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USA

Wie Whoopi Goldberg

Diesen Sonntag nahm John, ein guter Freund und Kommilitone, mich mal mit zu seiner Kirche; er hatte mir schon so oft davon erzählt. Ich bin in einem anderen Land, einer anderen Kultur, und warum soll man nicht die Gelegenheit nutzen was Neues kennen zu lernen. "First United Methodist Church of Germantown" heißt die Kirche. Hier in den USA herrscht eine ausgesprochene Diversität an Religionen und Konfessionen. In meiner Nachbarschaft sind Unitaristen, Presbyterianer, Baptisten, Anglikaner, Quäker, Evangelisten, Katholiken und eine Synagoge ist auch in der Nähe.

Seit sie einen neuen Pastor haben, sagt John, habe sich alles gewandelt. Früher sei es stocksteif gewesen, erzählte er mir und heute sei es ganz anders. Die von damals kämen nicht mehr, weil der Pastor sehr offen ist. Wir besuchten nicht den Gottesdienst sondern eine Choraufführung. Doch was für ein Chor! Ein Ghospelchor wie ich es nur von Hollywood Filmen kannte. Da gab es mal einen Film mit Whoopi Goldberg als Nonne. Und so wie in dem Film ging es auch da ab. Die Solisten schienen die Welt um sich zu vergessen und tanzten und stampften und jauchzten und klatschten. Ein Klavier und ein Schlagzeug begleiteten den beeindruckenden und tief emotionalen Gesang. Der Chorleiter forderte uns alle auf mitzuklatschen und mitzuschwingen, und das taten wir nach kurzem Zögern auch.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  16.05.2008
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Rubrik: studium
16.05.2008

USA

Studieren kreuz und quer

Wer hier in den USA studiert, muss als Freshman - so heißt man im ersten Jahr - viele Kurse belegen, die mit dem eigentlichen Studienfach nichts zu tun haben. Das liegt zum Teil daran, dass der High School Abschluss mehr mit einem Realschulabschluss zu vergleichen ist. Wer eine mit dem Abitur vergleichbare Ausbildung haben will, muss also aufs College gehen und dort erstmal eine gewisse Allgemeinbildung erlangen. Mein Abitur hat man hier als High School plus zwei Jahre College bewertet, 'associate degree' heißt das dann. Anstelle von vier Jahren für einen Bachelor bräuchte ich also nur zwei. Meine amerikanischen Freunde erzählten mir, dass sie als Freshman aus einer Reihe von Kursen wie 'Globalisierung', 'intellektuelles Kulturerbe', 'Fotografie', 'Botanik', 'Französisch', etc. etwas auswählen mussten. Einer erzählte mir, er habe eigentlich Mathematik studiert, aber unter anderem auch einen Kurs in Kunstgeschichte belegt, ein Anwalt hat erst einen Master in Geschichte und ein Psychologieprofessor einen Bachelor in Mathematik gemacht. Philosophie soll eine gute Vorbereitung für Jura sein.

Eine Frau, die vor 40 Jahren aus der Schweiz hierher kam, fragte mich, ob es einem in Deutschland immer noch so 'elend schwer' gemacht werde, von einem Studienfach auf das andere umzusatteln. Da ich noch gar nicht in Deutschland studiert habe, kann ich das nicht richtig beurteilen. Mein Eindruck ist jedoch, dass es ein Vorteil des Bachelor-Master Systems ist, dass man in Deutschland nach drei Jahren Studium nicht mit nichts dasteht.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  09.05.2008
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Rubrik: studium
09.05.2008

USA

Orgelius aus Berlin

Beim alljährlichen Chestnut Hill Art Festival, das in der Hauptstrasse des Stadtviertels Germantown stattfindet, sah ich zwischen Fotografen, Malern, Zeichnern und anderen Künstler und Kunsthandwerkern auch einen Leierkastenmann.

Ein kleiner, netter, runder Mann mit schwarzem Zylinder. Auf seinem Wagen stand "Orgelius aus Berlin".  Ich sprach ihn natürlich gleich an und er freute sich wieder einmal seine Muttersprache zu hören. Tatsächlich kam er - vor gut einem halben Jahrhundert - aus Deutschland hierher. Ich müsse unbedingt am kommenden Freitag mit ihm zum Treffen der Schlaraffen kommen - ein toller Verein, wie Rotary, nur lustiger meinte er zu mir. Er gab mir seine Telefonnummer und drehte fröhlich seinen Leierkasten weiter. Jedes Mal, wenn ein Kind einen Dollar in eine kleine Box steckte, seinen Zylinder lüftend.

Ich hatte Orgelius inzwischen mal angerufen und wir hatten uns für sieben Uhr abends vor seinem Haus verabredet. In einer typisch amerikanischen Straßenkutsche fuhren wir ein paar Meilen aus der Stadt zu einer etwas abseits gelegenen Kneipe. Als wir eintraten grüßten Orgelius ein paar ältere skatspielende Herren auf Deutsch. Wir aber gingen zu einem etwas abgelegenen Raum hinter der Bar.

Was war das?! Als ich eintrat fühlte ich mich wie mit einer Zeitmaschiene ins Mittelalter versetzt. An den Wänden hingen gekreuzte Schwerter und Hellebarden. Alles war in schwerem Holz gefasst und links und rechts von mir reihten sich zwei Tafeln, an deren Ende quer dazu ein dreifacher Thron stand. Dunkles grob gearbeitetes Holz. Viele Kerzen, schwere Samtstoffe und allerlei dekoratives Klimbim. Kurz darauf kamen die anderen Schlaraffen herein. Lustig bunte mit Metallanhängern geschmückte phrygische Mützen trugen diese Herren, deren Alter ich auf 75 bis 85 schätzte.

Als sich alle eingefunden und an der Tafel Platz genommen hatten, entdeckte ich auch ein paar jüngere Gesichter. Alle trugen sie Anzüge und auf dem Kopf diese Mützen. Es hieß nicht ich und du, sondern wir und ihr, wie bei der englischen Königin. Sie nannten sich Junker und Ritter und mich einen Pilger. Ihre Sprache war insgesamt mittelalterlich. Man sprach nicht von Bezirken der Schlaraffen, sondern von Reychen. Es hieß nicht mein Beileid, sondern meine Kondolenz. Orgelius hatte mir nicht zuviel versprochen, als er sagte hier sei es lustig, denn nach etwas offiziellen Tamtam gingen einzelne Männer zu einem kleinen Podium am anderen Ende der Tafel und trugen Gedichte vor, hier Fechsungen genannt. Spottgedichte und Persiflagen zu gesellschaftliche Themen, einer spielte ein selbstkomponiertes Klavierstück.

Das war eine interessante Erfahrung, so weit von der Heimat und doch so urig deutsch.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  02.05.2008
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Rubrik: studium
02.05.2008