssen.
Bis ich eine bezahlbare Wohnung finde, deren Vermieter mich als Azubi mit geringem Gehalt akzeptiert, spare ich weiterhin einen Großteil meines FSJ-Gehalts, um mir später Möbel und die Kaution leisten zu können. Schließlich kann nur so der Traum der ersten eigenen Wohnung wahr werden!

Autor: Lydia  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 18, 2018
Autor: Lydia
Rubrik: orientieren
Apr 18, 2018