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Chancen für Geisteswissenschaftler/innen

Stadmuseum Siegburg
Welche beruflichen Chancen haben Historiker, Germanisten und Co. konkret?
Foto: Martin Magunia

Chatprotokoll

Chancen für Geisteswissenschaftler/innen

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wir danken euch für euer Interesse am abi>> Chat zum Thema "Chancen für Geisteswissenschaftler/innen" (8. November 2017). Im Chatprotokoll findet ihr die gestellten Fragen und die dazugehörigen Antworten unserer Experten.

 

abi>>

 

Hallo liebe User!
Willkommen zum heutigen abi>> Chat.
Diesmal erwarten wir eure Fragen zum Thema "Chancen für Geisteswissenschaftler/-innen".
Los geht's!

RoTo

 

Guten Tag, momentan befinde ich mich in einem Dilemma: Als Doktorandin habe ich eine befristete 50% Stelle an der Uni und habe dementsprechend weniger Zeit für die Diss. Nun überlege ich hin und her, ob ich mich für Stipendien bewerben soll oder nicht. Schließlich möchte ich auch irgendwann fertig werden, habe aber ein schlechtes Gefühl, wenn ich bei Erhalt eines Stipendiums meinem Arbeitgeber kündige. Der Zweifel bleibt, ob ich mir dann dadurch eventuelle Chancen auf eine weitere Beschäftigung an der Uni "verbaue".

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands) 

 

Das ist aus meiner Sicht keine leichte Frage. Ich kann Ihre Bedenken gegenüber Ihrem Arbeitgeber verstehen und würde das offen ansprechen. Es darf nicht sein, dass Ihre Diss unter der Arbeitsbelastung leidet, wenn Sie nur eine 50%-Stelle haben, aber es ist leider oft Realität. Es ist natürlich dennoch möglich, aber der Dialog mit dem Arbeitgeber ist entscheidend. Vielleicht können neue Freiräume für Sie gefunden werden. Am Ende dürfen es aber keine falschen Loyalitäten sein, sondern der Abschluss Ihrer Diss steht im Vordergrund. Das ist zumindest meine persönliche Meinung. Darf ich fragen, ob Sie an einem Lehrstuhl arbeiten oder ob Sie eine halbe Stelle in der Uni-Verwaltung haben?

Ines Rehfeld (Universität Potsdam) 

 

Liebe Roto, möchten Sie denn nach Ihrer Promotion im Wissenschaftsbetrieb bleiben?

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg)

 

Ich würde hier auch an Ihr Profil denken. Als Stipendiatin zeigt man immer, dass man einen speziellen Auswahlprozess "überstanden" hat und erwirbt ein "Profilplus". Schließlich muss man nicht nur in einem Motivationsschreiben seine Potentiale belegen sondern auch noch mit einem schlüssigen Exposé überzeugen. Ich sage nur "Textkompetenz"!

Friedrich

 

Hallo, ich möchte eigentlich voll gerne Geschichte studieren weil mich das total interessiert aber alle raten mir ab weil die Chancen nach dem Studium nicht so toll sind. Stimmt das?

Ines Rehfeld (Universität Potsdam) 

 

So pauschal kann man diese Frage nicht beantworten. Was interessiert Sie denn an dem Fach und haben Sie vielleicht schon eine berufliche Vorstellung?

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands) 

 

Sehr gute Frage, vielen Dank. Die Frage ist, wie Frau Rehfeld sagt, was Sie danach machen wollen. Historiker ist kein eingetragener und fester Beruf, Sie müssen also schon während des Studiums sehr umtriebig sein und schauen, wohin Sie später gehen möchten. Hier empfehlen wir immer Praktika in verschiedenen Bereichen zu absolvieren.

Sabine Najib (Bundesagentur für Arbeit) 

 

@Friedrich: Ich freue mich als Beraterin immer, wenn jemand für ein Thema brennt, weil das dann eher dazu führt, dass man sein Studium gerne und gut bewältigt. Und das ist nach wie vor die beste Vorbereitung auf dein Berufsleben.

