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Medizin studieren

Hürden der Arbeit

Was mir im Sommer die Arbeit an meiner Dissertation sowohl erschwert, als auch erträglicher gemacht hat, war das unglaublich heiße Wetter. Münster sah aus wie Südfrankreich oder Spanien. Auch wenn alles vertrocknet, braun und staubig war, genoss ich es, ohne nennenswerten Regen in der Regen-Stadt Münster umherzuradeln und abends bis elf Uhr am Kanal, Hafen oder am Aasee in kurzen Klamotten zu entspannen. Lange Hosen hatte ich seit Mai nicht mehr aus dem Schrank geholt.
In der Bibliothek war es allerdings unerträglich warm. Deshalb versuchte ich, jeden Tag früh in die Bibliothek zu fahren und die einigermaßen kühlen Morgenstunden zu nutzen, bevor die Hitze nicht mehr auszuhalten war. Mittags Feierabend zu machen, war aber auch eine sehr schöne Erfahrung. Sonst sind meine Ferien immer auf Kante genäht, doch dieses Mal hatte ich mehr Luft, auch anderen, schönen Dingen nachzugehen. Endlich mal wieder zu lesen, nach dem Lernen nicht direkt zum Sport zu hetzen und vor einem Kurztrip in die Heimat nicht quasi bis zur Abfahrt des Zuges in der Bib zu sitzen, war tatsächlich schön.
Nun ist das vorbei, da die Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen begonnen hat, das ich im April absolvieren werde. Rückblickend bin ich froh, noch einmal Luft geholt und Energie getankt zu haben.

 

Autor: Johannes  |  Rubrik: orientieren  |  11.12.2018

Medizin studieren

Es könnte alles und nichts sein

Die junge Patientin stellt sich nach einem Fahrradsturz bei mir vor. Sie gibt an, kurz nicht aufgepasst zu haben – dann lag sie plötzlich da. Sie hat keine schlimmen Verletzungen, kann sich aber an den Sturz nicht erinnern. Von einer Passantin weiß sie, dass sie vorne über den Lenker gefallen sei. Und nun?
Fälle wie diese begegnen einem täglich in der Notaufnahme. Patienten stellen sich mit unklarem Krankheitsbild vor und man soll innerhalb kürzester Zeit herausfinden, was ihnen fehlt. Ich hatte das Glück, einen jungen Assistenzarzt für einen Spätdienst begleiten zu dürfen, ihm erst über die Schulter zu schauen, später auch alleine Patienten aufzunehmen und die ersten Behandlungen durchzuführen.
Den Assistenzarzt durfte ich dauernd mit Fragen nerven, er hat mich die Gespräche aber weitestgehend selbst führen lassen und darauf vertraut, dass ich die richtigen Entscheidungen in Bezug auf die Diagnostik treffe.
Selbstverständlich habe ich bei meinem ersten Einsatz lange nicht alles richtig gemacht. Ab und zu hat mein Betreuer die Anamnese erneut gemacht, damit ich sehen konnte, was ich schon alles bedacht habe und wo ich Lücken ließ. Und da wurde mir auch bewusst, warum man sagt, dass man über zehn Jahre braucht, bis man eine vollständige, umfassende Anamnese durchführen kann. Denn in akuten Situationen ist es wichtig, abzuschätzen, welches Problem welche Priorität genießen sollte. Das kann ich mit meiner geringen Erfahrung noch nicht bewerten.
Insgesamt bin ich froh, dass ich den kurzen Einsatz in der Notaufnahme machen konnte. Ich wurde gefordert, musste mich aus meiner Komfortzone herausbegeben, selbstständig arbeiten und auf mein Können vertrauen – aber auch zugeben, wenn ich etwas nicht wusste. So konnte ich vieles lernen, insbesondere über mich selbst und meine Fähigkeiten.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  30.11.2018
Autor: Thilo
Rubrik: studium
30.11.2018

Medizin studieren

Augen zu und durch

Nach knapp zwei Wochen, in denen ich nicht den geringsten Gedanken an Arbeit, Lernen, Uni, Medizin oder sonstige Verpflichtungen verschwendet habe, sondern Laufen, Schlafen, Essen und Freizeit die allesbestimmenden Themen waren, fiel es mir wie erwartet schwer, mich wieder voller Elan an die Dissertation zu setzen. Dabei ist die Ausgangslage wirklich nicht schlecht: Im Prinzip steht die Arbeit, nur der Feinschliff fehlt noch. Aber das kann, um ehrlich zu sein, kräftezehrender sein als ein grobes Konstrukt aufs Papier zu bringen. Abwägen, welche Informationen man vertiefen oder kürzen sollte, erfordert wesentlich mehr Arbeit als wichtige Punkte zusammenzutragen. Gleichzeitig tut es aber gut, mal nicht so viel wie möglich in kurzer Zeit in sein Hirn zu schütten, wie es in Klausurenphasen abläuft. Stattdessen trage ich Wissen zusammen und muss abwägen, was wie im Zusammenhang zum übergeordneten Thema steht, ob diese und jene Formulierung exakt, korrekt und verständlich ist. Das macht wiederum echt Spaß, aber wie das so ist halt oft nur ein paar Stunden. Und so kommt zum „Cool-mal-was-anderes“ eben auch das „Augen-zu-und-durch-du-hast-es-bald-geschafft!“ dazu. Wobei bald geschafft nicht ganz korrekt ist, denn wirklich abschätzen, wie lange das noch dauert, kann ich nicht: Bevor ich meine Dissertation einreichen kann, muss sie mein Betreuer noch absegnen. Da steht wohl noch einiges an Arbeit an!

Autor: Johannes  |  Rubrik: orientieren  |  27.11.2018
Autor: Johannes
Rubrik: orientieren
27.11.2018