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Die Lehrer von morgen

Kindergeburtstag

Meine Mitbewohner sind super. Sei es, dass wir bis tief in die Nacht im Flur sitzen und quatschen, Rici und ich spontan mit Glasmalstiften Yanniks Fenster verschönern oder jemanden, der Liebeskummer hat, mit einem Carepaket aufheitern – besser geht es kaum. Was bei uns nicht ganz so läuft, sind dafür Dinge wie den Briefkasten zu leeren. Anfang Dezember fand ich zwischen einem Stapel Rechnungen und Kontoauszügen einen an mich adressierten Brief. Darin befand sich eine Einladung im Grundschulstil von einem meiner besten Freunde. Er lud mich und andere Freunde zu seinen Eltern nach Leverkusen ein, um dort seinen Geburtstag zu feiern – „so wie früher“.
Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Am folgenden Samstag stiegen wir alle in den Zug, um bei Felix‘ Eltern zunächst mit Limokuchen, Pizza und Getränken („Merkt euch, welche Farbe euer Becher hat!“) bewirtet zu werden. Später beschäftigten wir uns mit Spielen, die wir zum Teil seit Ewigkeiten nicht mehr gespielt hatten: sei es Topfschlagen, Sardinenbüchse (eine Variation von Verstecken im ganzen Haus), Tischtennis mit Rundlauf oder Flaschendrehen. Wir hatten sehr viel Spaß!. Dabei wurden Klischees aus unseren Kindheitstagen wieder ausgegraben („Habt ihr auch immer noch eure Eltern angerufen, damit ihr noch eine Stunde länger bleiben dürft?“) und viel geredet. Nachdem Felix‘ Eltern gegen elf Uhr schlafen gegangen waren, saßen wir noch lange im Wohnzimmer zusammen, plünderten den Kühlschrank, bis es dann – für die einen früher, für die anderen später – nach oben auf den Dachboden ging, wo wir alle auf einem riesigen Matratzenlager nächtigten.
Am nächsten Tag ging es weiter mit Spielen, Essen, Musikmachen und einem Schneespaziergang und zum Abschied gab es noch – wie früher – eine Tüte mit ein paar Süßigkeiten und Aufklebern darin, die Felix‘ Mutter für uns zusammengestellt hatte.
Dieser Geburtstag war mal etwas anderes – und ein schöner Abstecher in Richtung Kindheit.

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Jan 19, 2018
Autor: Janna
Rubrik: studium
Jan 19, 2018

Die Lehrer von morgen

Matheball

„Ein Matheball? Tanzt man da Induktionsschritte?“, war die Frage eines Bekannten, als er von meiner Wochenendplanung hörte. Um das klarzustellen: Nein, tut man nicht. Auf dem Matheball sind die üblichen Standardtänze gefordert. Dennoch ist er eines der größten Ereignisse im Semester. Die Karten sind limitiert und waren dieses Jahr schon eine halbe Stunde nach Vorverkaufsbeginn restlos weg – zum Glück waren meine Freunde und ich schnell genug gewesen.
An einem Freitag im Dezember hieß es dann: Auf zum Tanzen. Mit der Bahn ging es für Antonia, Heiko, Felix und mich nach Bonn-Bad Godesberg zur Stadthalle, wo in einem der Säle Musik gespielt wurde und es neben ein paar Tischen auch eine Bar mit Erfrischungen gab. Wichtiger war aber natürlich das Tanzen. Felix ist nicht nur einer meiner besten Freunde in Bonn, sondern auch einer meiner liebsten Tanzpartner und da er genau wie ich ohne „offizielle“ Begleitung gekommen war, tanzten wir die meiste Zeit miteinander. Ein bisschen Abwechslung musste aber natürlich sein, weswegen ich auch mit ein paar Erstis, Fachschaftlern und anderen Jungs tanzte, die ich von Fachschaftsveranstaltungen kannte.
Zwischen 20 und 1 Uhr habe ich insgesamt 34 Tänze mit zwölf verschiedenen Leuten getanzt, von Cha-Cha-Cha über Rumba und Discofox bis hin zu Jive, Tango und Quickstep – ein bisschen war aus meinem Tanzkurs vor sechs Jahren anscheinend hängengeblieben. Mein Versuch, Salsa zu tanzen, wurde sogar anerkennend gelobt: „Dafür dass du kein Salsa tanzen kannst, kannst du ziemlich gut Salsa tanzen.“
Und der Ball ist natürlich auch eine gute Gelegenheit, sich so richtig aufzubrezeln. Normalerweise trage ich keine Kleider und benutze maximal Concealer, für diesen Abend war es das volle Programm: Schminke, kleines Schwarzes und hohe Schuhe.
Am Ende halfen alle beim Aufräumen, dann ging es mit der Bahn zurück nach Hause. Wie bei den vergangenen Malen war der Ball ein schönes Erlebnis und ich freue mich darauf, nächstes Semester wieder dort zu tanzen.