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands) 

 

Ich denke, dass Historiker in Ihrem Studium sehr viel Handwerkszeug bekommen, um später für sehr viele Berufe und Jobs geeignet zu sein und kann es, wenn die Neigung da ist, immer empfehlen.

Ines Rehfeld (Universität Potsdam)

 

Auch meine Empfehlung sind Einblicke in die Praxis sammeln, auch während des Studiums mal nach rechts und links schauen. Wichtig sind dabei vorallem die Fragen: Was macht mir Spaß/Was kann ich gut? und Was ist mir wichtig?

Sabine Najib (Bundesagentur für Arbeit)

 

Welche Berufe man als Historiker ergreifen kann (außer dem naheliegenden Lehramt), kann man sehr gut hier recherchieren: www.berufenet.arbeitsagentur.de.

Das hier ist auch eine sehr schöne übersichtliche Darstellung der Uni-Heidelberg

Viktoria Müller (Georg-August- Universität Göttingen) 

 

@ RoTo: Außerdem ergeben sich über die Stipendiengeber häufig Netzwerke und neue Möglichkeiten - darüber hinaus weisen Sie nach, dass Sie mit Ihrem Projekt als "förderungswürdig" das geschafft haben, worum sich viele andere bemühen. Zu überlegen ist auch, was Ihnen mehr hilft: Der zügige Abschluss der Promotion oder die Praxiserfahrung durch die Arbeitstätigkeit.

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg)

 

Natürlich führt ein Geschichtsstudium nicht zu einem bestimmten Tätigkeitsfeld, wie es bei Jura oder Medizin der Fall ist. Man muss jedoch darauf achten, dass man nicht nur Lektürlisten abarbeitet, sondern Zusatzqualifikationen erwerben. Hier kann man eine Menge aufzählen. ITKenntnisse und BWL Zusatzkenntnisse sind nur zwei Bereiche, die ich auf alle Fälle im Blick behalten würde. Nicht zuletzt kann man mit einem zweiten Fach auch ins Lehramt einsteigen. Begeisterte Lehrer werden immer gebraucht!

RoTo

 

Die 50 % Stelle ist in einem digitalen Forschungsprojekt angesiedelt (keine Lehre). Der Arbeitsaufwand ist sehr schwankend, je nachdem was gerade anfällt. Manchmal eine 5 Tage Woche und andererseits mal wieder eine 2 Tage Woche. Ja darunter leidet die Diss, da es ja auch immer wieder ein neues "Eindenken" erfordert. Generell sehe ich mich in Zukunft im Wissenschaftsbetrieb oder in einer kulturellen Institution. Ein weiterer Punkt ist auch, dass ich offen/flexibel bleiben möchte für weitere Berufsfelder und mich nicht so früh in meiner Karriere auf einen Bereich festlegen will.

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Ich verstehe Ihr Dilemma voll und ganz. Ich kenne Ihre individuelle Situation zu wenig und auch Ihren Arbeitgeber, aber denke, dass Sie ein Stipendium bei Ihrer Planung durchaus in Betracht ziehen sollten. Denn für den Lebenslauf ist es auch nicht unbedingt förderlich, wenn diese zu lange dauert. Ihr nächster Arbeitgeber wird darauf genau achten und daher ist ein zügiges Fertigstellen so oder so in Ihrem Sinne.

Marah

 

Guten Tag, ich habe kürzlich meinen Master in
Kunstgeschichte abgeschlossen und finde partout keine Stelle. Ich möchte im Museumsbereich einsteigen, am liebsten als Kunstvermittlerin. Ich bin seit zwölf Jahren aktive Gästeführerin in meiner Heimatstadt und lege momentan meine Prüfung zur zertfizierten Gästeführerin ab. Zudem engagiere ich mich ehrenamtlich in Geschichtsvereinen, auch mit bezahlten Referaten. Außerdem arbeite ich seit Jahren unter anderem als freie journalistische Mitarbeiterin. Meine Frage: Brauche ich trotzem zwingend ein Museumspraktikum, damit meine Bewerbung als Volontärin überhaupt beachtet oder gelesen wird?

