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Studieren im Ausland

Eine Insel neben China

Penny ist mein „Buddy“, also eine Studentin meiner Gast-Uni, die mir vom Büro für internationale Angelegenheiten zugeteilt wurde. Sie geht im nächsten Semester nach Deutschland und möchte mit mir schon jetzt die Sprache üben – und ich kann sie als Orientierungshilfe gut gebrauchen! Penny hat zum Beispiel meinen Stundenplan übersetzt, weil ich die chinesischen Zeichen, die für meine Seminarräume standen, nicht lesen konnte. Und sie ist zum Dolmetschen mitgekommen, als mein Laptop repariert werden musste.
Wir sprechen aber auch über alles Mögliche. „Es ist alles so kompliziert“, sagt Penny oft, wenn ich sie etwas über Politik in Taiwan frage. Taiwans Geschichte ist wohl einzigartig: Als die Kommunisten den Bürgerkrieg in China gewannen, floh die damalige Regierung unter Chiang Kai-shek auf die Insel Taiwan. Daher nennt sich Taiwan immer noch „Republik China“, während Festland-China die Volksrepublik ist. Einige Taiwaner halten bis heute daran fest, dass die Regierung auf Taiwan die einzig rechtmäßige chinesische Regierung ist. Andere sagen, dass die Kommunisten nun einmal den Krieg gewonnen haben, daher rechtmäßig regieren und Taiwan nur eine abtrünnige Provinz ist. Wieder andere sind dafür, dass Taiwan den Konflikt mit Festland-China hinter sich lassen und sich endlich offiziell für unabhängig erklären sollte.
Es ist also kompliziert. Fakt ist, dass auch Deutschland Taiwan nicht als souveränen Staat anerkennt und keine diplomatischen Beziehungen mit der Insel unterhält. In Taipeh, der Hauptstadt Taiwans, gibt es daher zwar ein Deutsches Institut, aber keine Botschaft. Auch sonst ist in Taiwan alles ganz anders als auf dem Festland. Das Wirtschaftssystem ist kapitalistisch, das politische System demokratisch.

Studieren im Ausland

Mehr als nur Nachhilfe

Zwei soziologische Seminare wollte ich während meines Auslandssemesters belegen: Meine Gastuni macht es mir recht einfach, indem sie nur zwei englischsprachige Soziologieseminare anbietet. Eines davon gehört zu einem Modul, das sich Bildungssoziologie nennt. Dort vergleichen wir global Bildungssysteme miteinander, sprechen darüber, was zum Beispiel standardisierte Tests, wie ein bundesweit einheitliches Abitur, für Vor- und Nachteile bringen und welchen Einfluss Eltern und das soziale Umfeld auf schulischen Erfolg haben.
Interessant ist das Seminar aber vor allem, weil wir Teilnehmer immerhin drei Kontinente abdecken: Wir sind etwa zur einen Hälfte taiwanische Studierende und zur anderen Austauschstudierende aus Nordamerika, Europa und Asien. Besonders spannend ist es, dabei zu entdecken, wie unterschiedlich die Bildungssysteme doch sind, mit denen wir aufgewachsen sind, und wie sehr sie unsere Meinungen beeinflusst haben.
Ein Beispiel: Nachhilfe kenne ich natürlich auch aus Deutschland. Allerdings geht es dort meist eher darum, im regulären Unterricht mithalten zu können und sich auf Prüfungen vorzubereiten. Meist gibt es Einzelunterricht, oft von Studierenden oder pensionierten Lehrkräften.
In Taiwan ist das anders: Nachhilfe ist hier ein riesiges Geschäft. Beinahe an allen Bahnhöfen finden sich sogenannte „cram schools“. Nachdem die Schüler aus der Schule kommen, verbringen viele von ihnen noch drei oder vier Stunden dort. In oft großen Klassen mit bis zu hundert Schülern wird ihnen nicht nur der Stoff aus der Schule noch einmal erklärt, sondern auch der Stoff, der in den nächsten Wochen kommen wird. Wer sich internationale Studien anschaut, sieht, dass das System oft aufgeht: Gerade in Fächern wie Mathematik sind uns Schüler aus vielen Ländern Ostasiens weit voraus. Was ich in Gesprächen mit taiwanischen Studierenden aber auch gemerkt habe: Durch den hohen Druck fehlt jegliche Zeit, um Hobbys nachzugehen oder Freunde zu treffen.

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Mar 27, 2019
Autor: Marie
Rubrik: studium
Mar 27, 2019

Studieren im Ausland

Einführungswoche

Aus Aachen bin ich eine groß aufgezogene Einführungswoche gewohnt, in der alle Neuankömmlinge und insbesondere die Erasmus-Studierenden ein perfekt geplantes Programm erwartet. Eine Veranstaltung, die einen mit allen Informationen versorgt, die man für den Unialltag braucht, und außerdem viele Programmpunkte zum Kontakteknüpfen bereithält.
Aus Erfahrungsberichten über die Ecole Centrale de Marseille (ECM) wusste ich, dass mich so etwas in Marseille nicht erwarten würde. Die ECM ist deutlich kleiner und hat noch dazu einen viel ausgeprägteren Jahresrhythmus als andere Hochschulen. Ich fing mit vier weiteren international Studierenden zur zweiten Hälfte des Jahres und noch dazu genau in der Prüfungsphase dort an. Deshalb hatte der Studierendenverein, der sich um den internationalen Austausch kümmert, nicht viel Zeit für uns. Zweimal begleitete uns ein Student bei einem Ausflug in die Stadt und ein anderes Mal erzählte uns einer etwas über das Vereinsleben an der Hochschule. Das war nicht besonders viel und vor allem fehlten uns wichtige Informationen über den Hochschulalltag, die wir erst nach und nach meist zufällig erfuhren. Wir bekamen nicht einmal eine offizielle Führung über den Campus.
Nichtsdestotrotz gab es so etwas wie eine Einführungsveranstaltung, bei der wir alle wichtigen Personen kennenlernten, die sich an der Hochschule um internationale Belange kümmern. Außerdem hatten wir in der Woche einen Französischkurs, der in drei Bereiche aufgeteilt war: wissenschaftliches, alltägliches und universitäres Französisch. Ich fand diesen Kurs ungemein hilfreich, denn so lernten wir das Vokabular für die Bereiche, mit denen wir in den ersten Wochen die meisten Berührungspunkte hatten.
Nach zwei Wochen an der Hochschule weiß ich zwar immer noch nicht genau, wie ich in der Mensa bezahlen kann, wie ich mich für die Sportkurse einschreibe oder wann ich meinen Studierendenausweis bekomme, aber ich bin mir sicher: Das wird sich regeln.
Bis dahin lasse ich einfach weiter alles auf mich zukommen und passe mich dem französischen Laissez-faire an.

Autor: Katha  |  Rubrik: studium  |  Mar 21, 2019
Autor: Katha
Rubrik: studium
Mar 21, 2019