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Studieren im Ausland

Feuer und Erdbeben

Gleich am ersten Wochenende meines Auslandssemesters in Taiwan kündigte sich ein Tornado an. Unsere Vermieter warnten uns davor, dass eventuell die Restaurants auf dem Campus nicht öffnen und auch die kleinen Läden geschlossen bleiben würden. Klingt harmlos, war für uns aber tatsächlich ein Problem: In unserem Wohnheim könnenen wir nicht kochen, stattdessen gehen wir sonst zweimal täglich in den recht preiswerten Restaurants essen. Um unsere Versorgung sicherzustellen, haben wir uns also in einem der wenigen größeren Supermärkte in Taipeh mit Fertigprodukten ausgestattet. So schlimm wie gedacht war es dann gar nicht: Der gefürchtete Tornado hielt selbst die Straßenstände nicht davon ab, Essen zu verkaufen. Dafür habe ich jetzt genug Fertigsuppen für mein ganzes Auslandssemester.
Tornados kommen in Taiwan eher selten vor, häufiger sind Erdbeben. Damit wir wissen, wie wir in diesem Fall reagieren sollten, organisierten die Besitzer des Studierendenwohnheims einen Kurs. Wir lernten zum Beispiel, wie man einen Feuerlöscher benutzt, um im Ernstfall nicht ratlos vor den Flammen zu stehen. Zu unserer Überraschung hatten sie außerdem einen LKW organisiert, in dessen Innenraum ein Erdbeben simulierte wurde. Ein Tisch und ein Stuhl aus Metall waren am Boden befestigt. Zu sechst betraten wir den Raum. Sobald sich die Tür schloss, begann sich der Raum zu bewegen. Das Beben wurde immer stärker und eine Stimme verkündete, auf welchem Niveau sich das Beben gerade befand. Fest stand: Hätte man die Möbel nicht am Boden befestigt, wären sie uns am Ende um die Ohren geflogen.
Von meinem ersten echten Erdbeben wurde ich direkt am nächsten Morgen geweckt. Ungefähr einmal wöchentlich haben wir seitdem ein Erdbeben miterlebt. Schlimm war bisher noch keines, manche waren so leicht, dass ich sie verschlafen habe. Dennoch ist es gut, auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.

 

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Feb 28, 2019

Studieren im Ausland

Was hat es mit der Mittelschicht auf sich?

Eigentlich hatte ich angenommen, dass es Wochen dauern würde, bis ich mein erstes Referat in meinem Auslandssemester in Taiwan halten müsste. Schön gedacht: Ein Dozent verkündete plötzlich, dass ab der nächsten Woche jeder ein Referat halten müsste.
Das bedeutete für mich: ein Thema musste her. In dem Seminar ging es um die wirtschaftliche Entwicklung Ost- und Südostasiens. Ich wollte gerne etwas über China recherchieren, einfach weil es mich interessierte. Wenn ich mit Freunden aus Deutschland über China spreche, fällt immer wieder die These, dass wirtschaftliches Wachstum zu einer Mittelschicht führt, die naturgemäß Mitbestimmungsrechte einfordert. In Gesprächen mit Freunden aus Taiwan ist mir aufgefallen, dass das hier viele ganz anders sehen: Sie gehen davon aus, dass China ein eigenes Modell entwickelt hat und seine ökonomische Entwicklung daher nicht dieser These entspricht.
Um mehr darüber zu erfahren, habe ich mich Hals über Kopf in die Literatur gestürzt: Tatsächlich konnte ich herausfinden, warum China ein besonderer Fall ist: Zum Beispiel sind viele Angehörige der chinesischen Mittelschicht in Unternehmen angestellt, die dem Staat gehören.
Inzwischen habe ich mich entschieden, das Thema über das Referat hinaus in meiner Hausarbeit weiterzuverfolgen. Ich möchte Umweltbewegungen in China analysieren, um feststellen zu können, inwiefern diese als Proteste der Mittelschicht verstanden werden können. Um ehrlich zu sein, wusste ich vor einigen Wochen noch nicht einmal, dass es in China überhaupt Umweltproteste gibt!

 

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Feb 22, 2019
Autor: Marie
Rubrik: studium
Feb 22, 2019

Studieren im Ausland

Das koreanische Bildungssystem

Über die rigorosen Bildungssysteme in Ostasien kursieren viele Gerüchte: Es heißt, der Stress sei unmenschlich und der Druck kaum auszuhalten. Ich hatte davon gehört, konnte es mir aber nicht vorstellen. Natürlich spielt auch hier in Deutschland Leistung eine wichtige Rolle. Ich kann mich jedoch nicht daran erinnern, jemals eine Nacht durchgemacht zu haben, um das Lernpensum zu bewältigen. Ich muss zugeben, dass ich mit einer relativ naiven Vorstellung nach Korea gegangen bin. Mir war bewusst, dass ich fünf Kurse belegen werde und eine aufwendige Hausarbeit schreiben muss, aber ich dachte, dass ich es als Austauschstudentin leichter haben würde. In Korea ist mir erst nach und nach klar geworden, wie hoch das Arbeitspensum tatsächlich ist.
Dazu kam auch noch die „curve“, eine Rangtabelle, die vorgab, wie viele Teilnehmer eines Kurses welche Note bekommen müssen und wie viele durchfallen müssen. Der dadurch entstehende Konkurrenzkampf ist deutlich spürbar. Überhaupt herrschte ständiger Druck. Wenn ich vor einer Klausur nicht die Nacht durchgelernt habe, reagierten meine Kommilitonen ungläubig. Viele von ihnen haben zeitweise in den durchgehend geöffneten Lernräumen gelebt und sich dort mit Zahnbürste und Hausschuhen einquartiert. Als dann noch kostenlose Energydrinks verteilt wurden, war ich sprachlos. Es war unmöglich, diesem Leistungsdruck zu entfliehen.
Nach meinen fünf Monaten in Seoul kann ich jedoch verstehen, warum Leistung so wichtig für die Menschen, die Gesellschaft und den Staat ist. Südkorea ist ein winziges Land ohne natürliche Ressourcen umgeben von anderen Nationen, die in der Vergangenheit Korea immer wieder überfallen haben. Südkoreas wirtschaftlicher Erfolg und Wohlstand ist auf die Disziplin und Aufopferungsbereitschaft der Menschen zurückzuführen. Aber kann das auch die Strategie für die Zukunft sein? Ich bin mir sicher, dass ein neuer Pfad eingeschlagen werden muss und hoffe sehr, dass sich etwas ändert.

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  Feb 15, 2019