RoTo

 

@Friedrich: ich bereue die Entscheidung Geschichte
studiert zu haben nicht. Auch wenn ich oft während und nach dem Studium gezweifelt habe, ob es für mich das richtige ist, bin ich froh mein Studium abgeschlossen zu haben. Wie gesagt, sollte man sich früh um Praktika und HiWi Stellen umsehen um sich ein paar Türen zu öffnen.

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Kann ich voll unterstützen. Danke!

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg) 

 

Ich würde Ihnen zwei Dinge empfehlen: fertigen Sie mal einen realistischen Schreibzeitplan an und führen Sie in einem Career Centre eine Potentialanalyse durch. Damit kommen Sie Ihren realen Möglichkeiten näher.

RoTo

 

Generell bin ich der Meinung, dass man nach Interesse studieren sollte, denn dann bleibt man auch wirklich am Studium dran und findet so einen Bereich, in dem man sein Wissen mehr oder weniger einsetzen kann.

Ben_Blume

 

Hallo, man hört ja immer, dass die Berufsaussichten mit einem geisteswissenschafltichen Abschluss so schlecht sind. Stimmt das denn? Und wie sieht es beispielsweise für Geschichte aus (das interessiert mich als Studienfach am meisten)?

Sabine Najib (Bundesagentur für Arbeit) 

 

@ Ben_Blume: Generell ist die Arbeitslosigkeit unter Akademiker*innen die geringste überhaupt. Die größte Schwierigkeit für Geisteswissenschaftler*innen ist nicht unbedingt, dass es keine Stellen für sie gibt, sondern, wo diese zu finden sind. Außerdem helfen Praktika während des Studiums ungemein dabei, einen möglichst glatten Einstieg ins Berufsleben hinzukriegen.

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands) 

 

Das ist recht pauschal, und der Bundesbericht
Wissenschaftlicher Nachwuchs belegt, dass
GeisteswissenschaftlerInnen nach Abschluss des Studiums oder Promotion in Jobs kommen. Natürlich ist es kein "Selbstläufer" wie wenn man Medizin studiert und dann Landarzt/ärztin wird, die dringend gebraucht werden. Wie ich bereits sagte, es ist wichtig, dass man sich als Geisteswiss. schon im Studium breit aufstellt, Praktika macht, Netzwerke bildet, neugierig bleibt und offen ist,inhaltlich wie auch lokal. Mit Pauschal meinte ich, dass man die Geisteswissenschaften sehr differenzieren muss.

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg)

 

@Marah: ich denke, Ihre berufspraktischen Erfahrungen sind sehr aussagekräftig, sodass ich meine Energie in die Erstellung von aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen lenken würde und meine Selbstpräsentation im Bewerbungsgespräch trainieren würde.

RoTo

 

Der Schreibzeitplan steht. Darunter verstehe ich einen Plan bis zu welchem Zeitpunkt welcher Arbeitsschritt abgeschlossen sein sollte. Von einer Potentialanalyse in einem Career Centre habe ich noch nie etwas gehört. Können Sie dazu vielleicht ein paar Weblinks anführen?

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands) 

 

Wie lange sitzen Sie denn bereits an der Diss?

Marah

 

Vielen Dank für die Bestätigung

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg)

 

Ich habe im Sommer zwei sehr gute Artikel mit
"Expertenstimmen" gelesen, die ich gerne weiterempfehlen möchte. Die Aussichten für Geisteswissenschaftler sind gut, wenn man interdisziplinär denkt und gerne auch technisches Verständnis mitbringt.