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Jan 15, 2018
Autor: Janna
Rubrik: studium
Jan 15, 2018

Die Lehrer von morgen

Unverhofft WG-Mutti

In WGs wohne ich schon seit 2012 –mit der kleinen Unterbrechung während meines Auslandssemesters in Israel. Meistens war ich in diesen WGs eher eine der unordentlichen Personen – allerdings nie eklig und wenn es Putzpläne gab, habe ich mich an diese gehalten. Aber der eine oder andere hatte peniblere Vorstellungen vom Putzen, wollte, dass ich mit der Zahnbürste in irgendwelchen Ecken herumschrubbte und so weiter. Ich mag es sauber, aber man muss es auch nicht übertreiben. Wenn ich mal eine schöne Wohnung nur für mich haben werde und keine Kompromissentscheidungen mit anderen mehr treffen muss, werde ich in dieser Frage vielleicht anders drauf sein.
Aber trotz meiner entspannten Haltung habe ich in meiner aktuellen WG irgendwie die Mutti-Rolle eingenommen. Ich bin selbst total überrascht darüber und muss mich darin noch zurechtfinden. Meine Mitbewohnerinnen sind alle kürzer als ich in der WG, jünger und weniger weit in ihrem Studium. So weit so gut, das müsste ja noch nichts heißen. Sie haben aber auch deutlich weniger WG-Erfahrung als ich: Zwei der drei sind direkt von ihren Eltern in diese Wohnung gezogen und alle drei fahren jedes Wochenende zu ihren Familien. Sie können durchaus putzen und sind nicht stinkfaul, aber sie sind es noch nicht gewohnt, Verantwortung für eine Wohnung zu übernehmen. Oft brennt, wenn ich spät abends nach Hause komme, Licht in der Küche, weil es keiner vor dem Schlafengehen ausgemacht hat. Genauso ist es mit Fenstern – alle lüften brav nach ihrem Duschgang, aber oft denkt niemand daran, das Fenster auch wieder zu schließen. Einmal kam ich an einem Samstag nach Hause und es waren sowohl das Küchen- als auch das Badfenster geöffnet, obwohl seit Donnerstag keiner mehr in der Wohnung war. Auch stelle ich oft den Müll schon mal in den Hausflur, um ihn beim nächsten Mal mit runterzunehmen (wir wohnen im vierten Stock und gehen selten extra deshalb runter). Am nächsten Tag steht er immer noch da, obwohl alle drei bereits in der Uni sind, also an der Tüte vorbeigingen. Solche Kleinigkeiten nerven mich zunehmend und ich denke, ich muss das mal ansprechen.
In solchen Momenten merke ich, dass die Jahre nicht spurlos an mir vorübergezogen sind – ich bin selbstständiger und verantwortungsbewusster geworden.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Jan 15, 2018
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Jan 15, 2018