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Medizin studieren

Wo Fehler folgenlos bleiben

Ich stecke meine ID-Karte ein, melde mich am PC vor dem Behandlungszimmer an, lege mir das Stethoskop um den Hals, schnappe mir meinen Notizblock und öffne die Tür. Drinnen sitzt eine Patientin, circa 30 Jahre alt, etwas schwer atmend. Ich stelle mich vor und frage sie, warum sie in die Praxis gekommen ist. Sie schildert einen Aufenthalt in Indien für drei Wochen. Seit dem Flug gestern Abend habe sie Schmerzen im Bereich der linken Wade. Sie selbst vermutet, dass sie beim Yoga-Kurs, den sie in Indien gemacht habe, umgeknickt sei oder schlicht und einfach ihren Fuß überlastet habe, es werde schon nichts Schlimmes sein. Ich bitte die Patientin, sich hinzulegen, denke dabei an meine Famulatur in der Orthopädie in Leipzig und lasse mir Zeit bei der Untersuchung der Knochen, des Fußgelenkes und der Muskulatur, kann aber nichts Auffälliges finden. Dann kommt mir in den Sinn, dass es sich um Thrombose handeln könnte. Ich rate der Patientin, sich in nächster Zeit wenig zu setzen und selten zu stehen, sondern lieber in Bewegung zu bleiben oder zu liegen und entlasse sie mit einem verschriebenen Blutverdünner.
Der beschriebene Fall ist zum Glück kein echter. Und deshalb ist es auch nicht fatal, dass ich die Gefahr der Lungenembolie bei der Patientin nicht erkannt habe – obwohl sie schwer atmete. Hätte ich sie wie beschrieben nach Hause entlassen, wäre sie vermutlich an der Lungenembolie gestorben. Es war ein Szenario im Rahmen der sogenannten „Limette“, in der wir Schauspielpatient*innen behandeln, ähnlich wie wir es im fünften Semester im Studienhospital getan haben. Wir werden bewusst in Situationen gebracht, die wir eigentlich schon lösen könnten, da unser Wissen aus den bisherigen Seminaren und Vorlesungen ausreichen sollte. Wir sollen jetzt Fehler machen, damit wir wissen, weshalb wir sie gemacht haben, und sie somit nicht bei echten Patient*innen wiederholen.
Mich erinnern diese Szenen sehr an den einen Nachmittag in der Notaufnahme in Leipzig, den ich mit einem Assistenzarzt verbringen durfte. Es ging darum, innerhalb kürzester Zeit alle relevanten Informationen von einem Menschen zu bekommen und notwendige körperliche Untersuchungen zu machen – und anschließend muss eingeschätzt werden, ob die Person risikoreich erkrankt ist oder schlicht eine Erkältung vorliegt. Auf diese Situation bereitet die „Limette“ wirklich gut vor. Und mir wird mein Fehler nicht erneut passieren. Da bin ich mir sicher.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Apr 15, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Apr 15, 2019