Hier die Links zu den Artikeln:

  • "Endlich einer, der nicht nur Formeln anwenden kann." Der Arbeitsmarkt für Geistes- und Kulturwissenschaftler wächst: Banken, Autokonzerne und IT-Firmen bieten Jobs, Aufstieg und gutes Gehalt.
    (Süddeutsche Zeitung, 20. August 2017)
  • "Geisteswissenschaftler haben bessere Chancen denn je", denn Ingenieure brauchen bei der Vermarktung heute ihre Hilfe. Für eine Konzernkarriere müssten sie aber mehr bieten als Wörterexpertise, sagt eine Romanistin.
    Interview von Tim Kummert.
    (Süddeutsche Zeitung, 21. August 2017)

abi>> 

 

Interessant ist diesbezüglich sicher auch der Arbeitsmarktbericht auf abi.de

RoTo

 

@Marah: ich hatte mich nach meinem Master-Abschluss auch auf ein paar Volontariate im Museum beworben und hatte ein sechsmonatiges Praktikum im Museum (Mit der Anfertigung einer kleinen Ausstellung) und Archiverfahrung vorzuweisen. Ich wurde gar nicht erst eingeladen. Eventuell wird den Promovierten in solchen Fällen der Vortritt gelassen? Bei vielen Ausschreibungen liest man ja auch "Promotin erwünscht". Wie sind Ihre Erfahrungen?

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Sehr gemischt. Der Markt ist derzeit insgesamt sehr umkämpft, aus meiner Sicht.

 

RoTo

 

Das Grundkonzept für die Diss schlummert schon länger, aber so "richtig" sitze ich erst seit einem Jahr dran.

 

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Dann sind Sie doch aber noch gut im Zeitplan, ich dachte, dass schon mehr Zeit ins Land gegangen ist. Wie lange geht Ihre Stelle an der Uni noch? Aber ich würde mich in der Tat mal nach Stipendien umschauen und Bewerbungen in Erwägung ziehen. Allerdings sind strukturierte Promotionsprogramme auch nicht nicht zeitintensiv. Dort ist man zwar eingehegt in die Gruppe, hat aber auch Pflichten. Wie überall ist bei der Diss das Zeitmanagement und Diszplin das A und O, gerade wenn es dann ans Schreiben geht. Das aber nur als Ratschlag aus eigener Erfahrung. Ich habe meine Diss auch während des Job schreiben müssen.

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg)

 

Ja, um passende Stellen für Geisteswissenschaflter zu finden, empfehle ich schon früh - ruhig ab dem zweiten Semester - "Traumstellen" in einem Ordner zu sammeln und die Anforderungskriterien zu beobachten. So erhält man zum einen Firmenadressen, um sich für ein Praktikum zu bewerben und zum anderen sieht man, welche Zusatzqualifikationen gefragt sind.

Marah

 

@RoTo: Mir geht es ähnlich. Ich habe lange vor meinem Abschluss angefangen, Bewerbungen zu schreiben, mittlerweile habe ich ca. 40 geschrieben. Meist bekomme ich nicht einmal eine Antwort bzw. Absage. Das ist sehr frustrierend. Ich kann mich nicht beweisen, wenn ich nicht zu einem Gespräch eingladen werde.

Sabine Najib (Bundesagentur für Arbeit)

 

@Marah: Ich kann Ihren Frust sehr gut nachvollziehen. Es ist in der Tat sehr ärgerlich, wenn man noch nicht einmal eine Antwort auf seine Bewerbung erhält. Manchmal kann es helfen, das eigene Profil über Zusatzqualifikationen attraktiver zu machen, beispielsweise für die Erwachsenenbildung oder im Bereich Management. Dabei kann Sie übrigens ggf. auch die Arbeitsagentur unterstützen. Wenn Sie eine interessante Weiterbildung gefunden haben, lohnt es sich durchaus, bei der Arbeitsvermittlung nachzufragen, ob diese finanziert
werden kann.

