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Studieren im Ausland

Wanderung in den Calanques

Nach zwei Wochen Uni reicht es dann auch wieder. Es ist erst einmal eine Woche Ferien angesagt. Da das Wetter in Marseille schon lange frühlingshaft warm und sonnig ist, macht das Planen der Ausflüge für diese Woche besonders viel Spaß. Gemeinsam mit den anderen Austauschstudierenden hatte ich insgesamt drei Ziele im Auge: Wir wollten uns den Naturpark „Les Calanques“ im Süden Marseilles ansehen, die Stadt Montpellier entdecken und einen Roadtrip nach Florenz und Nizza mit optionalen Stopps an der Mittelmeerküste machen.

Obwohl das Wetter in Marseille sonst eigentlich immer mitspielt, hätte es an unserem Wandertag besser sein können. Unter einem etwas bedeckten Himmel machten wir uns von der südlichsten Bushaltestelle Marseilles in Richtung Meer auf. Dafür mussten wir allerdings erst den Höhenzug bezwingen, der zwischen uns lag. Zum Glück sind die Berge dort nicht besonders hoch. Am höchsten Punkt angekommen, bot uns unser Wanderweg eine spektakuläre Aussicht. Der Berg, auf dem wir standen, lief mit dem gegenüberliegenden Berg in einem kleinen Tal zusammen, das in eine Türkis schimmernde Bucht mündete. Ein schmaler Kiesstrand säumte das Ufer landeinwärts, während steile Klippen die Bucht links und rechts einrahmten. Diese Art von Bucht nennt man hier „Calanque“ – daher auch der Name des Parks. Am Strand machten wir unsere erste Pause. Zu uns gesellten sich eine Familie mit Hund sowie einige Sonnenstrahlen. Nachdem wir den Anblick ausgiebig genossen hatten, machten wir uns auf den Weg, den nächsten Berg zu erklimmen. Von dort oben bot sich uns ein atemberaubender Blick über das Meer und die kleinen Inseln vor der Küste. Hinter uns erstreckte sich außerdem das sandsteinfarbene Häusermeer Marseilles, das sich auf dem Foto erst nach genauem Hinsehen von den felsigen Bergen um uns herum abhob. Von diesem unverhofften Aussichtspunkt ging es fast nur noch bergab. Von Zeit zu Zeit taten sich zu unsere Linken immer wieder wunderschöne Buchten auf, die mal so steil eingerahmt waren, dass es unmöglich war, hinunter zu gelangen, mal liefen sie in einem wunderschönen seichten Strand aus.

Nach 15 Kilometern erreichten wir unser Ziel: Die Calanque de Callelongue. Dort befindet sich ein kleiner Ort, von dem aus uns ein freundlicher Franzose in seinem Auto wieder mit in die Stadt nahm.

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Apr 10, 2019
Autor: Katha
Rubrik: studium
Apr 10, 2019

Studieren im Ausland

Eine Insel neben China

Penny ist mein „Buddy“, also eine Studentin meiner Gast-Uni, die mir vom Büro für internationale Angelegenheiten zugeteilt wurde. Sie geht im nächsten Semester nach Deutschland und möchte mit mir schon jetzt die Sprache üben – und ich kann sie als Orientierungshilfe gut gebrauchen! Penny hat zum Beispiel meinen Stundenplan übersetzt, weil ich die chinesischen Zeichen, die für meine Seminarräume standen, nicht lesen konnte. Und sie ist zum Dolmetschen mitgekommen, als mein Laptop repariert werden musste.
Wir sprechen aber auch über alles Mögliche. „Es ist alles so kompliziert“, sagt Penny oft, wenn ich sie etwas über Politik in Taiwan frage. Taiwans Geschichte ist wohl einzigartig: Als die Kommunisten den Bürgerkrieg in China gewannen, floh die damalige Regierung unter Chiang Kai-shek auf die Insel Taiwan. Daher nennt sich Taiwan immer noch „Republik China“, während Festland-China die Volksrepublik ist. Einige Taiwaner halten bis heute daran fest, dass die Regierung auf Taiwan die einzig rechtmäßige chinesische Regierung ist. Andere sagen, dass die Kommunisten nun einmal den Krieg gewonnen haben, daher rechtmäßig regieren und Taiwan nur eine abtrünnige Provinz ist. Wieder andere sind dafür, dass Taiwan den Konflikt mit Festland-China hinter sich lassen und sich endlich offiziell für unabhängig erklären sollte.
Es ist also kompliziert. Fakt ist, dass auch Deutschland Taiwan nicht als souveränen Staat anerkennt und keine diplomatischen Beziehungen mit der Insel unterhält. In Taipeh, der Hauptstadt Taiwans, gibt es daher zwar ein Deutsches Institut, aber keine Botschaft. Auch sonst ist in Taiwan alles ganz anders als auf dem Festland. Das Wirtschaftssystem ist kapitalistisch, das politische System demokratisch.

Studieren im Ausland

Mehr als nur Nachhilfe

Zwei soziologische Seminare wollte ich während meines Auslandssemesters belegen: Meine Gastuni macht es mir recht einfach, indem sie nur zwei englischsprachige Soziologieseminare anbietet. Eines davon gehört zu einem Modul, das sich Bildungssoziologie nennt. Dort vergleichen wir global Bildungssysteme miteinander, sprechen darüber, was zum Beispiel standardisierte Tests, wie ein bundesweit einheitliches Abitur, für Vor- und Nachteile bringen und welchen Einfluss Eltern und das soziale Umfeld auf schulischen Erfolg haben.
Interessant ist das Seminar aber vor allem, weil wir Teilnehmer immerhin drei Kontinente abdecken: Wir sind etwa zur einen Hälfte taiwanische Studierende und zur anderen Austauschstudierende aus Nordamerika, Europa und Asien. Besonders spannend ist es, dabei zu entdecken, wie unterschiedlich die Bildungssysteme doch sind, mit denen wir aufgewachsen sind, und wie sehr sie unsere Meinungen beeinflusst haben.
Ein Beispiel: Nachhilfe kenne ich natürlich auch aus Deutschland. Allerdings geht es dort meist eher darum, im regulären Unterricht mithalten zu können und sich auf Prüfungen vorzubereiten. Meist gibt es Einzelunterricht, oft von Studierenden oder pensionierten Lehrkräften.
In Taiwan ist das anders: Nachhilfe ist hier ein riesiges Geschäft. Beinahe an allen Bahnhöfen finden sich sogenannte „cram schools“. Nachdem die Schüler aus der Schule kommen, verbringen viele von ihnen noch drei oder vier Stunden dort. In oft großen Klassen mit bis zu hundert Schülern wird ihnen nicht nur der Stoff aus der Schule noch einmal erklärt, sondern auch der Stoff, der in den nächsten Wochen kommen wird. Wer sich internationale Studien anschaut, sieht, dass das System oft aufgeht: Gerade in Fächern wie Mathematik sind uns Schüler aus vielen Ländern Ostasiens weit voraus. Was ich in Gesprächen mit taiwanischen Studierenden aber auch gemerkt habe: Durch den hohen Druck fehlt jegliche Zeit, um Hobbys nachzugehen oder Freunde zu treffen.

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Mar 27, 2019
Autor: Marie
Rubrik: studium
Mar 27, 2019