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Master live

Kritikfähigkeit


Ein anderes Modul, das ich dieses Semester belege, heißt „Testkonstruktion“. Wie der Name schon sagt, sollen wir einen eigenen Test konstruieren, der ein psychologisches Konstrukt unserer Wahl erfasst. Meine Gruppe und ich haben uns für „Kritikfähigkeit“ entschieden. In einem ersten Schritt haben wir dieses Konstrukt definiert als die Fähigkeit, Kritik von anderen anzunehmen und in das eigene Handeln einfließen zu lassen. Als nächstes haben wir uns überlegt, auf welchen Ebenen diese Fähigkeit wirkt. Zum Beispiel gibt es die Verhaltensebene, die danach fragt, wie man sich angesichts Kritik verhält. Zur Verhaltensebene gehört auch, inwiefern Personen aktiv Feedback suchen und inwieweit sie Kritik in ihr Handeln überführen. Des Weiteren haben wir die emotionale Ebene aufgenommen. Dabei geht es um die Fragen, ob man auf Kritik zum Beispiel traurig oder wütend reagiert und ob man Kritik – wenn sie zum Beispiel auf einen Redebeitrag bezogen war – von der eigenen Person getrennt betrachten kann. Als dritter Aspekt ist die kognitive Ebene zu nennen. Dabei geht es um Bewertungen von und Gedanken über erhaltene Kritik. Zum Beispiel wollen wir erfragen, ob man Personen, die einem kritische Rückmeldungen geben, unterstellt, dies mit böser Absicht zu tun. Oder, ob man der Kritik in den eigenen Gedanken so viel Raum gibt, dass man sich auf nichts anderes mehr konzentrieren kann.
Als nächstes werden wir etwa 15 Fragen herausfiltern und diese mindestens 100 Personen online beantworten lassen. Dadurch können wir feststellen, welche der Fragen geeignet sind, um Kritikfähigkeit zu erfassen, und welche nicht.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  21.11.2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
21.11.2017

Master live

Wer kriegt das Brot-Endstück?

Dieses Semester besuche ich ein Modul im Bereich „Arbeits- und Organisationspsychologie“, kurz A&O. Wir haben jede Woche zwei Seminare, die jeweils zweieinhalb Stunden dauern. Im ersten geht es um A&O in Forschung und Praxis, im zweiten sprechen wir über neue Entwicklungen in der A&O.
Ein Thema hat mir besonders Spaß gemacht und mich zum Nachdenken gebracht: erfolgreich verhandeln. Als Vorbereitung haben wir einen wissenschaftlichen Artikel darüber gelesen, inwiefern sich ein bestimmtes Training positiv auf Verhandlungen auswirkt. Dieses bestand unter anderem aus einer Technik, die sich „Logrolling“ nennt. Das bedeutet, bei einer Verhandlung zunächst die Prioritäten der Verhandlungsparteien zu klären, um zu einem bestmöglichen Ergebnis für beide Seiten zu kommen. Das klingt zunächst banal. Aber häufig werden die Prioritäten im Vorfeld nicht klar abgesteckt, da es die Parteien als Nachteil empfinden, zu viele Informationen preiszugeben.
Doch die Vorteile von Logrolling lassen sich am Beispiel der Verhandlung eines Arbeitsvertrags erklären: Dem Bewerber ist es etwa vor allem wichtig, viel Geld zu verdienen. Die Chefin legt aber insbesondere Wert darauf, wenige Urlaubstage zuzugestehen, da sie jemanden braucht, der möglichst immer anwesend ist. Beide können durch Offenlegen ihrer Prioritäten gewinnen. Oder ein noch anschaulicheres Beispiel: das Aushandeln der häufig diskutierten Frage „Wer kriegt das Brot-Endstück?“ in der WG. Ich persönlich mag das Endstück nicht so gerne, während meine Mitbewohnerin es liebt. Aus Höflichkeit haben wir beide immer der anderen Person die Brotscheibe zugestanden, die wir jeweils für besser befinden. Also habe ich das Brot-Endstück gegessen und meine Mitbewohnerin das Mittelstück. Somit hatten wir beide verloren, da wir unsere Prioritäten nicht offengelegt hatten. Logrolling kann also für Lösungen bei Verhandlungen sorgen, bei denen beide Parteien gewinnen!

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  16.11.2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
16.11.2017

Master live

Alte Denkweisen hinterfragen

Ich wünschte, ich hätte bereits zu Studienbeginn einige in der Schule antrainierte Denkweisen hinter mir gelassen.
Da wäre zum Beispiel das Schuldenken, dass jeder Unterricht stets langweilig ist – das stimmt nämlich nicht. Das Schöne am Studium ist ja, dass man sich endlich mit den Themen und Fächern beschäftigen darf, die einen wirklich reizen. Natürlich ist es nicht so leicht, diese Einstellung loszuwerden. Aber da muss man sich klarmachen: Ich habe mir dieses Fach freiwillig ausgesucht, weil ich mich damit intensiv auseinandersetzen möchte. Und nur, weil Lernen in der Schule genervt hat, muss es das nicht auch an der Uni.
Mich hat im ersten Semester zudem die Frage umgetrieben, ob ich an der Uni bestehen werde, nur weil ich das Abitur geschafft habe. Denn am Ende des ersten Semesters trifft es alle: Leistungsdruck, Prüfungsangst, Panik. Für meine ersten Prüfungen habe ich deshalb wochenlang nur am Schreibtisch gesessen und gelernt. Der Höhepunkt war sicherlich, als ich auf dem Fahrrad sitzend Vokabelkarten gepaukt habe, weil ich jede Minute nutzen wollte. Die Arbeit hat sich notentechnisch gelohnt, aber ich hatte keinen schönen Sommer. Und ich lernte: Die schulisch anerzogene Notenfixierung darf man an der Uni in gewissem Maße hinter sich lassen. Diese entspanntere Einstellung hat sich bei mir im Laufe des Studiums mehr und mehr eingestellt, mit dem positiven Effekt, dass ich mein Leben mehr genießen konnte. Nein, ich muss mein Studium nicht abbrechen, nur weil ich durch eine Klausur gerasselt bin. Und niemand reißt mir den Kopf ab, weil ich bei einem Referat mal eine Frage nicht beantworten kann. Leider gibt es auch ein Aber. Denn dass Noten nicht völlig unerheblich sind, wurde mir bei meiner Bewerbung für den Master schlagartig klar. Mein Fazit: Prüfungen sollte man ernst nehmen – aber sommerliche Ausflüge an den See oder Teetrinken und Faulenzen im Sommer gehören dazu.
Und noch einen jahrelang vermittelten Grundsatz gilt es zu überwinden. Nämlich den, dass die Sichtweise meines Lehrenden die einzig richtige ist. Ich habe im Bachelor „Allgemeine Pädagogik“ studiert und im Nachhinein fällt mir auf, wie unkritisch gelehrt wurde. Kritische Theorien oder Pädagogen, die sich gegen den Mainstream wenden, kamen kaum zur Sprache. Selbst zu hinterfragen ist gerade am Anfang nicht leicht, aber im Studium geht es genau darum: sich eine eigene Meinung bilden, kritisieren und Ideen entwickeln.

Autor: Annika  |  Rubrik: studium  |  14.11.2017
Autor: Annika
Rubrik: studium
14.11.2017