Viktoria Müller (Georg-August- Universität Göttingen) 

 

Ihre Frustration verstehe ich sehr gut. Manchmal kann es da hilfreich sein, eine Expert*innenmeinung zu Ihren Unterlagen einzuholen, einen Bewerbungsmappencheck zu durchlaufen, damit Sie die Sicherheit haben, dass Ihre Unterlagen perfekt sind.

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg)

 

@ RoTo: In künstlerischen oder kulturellen Bereichen werden gerne Mitarbeiter/Referenten mit Doktortitel eingestellt. Zum Thema Potentialanalyse bzw. Kompetenzpass gibt es sehr gute Literatur. Ich habe jedoch im Laufe der Jahre ein Konzept des St. Gallener Career Service schätzen gelernt und mit persönlichen Fragetechniken im Beratungsgespräch erweitert.

RoTo

 

Ich muss jetzt leider wieder raus. Vielen Dank für die Anregungen! Bitte gerne wieder so einen Chat anbieten oder ein offenes Forum/Blog einrichten zum weiterdiskutieren.

Sabine Najib (Bundesagentur für Arbeit)

 

@RoTo: Alles Gute für Sie und viel Erfolg auf Ihrem weiteren beruflichen Weg!

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Alles Gute!!

abi>>

 

Danke fürs Mitmachen, RoTo. Freut uns, dass der Chat (etwas) geholfen hat. Mehr zum Thema Arbeitsmarkt findest du auch bei abi>>

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg) 

 

Empfehlen kann ich das "Career Management Handbuch: Bewerbungs- und Karriereplanung - kompetent und praxisnah" herausgegeben vom Career Service St. Gallen. Top!

Ben_Blume

 

Oaky, vielen Dank. Kennen sie denn auch Möglichkeiten für Geschichtsstudierende nach dem Studium? Also konkrete Berufe. Ich möchte nicht so gerne ins Museum, aber das scheint der beste Weg zu sein.

Ines Rehfeld (Universität Potsdam)

 

Die Seite Berufenet gibt einen guten ersten Überblick über mögliche Tätigkeitsfelder: Historiker

Es kommt aber auch sehr auf Ihre eigenen Vorstellungen und praktischen Erfahrungen an. Im Prinzip ist fast alles möglich. Wichtig ist, dass Sie sich frühzeitig informieren und bereits während des Studiums berufspraktische Erfahrungen sammeln.

Sabine Najib (Bundesagentur für Arbeit) 

 

@Ben_Blume: Aufgrund ihrer hohen Sprachaffinität und ihrer ausgezeichneten Recherchekompetenzen ergeben sich einige Berufsfelder für Historiker*innen: Neben den "üblichen Verdächtigen" Museen und Archive arbeiten Historiker*innen beispielsweise oft in Verlagen, in PR-Agenturen, bei politischen Organisationen oder NGO, in der (außerschulischen) Bildung oder generell journalistisch. Die Arbeitsfelder sind sehr vielfältig, müssen aber unbedingt durch entsprechende Praktika vorbereitet werden.

Ines Rehfeld (Universität Potsdam)

 

Ein toller Blog gibt einen Einblick in die vielfältigen Berufsfelder für Geisteswissenschaftler*innen: https://geisteswirtschaft.de/

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Hier will ich noch ergänzen: Lehramt. Sehr wichtig!

Marah

 

Vielen Dank für die Tipps. Ich werde mich bei der Arbeitsagentur informieren.

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg)

 

Historiker werden auch bei Fernsehsendern oder Rundfunkanstalten immer wieder nachgefragt. Fundierte historische Kenntnisse helfen bei der "modernen und digitalisierten" Aufbereitung von Geschichtsthemen.

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

HistorikerInnen sind eigentlich fast überall einsetzbar. Klassische Berufe sind neben der Forschung und der Dauerstelle an der Universität, das Museum, das Archiv, die Bibliothek, der Journalismus, Kultureinrichtungen in der ganzen Spannbreite, Verwaltungen. Hierneben fassen HistorikerInnen aber auch in noch so typischen Berufen Fuß, wie z.B. Unternehmensberatungen. Es ist eben wichtig, dass man sich früh umsieht und dann dort seine Schwerpunkte setzt, offen ist.

