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Studieren im Ausland

Wenn man ohne Sprache sprachlos ist

Ob ich Russisch oder Lettisch spreche, werde ich in brüchigem Englisch gefragt. Ich schüttle den Kopf – weder noch. So stehe ich im Patientenzimmer und weiß mir nicht so recht zu helfen. Ich zeige auf verschiedene Stellen am Körper, die Patientin macht es mir nach, ab und zu nickt sie, ab und zu schüttelt sie den Kopf, aber das wirkt, als hätte es wenig System. So verlasse ich wenig schlauer und unzufrieden das Zimmer und kehre in den Kursraum zurück.
In Lettland wird selbstverständlich Lettisch gesprochen. Und Russisch. Überraschend viel sogar. Dadurch fällt mir der Kontakt zu den Patientinnen und Patienten schon sehr schwer. Meine einzige Möglichkeit, mit Patientinnen und Patienten richtig in Kontakt zu kommen, ist mit anderen mitzulaufen und mir am Ende erzählen zu lassen, was sie herausgefunden haben. Aber selbstverständlich sprechen auch die anderen Studierenden kein perfektes Lettisch. Diese Sprachbarriere wirkt sich stark auf die Art und Weise des Unterrichts aus. Wir waren zwar viel im Krankenhaus, Patienten haben wir aber sehr wenige gesehen. Meistens gab es theoretischen Unterricht. In den ersten drei Wochen bestand dieser aus einer Präsentation durch die Lehrkraft, anschließend ein bisschen „Diskussion“, ab und zu mussten Vorträge gehalten werden, und einmal haben wir es auch in einen Operationssaal geschafft.
Um uns etwas Praxis zu vermitteln, da ja der gesamten Lehre bewusst ist, dass wir wenig mit Patienten in Kontakt kommen können, arbeiteten wir einige Male mit Modellen, waren in einem Technologie-Center, um den Ablauf einer Geburt zu üben, und mussten Videos davon drehen, wie wir ein Neugeborenes wiederbeleben und eine gynäkologische Untersuchung durchführen.
Bereits in den ersten Wochen begann ich den Kontakt zu den Patienten zu vermissen. Dabei wird verständlich, warum deutsche Studierende in Riga versuchen, wieder nach Deutschland zu kommen. Weil dort die Barriere der Sprache nicht vorhanden ist. Und in der Medizin lernt man eben nur, wenn man praktisch arbeiten kann.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Jul 23, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Jul 23, 2019

Studieren im Ausland

Tauchen mit Feuerquallen

An meiner Hochschule in Marseille gibt es zahlreiche studentische Vereine. Einer davon bietet alle möglichen Sportarten an, die mit Wasser zu tun haben. So kam ich zum Tauchen.
Am alten Hafen von Marseille wurde ich mit Neoprenanzug, Taucherbrille, Schwimmflossen und Sauerstofflasche einmal komplett ausgerüstet. Bevor ich diese Montur anlegte, erhielt ich eine kurze Tauchlektion auf einem Boot, das schon in Richtung Tauchspot ablegte. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase an der Wasseroberfläche ging es auf sechs Meter Tiefe. Die Felsen der Insel, an der wir geankert hatten, fielen unter Wasser bis auf sechs Meter recht schroff ab und liefen dann in einem seichten Bogen ins tiefe Blau hinein. Wir hielten uns eng an der Wand und tauchten immer weiter daran entlang. Mein Tauchlehrer nahm mich solange bei der Hand bis ich die Koordination mit den Flossen und der Flasche auf dem Rücken im Griff hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich kaum Gelegenheit gehabt, den Ausflug in diese völlig unbekannte Welt zu genießen. Doch als ich anfing meine Umgebung bewusster wahrzunehmen, konnte ich plötzlich die Wellen hören, die über mir an der Felswand brachen und entdeckte immer mehr Einzelheiten in der buntbewachsenen Felswand. Die Fische hatten in Gegensatz zu mir die Ruhe völlig weg und ließen sich von uns nicht irritieren. Plötzlich tippte mir mein Tauchlehrer an meine Schulter und ich spürte eine komische Berührung an meiner linken Flosse. Als ich einen Blick nach oben warf, stellte ich fest, dass ich mich schnurstracks in einen Schwarm Feuerquallen manövriert hatte. Glücklicherweise erwischte es mich außer an den Flossen aber nirgendwo, sodass ich unversehrt und glücklich wieder am Boot ankam.

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Jul 17, 2019
Autor: Katha
Rubrik: studium
Jul 17, 2019

Studieren im Ausland

Aller Anfang ist mühselig

Das Kurssystem in Riga ist in Blöcke gegliedert. Ich belege Gynäkologie und Geburtshilfe, Psychiatrie, Augenheilkunde, Dermatologie und Urologie. Die Blöcke sind jeweils eine bis drei Wochen lang. Spannend ist, dass wir Erasmus-Studierende die Kurse zusammen mit den lettischen Studierenden besuchen.
Die erste Hürde, die mir bewusst geworden ist, ist die Sprache. In Riga wird auf Englisch, zum Glück nicht auf Lettisch, studiert, was in unserem Uni-Alltag in Münster sehr selten bis gar nicht der Fall ist. Meine Zeit in Asien ist da sehr hilfreich, aber von Fachsprache bin ich doch noch recht weit entfernt. Dementsprechend schüchtern saß ich in den ersten Stunden, ohne mich groß zu beteiligen – dabei kann eigentlich nur Übung helfen, sich sprachlich und fachlich weiterzuentwickeln.
Die Gruppe hat mich von Anfang an sehr freundlich aufgenommen. Ich wurde direkt nach der ersten Einheit zum Frühstücken in ein Café eingeladen, zur WhatsApp-Gruppe hinzugefügt und habe mich dadurch wohl gefühlt und den Eindruck gewonnen, auch außerhalb des Erasmuskreises Anschluss finden zu können. Mir wurde bewusst, was für ein Geschenk es ist, so viele verschiedene Menschen aus verschiedenen Ländern kennenlernen zu dürfen.
Die Kurse finden in verschiedenen Krankenhäusern statt, die über die gesamte Stadt verteilt liegen. Der erste Kurs zum Thema Geburtshilfe wurde in der Nähe meiner WG veranstaltet. Das war sehr praktisch, denn so hatte ich morgens noch Zeit zum Laufen. Interessant fand ich, wie streng in diesem Krankenhaus auf Kleidung geachtet wird: Jacken müssen an der Garderobe abgegeben werden, Schuhe werden gewechselt oder es muss Plastik über sie gestülpt werden, es müssen Kittel angezogen werden und auf Station gehört zusätzlich noch eine weiße Hose dazu.
Ich freue mich auf das, was noch auf mich zukommt. Spannend ist das, aufregend und wunderbar herausfordernd!

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Jul 11, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Jul 11, 2019