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Studieren im Ausland

Das koreanische Bildungssystem

Über die rigorosen Bildungssysteme in Ostasien kursieren viele Gerüchte: Es heißt, der Stress sei unmenschlich und der Druck kaum auszuhalten. Ich hatte davon gehört, konnte es mir aber nicht vorstellen. Natürlich spielt auch hier in Deutschland Leistung eine wichtige Rolle. Ich kann mich jedoch nicht daran erinnern, jemals eine Nacht durchgemacht zu haben, um das Lernpensum zu bewältigen. Ich muss zugeben, dass ich mit einer relativ naiven Vorstellung nach Korea gegangen bin. Mir war bewusst, dass ich fünf Kurse belegen werde und eine aufwendige Hausarbeit schreiben muss, aber ich dachte, dass ich es als Austauschstudentin leichter haben würde. In Korea ist mir erst nach und nach klar geworden, wie hoch das Arbeitspensum tatsächlich ist.
Dazu kam auch noch die „curve“, eine Rangtabelle, die vorgab, wie viele Teilnehmer eines Kurses welche Note bekommen müssen und wie viele durchfallen müssen. Der dadurch entstehende Konkurrenzkampf ist deutlich spürbar. Überhaupt herrschte ständiger Druck. Wenn ich vor einer Klausur nicht die Nacht durchgelernt habe, reagierten meine Kommilitonen ungläubig. Viele von ihnen haben zeitweise in den durchgehend geöffneten Lernräumen gelebt und sich dort mit Zahnbürste und Hausschuhen einquartiert. Als dann noch kostenlose Energydrinks verteilt wurden, war ich sprachlos. Es war unmöglich, diesem Leistungsdruck zu entfliehen.
Nach meinen fünf Monaten in Seoul kann ich jedoch verstehen, warum Leistung so wichtig für die Menschen, die Gesellschaft und den Staat ist. Südkorea ist ein winziges Land ohne natürliche Ressourcen umgeben von anderen Nationen, die in der Vergangenheit Korea immer wieder überfallen haben. Südkoreas wirtschaftlicher Erfolg und Wohlstand ist auf die Disziplin und Aufopferungsbereitschaft der Menschen zurückzuführen. Aber kann das auch die Strategie für die Zukunft sein? Ich bin mir sicher, dass ein neuer Pfad eingeschlagen werden muss und hoffe sehr, dass sich etwas ändert.

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  15.02.2019

Studieren im Ausland

Grenzen in Europa und Taiwan

In den vergangenen Jahren haben Grenzen für mich immer eine Rolle gespielt: Ich habe mich in Bonn viel für europäische Themen eingesetzt und zum Beispiel mit Schülern während Workshops über den Schengen-Raum und die offenen Grenzen gesprochen. In Taiwan ist das ganz anders: Der Inselstaat hat naturgemäß keine Landesgrenzen, auch wenn das chinesische Festland und die südlichen Inseln Japans nicht weit entfernt sind.
Von Bonn aus kann ich in wenigen Stunden mit dem Zug nach Paris fahren, auch nach Prag ist die Verbindung nicht schlecht, und nach Maastricht fahre ich nicht weit von Aachen aus. Als ich in meiner Schulzeit zum Schüleraustausch in Polen war, sind wir mit dem Zug zuerst nach Berlin, dann nach Warschau und schließlich in die Kleinstadt, in der wir zur Schule gegangen sind, gefahren. Wenn ich das in Taiwan erzähle, staunen viele: Hier verreist man nicht mit dem Zug. Wer noch nie geflogen ist, hat somit auch das Land noch nie verlassen.
Seit vergangenem Sommer bin ich stellvertretende Chefredakteurin von treffpunkteuropa.de, einem mehrsprachigen Online-Magazin. Mir kam daher die Idee, etwas über Grenzen zu schreiben. Wochenlang habe ich mich mit Bekannten und Freunden aus ganz Europa ausgetauscht, um Geschichten zu sammeln, die sich an den Außengrenzen der EU abspielen: Eine Bekannte, die ich vor einigen Wochen auf einer Konferenz kennengelernt habe, erzählte mir zum Beispiel vom Wandern in der Ukraine, und ein Freund berichtete von seinem jährlichen Familienurlaub in Albanien.
Mir ist dabei klar geworden, dass ich zwar innerhalb der EU schon viel Zug gefahren bin, aber noch nie mit dem Zug, dem Bus, dem Auto oder sogar zu Fuß eine EU-Außengrenze überquert habe. Daher mein Plan: Irgendwann möchte ich einmal selbst in den Karpaten wandern gehen! Denn das Gebirge verbindet gleich mehrere Länder Europas miteinander.

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  12.02.2019

Studieren im Ausland

Wie war es in Seoul?

Seit einigen Tagen bin ich zurück in Deutschland. Die letzten Wochen in Seoul hatten mich völlig eingenommen. Nachdem die Prüfungsphase vorbei war, hat mein Körper schlapp gemacht und ich war über eine Woche im Bett. Die mentale Erschöpfung in Kombination mit eisigen Temperaturen, kontinuierlichem Schlafmangel und unzureichender Nahrungsaufnahme haben sich in Form einer heftigen Grippe gerächt. Ich habe mich völlig hilflos und überfordert gefühlt.
Als das Semester vorbei war und mein Körper wieder einigermaßen funktioniert hat, hatte ich zum ersten Mal Zeit, Seoul ausgiebig zu entdecken. Während des Semesters habe ich mir natürlich auch ein paar Sehenswürdigkeiten angeschaut, dabei aber stets ein schlechtes Gewissen, weil ich stattdessen hätte lernen müssen. Im Kriegsmuseum konnte ich die Namen von zwei im Korea-Krieg gefallenen Brüdern meiner Großmutter ausmachen und auch mit meinen Großeltern über Ihre Erfahrungen im Krieg reden. Für mich war es eine völlig neue Information, dass meine Großeltern beide als Kinder vor den eindringenden Nordkoreanern geflüchtet waren und wie sehr ihre Kindheit durch den Krieg geprägt war. Gemeinsam mit meiner Großmutter habe ich in das Viertel in Seoul besucht, in dem sie aufgewachsen ist. Dadurch konnte ich viel besser verstehen, wer sie heute ist. Um vor den eisigen koreanischen Temperaturen zu flüchten, bin ich außerdem eine Woche nach Hanoi gereist und habe dort ein völlig anderes Asien kennengelernt.
Nun, da ich wieder zu Hause bin, realisiere ich erst, wie sehr sich mein normales Leben von dem in Seoul unterscheidet. Seoul war ein großes Abenteuer und ich werde noch ein wenig Zeit brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten.

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  07.02.2019
Autor: Bo
Rubrik: studium
07.02.2019