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg) 

 

Genau! Auch Sie sollten dazu übergehen, nicht nur Ihr fachliches Know-How zu sehen, sondern auch Ihre methodischen und kommunikativen Kompetenzen!

Jenny

 

hallo experten, ich würde später wahnsinnig gerne Journalistin werden, betreibe aktuell schon einen eigenen blog, in dem ich mich mit verschiedenen themen befasse (vor allem musik und mode). weil ich aber angst davor habe, nach dem studium keine stelle zu finden, würde ich ungern einen Journalismus-studiengang wählen, mit dem ich dann gar keine andere option mehr habe. was würden sie mir empfehlen?

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Ich bin keine Expertin für Journalismus, weiß aber, dass es schwieriger ist, als Quereinsteigerin reinzukommen. Die Journalismusschulen sind sehr stark und bringen viel Nachwuchs hervor. Aber es muss damit tatsächlich nicht klappen. Allerdings sind Sie als ausgebildete Journalistin auch für den Bereich PR sehr interessant.

Sabine Najib (Bundesagentur für Arbeit)

 

@Jenny: Zur Journalistin wird man auch in der Tat nicht durch ein spezielles Studium, sondern vielmehr durch das, was Sie bereits tun: durchs Schreiben. Von daher ist die Wahl Ihres Studiums fast nachrangig zu sehen, wenn Sie währenddessen journalistisch am Ball bleiben.

Viktoria Müller (Georg-August- Universität Göttingen)

 

Ihrem offensichtlichen Interesse an Text und Sprache könnten Sie in einem Philologischen Studium - also im Studium einer Sprache - nachgehen. Hier studieren Sie Inhalte aus Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft, was Sie dauerhaft auch in andere Bereiche führen kann.

Sabine Najib (Bundesagentur für Arbeit)

 

@Jenny: Was für manche durchaus interessant ist, ist ein Lehramtsstudium, weil auch gute Lehrer*innen viel von guten Journalisten*innen haben: Sie stellen komplexe Sachverhalte prägnant so dar, dass sie auch für eine uninformierte (und potentiell uninteressierte) Leser*innenschaft zugänglich werden. Man muss alsLehramts-Absolvent*in auch nicht Lehrer*in werden, viele nutzen das jedoch als Joker, falls sich irgendwann doch ein entsprechendes Interesse einstellt.

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg)

 

Nah verwandt wäre der Bereich "Presse- und Öffentlichkeitsarbeit". Fast jedes große Haus oder Unternehmen hat Mitarbeiter für die interne und externe Öffentlichkeitsarbeit.

Ella

 

Hallo, ich überlege auch nach dem Abi zu studieren. Ich denke an eine Kombi aus Kunstgeschichte und Geschichte, weil mich beides sehr interessiert. Aber was kann ich damit nach dem Studium machen?

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands) 

 

Da wüde ich gerne auf meine Antwort weiter oben verweisen. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit hatte ich da vergessen, das ist aber ein extrem relevanter Bereich, genauso wie Marketing.

Ines Rehfeld (Universität Potsdam)

 

Liebe Ella, da gibt es im Chat-Verlauf schon einige Infos.

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg)

 

Die Anworten hierzu stehen schon weiter oben im Chat. Aber wo sehen Sie sich denn, wo würden Sie denn gerne einmal praktische Erfahrung sammeln. Wenn kennen Sie der Geschichte/Kunstgeschichte studiert hat?

Ben_Blume

 

Würden Sie denn auch eine Promotion empfehlen?

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Jein. Ich denke, dass eine Promotion von Vorteil sein kann, aber nicht muss. Es ist die Frage, wo Sie hin wollen nach der Promotion. Das wichtigste ist, dass man keine Promotion nur des Titel wegens schreibt, sondern weil man für das Thema "brennt". Denn drei bis vier Jahre an einem Thema zu sitzen braucht Kraft und Ausdauer.

