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Medizin studieren

Dumm gelaufen

Manchmal ist Medizin einfach nur eklig. Das ist für die meisten Nicht-Mediziner wahrscheinlich keine herausragende Neuigkeit. Aber mich hat es neulich doch ziemlich überrascht, dass es noch so manches gibt, was mich nicht kalt lässt. Schließlich habe ich in den vergangenen Jahren vieles gesehen, was alles andere als schön war – ob nun eklig, einfach nur schrecklich oder auch mal lustig. Wenn man in der Notaufnahme ist oder ein Praktikum in der Unfallchirurgie macht, bekommt man so einiges mit.
In die Kategorie „dumm gelaufen“ passte nun im Rahmen unseres Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde-Praktikums der Fall einer Frau, die sich gerade mit einem Wattestäbchen das Ohr säuberte, als das Telefon klingelte. Im Eifer des Gefechts griff sie nach dem Hörer und vergaß dabei das Wattestäbchen im Ohr. Trommelfelle reißen auf viele Arten, in diesem Fall dürfte es aber ganz besonders schmerzhaft gewesen sein. Die Bilder, die uns davon gezeigt wurden, ließen selbst die Abgebrühtesten schwer schlucken. Da hinter dem Trommelfell eine Reihenschaltung an Gehörknöchelchen liegt, ist so eine Verletzung leider recht heikel und es gilt, einen Verlust des Hörvermögens zu verhindern. Ob das bei dieser Patientin geklappt hat, wird sich wohl in den nächsten Wochen zeigen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  13.02.2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
13.02.2018

Auszeit vom Studium

Die Menschen geben den Inhalt – Teil 1

Shanti wird vor allem durch die Geschichten der dort lebenden und arbeitenden Menschen geprägt. Jeder von ihnen hat Unvorstellbares erleben und erleiden müssen, es überstanden und sich ein Leben aufgebaut. Jede Biografie hätte es verdient, gehört und verbreitet zu werden. Julia und ich merkten schnell, dass wir nur eine dieser Lebensgeschichten am Tag anhören können, um sie verarbeiten und richtig einordnen zu können. Es ist schwer, eine kleine Auswahl zu treffen, doch versuche ich, ein paar Shanti-Biographien hier niederzuschreiben.
Beginnen wir mit Siddharta, benannt nach dem ersten Buddha. Er ist schätzungsweise 16 Jahre alt und lebt mit den anderen Kindern zusammen in der obersten Etage der Klinik. Seine Familie hat ihn auf der Straße am Tempel Pashupatinath ausgesetzt, wo er traumatisiert und mit Wunden übersät aufgefunden wurde. Inwieweit er tatsächlich geistige und körperliche Behinderungen hat, ist schwer auszumachen, da vieles auch von seinen traumatischen Erlebnissen herrühren kann. Er ist überaus wissbegierig und merkt sich Dinge, indem er sie etliche Male wiederholt, was zuweilen manchen Volontär verzweifeln ließ. Laufen kann er nur mit großer Unterstützung, manchmal versucht er es selbst, sich am Geländer hochzuziehen, ein paar Schritte zu tun, was aber meistens darin endet, dass er vornüber auf seine Hände fällt. Morgens steht er dennoch oft an der Brüstung der Klinik, um auf die Straße zu schauen und auf uns zu warten und uns zuzuwinken, wenn wir zur Arbeit kommen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  12.02.2018
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
12.02.2018

Medizin studieren

Kinder- und Jugendpsychiatrie

Es gibt ja viele Bereiche in der Medizin, mit denen man als Laie keinen Kontakt hat, wenn man nicht unmittelbar betroffen ist. Wer weiß beispielsweise, dass es Fachärzte für Phoniatrie gibt, wenn man zum Beispiel als Kind eine Hörschwäche entwickelte und nun mit einem Cochlea-Implantat ausgestattet ist. Selbst ich als Medizinstudent wusste das bis vor wenigen Wochen nicht.
Oder aber man hat einfach keinen Kontakt zu bestimmten Disziplinen, obwohl man weiß, dass es diese gibt. So ging es mir bis vor Kurzem mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Wir hatten nun ein Praktikum in dieser Fachabteilung und waren auf einmal mit einem zweijährigen Jungen konfrontiert, der außer Schokolade absolut nichts anderes essen wollte. Therapiemöglichkeiten wie Hungerversuche, die zunächst ziemlich martialisch klingen, aber tatsächlich etwas bringen können, waren schon gescheitert. Selbst nach 24 Stunden ohne Essen weigerte sich der Kleine, etwas anderes als Schokolade zu sich zu nehmen. Jetzt könnte man anbringen, dass es Schlimmeres gäbe und ein Krankenhausaufenthalt hier übertrieben sei. Aber schon im Hinblick auf gesunde Ernährung ist dieser Einwurf schnell entkräftet. Abgesehen davon kann man sich sicherlich vorstellen, wie belastend es für eine Familie werden kann, wenn sich ein Kind nicht nur gegen grünes Gemüse wehrt, sondern einfach grundsätzlich alles boykottiert, was nicht braun und zuckersüß ist.
Wie es im Fall dieses Kindes weitergeht, wird sich zeigen. Die Hoffnung, das ist das Schöne in der Kinderpsychiatrie, ist, dass sich das „auswächst“.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  08.02.2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
08.02.2018