Medizin studieren

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Mein Erasmus-Semester in Riga verspricht, eine aufregende und interessante Zeit zu werden. Doch davor muss ich noch so manches organisieren und abarbeiten. Glücklicherweise habe ich ja bereits Erfahrung in Sachen Semester im Ausland – diesmal mache ich aber kein Urlaubssemester, sondern werde in Lettland studieren.
Grundlegend sind die Finanzen. Dafür hat sich die Europäische Union ja zu unserem Glück so manches einfallen lassen. Ich verstehe sowieso meist nicht, wieso sie ständig nur kritisiert wird. Ohne die EU wäre die anstehende Erfahrung für mich kaum möglich. Das sogenannte Erasmus+-Stipendium garantiert mir 300 Euro im Monat, womit die Miete abgedeckt sein wird. Darüber hinaus steht mir Auslands-BAföG zu. Wie viel das sein wird, weiß ich noch nicht, da ja alles sehr spontan war und ich meinen Antrag sehr spät eingereicht habe. Zum Glück habe ich viele Stunden im OP machen können und auch noch ein wenig Geld vom Fundraising übrig, sodass ich ein Polster angespart habe.
Des Weiteren muss ich meine Versicherungen prüfen. Die Haftpflicht muss man nicht alleine abschließen, meistens ist man über die Eltern mitversichert. Eine Unfallversicherung ist keine Pflicht, aber sinnvoll. Lediglich die Krankenversicherung muss auf jeden Fall sein, denn meine inländische reicht für den Ernstfall in Lettland nicht aus. Das sind ärgerliche, aber sinnvolle Kosten. Da es sich um ein Studium im Ausland handelt, muss ich zudem ein sogenanntes „Learning Agreement“ ausfüllen, das zwischen meiner Uni in Deutschland, der in Riga und mir besteht. Darin erkläre ich, welche Kurse ich belegen möchte. Außerdem habe ich die Garantie dafür, dass Vereinbarungen darüber, welche Kurse anerkannt werden, nach dem Auslandssemester eingehalten werden. Ich werde Augenheilkunde, Dermatologie, Neonatologie, Gynäkologie, Urologie und Psychologie belegen.
Nun steht noch aus, eine Wohnung in Riga zu finden. Ein paar Leute kenne ich bereits, die mit mir Abi gemacht haben oder die ich mal zufällig auf einer Party kennengelernt habe. Ich bin gespannt, wo ich am Ende wohnen werde.
Der Großteil der Organisation ist aber geschafft – und die Vorfreude kann weiter steigen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Apr 4, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Apr 4, 2019

Medizin studieren

Ein kleines bisschen Wissenschaft

Mein nächstes Ziel ist es, meine Doktorarbeit in Angriff zu nehmen. Mein Thema möchte ich im Bereich der humanitären Hilfe wählen. Meine Motivation dazu ergibt sich aus meiner Arbeit als Fundraiser, meinem Aufenthalt bei der Shanti Leprahilfe in Nepal und meiner Arbeit bei Brückenwind e.V. Diese Aktivitäten ließen meinen Blick auf Entwicklungszusammenarbeit kritischer werden schmälerten aber nicht meine Motivation, mich einzusetzen.
Der Professor, der meine Doktorarbeit betreut, beschäftigt sich mit Stoffwechselerkrankungen bei Kindern und forscht zu besonderen Ernährungssituationen. So steht beispielsweise die Wiederaufnahme von Ernährung nach langem Hunger, zum Beispiel nach Naturkatastrophen, Krieg oder Flucht im Vordergrund. In der Vergangenheit sind dabei fatale Fehler gemacht worden, etwa indem man Kindern nach langem Hunger viel Zucker gab, obwohl deren Stoffwechsel diesen schlecht verwerten kann. Mittlerweile weiß man, dass eine fettreiche Ernährung in diesem Fall viel besser ist.
Ich war von Anfang an überrascht von der Hilfsbereitschaft und Aktivität des Professors, mir dabei zu helfen, ein Thema zu finden. Mein eigener Plan bestand darin, ins Ausland zu gehen, um beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz oder bei den Ärzten ohne Grenzen forschen und arbeiten zu können. Mein Betreuer warnte mich, dass Doktorarbeiten im Ausland sehr aufwändig und mit hohem Risiko verbunden sind. Deshalb entschied ich mich, eine kleine Arbeit in Deutschland zu schreiben, die bereits für eine Dissertation ausreichend wäre, und auf deren Grundlage, die Arbeit im Ausland auszuweiten.
Untersuchen werde ich nun einen Fettkörper, der als Energielieferant neben der eigentlichen Ernährung dienen soll. Bei positivem Forschungsergebnis könnte dieser Fettkörper einer Erdnusspaste, die bereits in Notsituationen eingesetzt wird, beigemengt werden, um Menschen noch effizienter wichtige Nährstoffe und somit Energie zuzuführen. Bevor ich starten kann, muss ich mich aber erst noch genauer in die Thematik einarbeiten. Meinen Antrag schreibe ich, bevor ich nach Riga gehe.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Mar 14, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Mar 14, 2019