Ines Rehfeld (Universität Potsdam)

 

Dennoch sollte man sich nur für eine Promotion
entscheiden, wenn man wirklich Lust hat sich mit dem jeweiligen Thema über einen längeren Zeitraum wissenschaftlich auseinanderzusetzen.

Ella

 

Ich würde schon gern etwas machen, was auch mit Kunst und Geschichte zu tun hat. PR ist ja schon ne andere richtung.

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands) 

 

Das stimmt. Sie können an den Bereich Forschung, Museum, Museumspädagogik, Lehramt etc. denken.

Viktoria Müller (Georg-August- Universität Göttingen)

 

Wenn Sie PR machen, heißt das ja nicht zwingend, dass Sie sich damit in "kulturferne" Bereiche begeben (müssen). PR für Kultureinrichtungen (Museen, Gedenkstätten usw.), kommerzielle Kunstanbieter (Auktionshäuser, Galerien usw.)... die Richtung bestimmen Sie!

Sabine Najib (Bundesagentur für Arbeit)

 

@Ella: Wenn Sie sich für etwas wirklich von Herzen interessieren, dann ist es eine gute Idee, das auch beruflich zu verfolgen. Denn nur das, was Sie gerne machen, machen Sie auch in schwierigen Zeiten gut. Im Zweifelsfall können Sie die beiden Fächer einfach erst einmal studieren und sich für die Semesterfächern nach interessanten Praktika umschauen: in Museen, in Kulturämtern, in Galerien, in Auktionshäusern etc.

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg)

 

Eine Promotion ist notwendig, um sich das Berufsfeld "Universität" zu erschließen und wird auch gerne im "Wissenschaftsmanagement" gesehen.

Ella 

 

ich kenne niemanden der das studiert. aber das waren immer meine lieblingsfächer in der schule

Ines Rehfeld (Universität Potsdam)

 

Liebe Ella, haben Sie denn schon eine Idee, was Sie beruflich machen möchten? Was macht Ihnen Spaß? Welche konkreten Tätigkeiten können Sie sich vorstellen? Oft fällt es gerade am Anfang schwer diese Fragen zu beantworten. Wie heute schon oft gesagt, können hier Praktika und studentische Nebentätigkeiten helfen, einen Einblick zu bekommen.

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands) 

 

Ich würde ads mit der Promotion, liebe Frau Retsch, auch sogar noch weiterfassen. Auch in der "freien" Wirtschaft und im Kulturbereich wird die Promotion gerne gesehen, ebenso bei Verlagen und im Archiv

Dr. Annette Retsch (Universität Würzburg) 

 

Ja, im Zweifelsfall werden Bewerber mit den drei
Buchstaben bevorzugt eingestellt, auch wenn man hierfür oft nicht zusätzlich entlohnt wird. Meine Zeit ist leider vorbei, um im Chat mitzumachen. Ich möchte nur allen Studieninteressierten empfehlen, sich frühzeitig beruflich zu orientieren und die vielen Info- und Praxisangebote von Karriereeinrichtungen zu nutzen. Nichts zuletzt erfährt man auch bei der Teilnahme in speziellen Workshops von den Erfahrungen anderer Studierender. Ich wünsche allen viel Erfolg bei Ihren beruflichen Plänen!

Ines Rehfeld (Universität Potsdam)

 

Ich kann dem Tipp von Frau Retsch nur zustimmen. Viele Universitäten bieten die Möglichkeit mit verschiedenen Praxisvertreter*innen und Alumni in Kontakt zu bekommen. Die Personen können von ihren Erfahrungen berichten und geben oft neue Impulse für Studierende. Dadurch kann man häufig Berufsfelder entdecken, die man noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Die Möglichkeiten sind nämlich sehr vielfältig!

Ella 

 

Ich könnte mir schon vorstellen in einem Museum oder einer Galerie zu arbeiten. Ich weiß nur nicht, ob das realistisch ist

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Natürlich ist das realistisch, allerdings müssen Sie sich gewahr sein, dass der Arbeitsmarkt z.T. sehr eng ist. Es muss Bereitschaft da sein, auch in andere Städte oder Länder zu gehen. Aus meiner Erfahrung findet jeder einen Platz und Karriere lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad planen. Manchmal rutscht man durch Zufall in eine andere Branche und ist viel happier als vorher. Neugierde ist für GeisteswissenschaflterInnen das A und O. (Ich wiederhole mich)

Viktoria Müller (Georg-August- Universität Göttingen)

 

Hilfreich kann hier sein, durch Praktika a) zu überprüfen, ob sich Ihre Vorstellungen mit der Arbeitsrealität decken und b) Netzwerke zu knüpfen, die den Berufseinstieg in eine umkämpfte Branche erleichtern können.

Sabine Najib (Bundesagentur für Arbeit)

 

@Ella: In die Zukunft schauen kann niemand... Von daher kann Ihnen auch niemand versprechen, dass Sie es schaffen, in einem solchen Umfeld beruflich Fuß zu fassen. Was aber wichtig ist: es gibt Alternativen. Und ich versuche immer, meine Rat Suchenden zu ermutigen, ihren Weg zu gehen und sich nicht von Wahrscheinlichkeiten kirre machen zu lassen. Wenn es mit dem Traumberuf nicht klappt, gibt es bestimmt auch noch andere spannende Berufsfelder, die Sie jetzt möglicherweise noch nicht einmal kennen...

Ella 

 

Okay, vielen Dank. ich hab ja noch etwas Zeit, mir das zu überlegen.

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Wichtig ist, dass Sie sich von außen nicht entmutigen lassen und Ihren Weg gehen. Wie oft habe ich gehört: "Waaas? Du studierst Geschichte? Was macht denn damit?" Eine ganze Menge, wie wir heute schon gehört haben. Und wenn Sie ein Ziel vor Augen haben, dann ist es umso besser. Alles Gute!

Julio98

 

Welche Aussichten habe ich denn auf einen Job nach einem Studium der Politikwissenschaften?

Ines Rehfeld (Universität Potsdam)

 

Auch hier gibt die berufenet-Seite einen guten ersten Überblick: Politologe/Politologin

Interessieren Sie sich für das Studienfach und studieren Sie bereits? Da kann ich nur zustimmen! In Berlin und Potsdam hören wir auch sehr oft die Frage "Und wat machste dann damit?" Und ehrlich gesagt auch nicht nur bei den geisteswissenschaftlichen Fächern. Die Möglichkeiten sind so breit und das ist doch eigentlich eine tolle Chance :)

Delfina

 

Guten Tag, ich möchte gerne Religionswissenschaften studieren. Können sie mir eine Hochschule dafür empfehlen? Ich komme aus der Oberpfalz, muss für dasStudium also eh umziehen und möchte an eine gut Uni!

Ines Rehfeld (Universität Potsdam)

 

Da kann ich Ihnen leider auch nicht weiterhelfen. Aber es gibt sicherlich tolle Unis für dieses Fachbereich. Die Uni Potsdam bietet den Studiengang z.B. auch an ;)

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Bei der Frage muss ich leider passen.

Delfina

 

gibts denn keine gute?

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Doch es gibt sogar viele gute. Die Frage wäre:
Evangelisch, katholisch, auf Lehramt, Pfarramt?

Viktoria Müller (Georg-August- Universität Göttingen)

 

Auch ich kann keine Empfehlung aussprechen, aber schauen Sie doch über https://www.hochschulkompass.de/home.html wo der Studiengang angeboten wird, hier haben Sie auch die Möglichkeiten, sich die einzenlen Profile/Ausrichtungen usw. genauer anzusehen und zu prüfen, welcher Standort zu Ihren Studienwünschen passt.

Delfina

 

Katholisch. Aber kein Lehramt. Ich glaub, das liegt mir nicht. Ich will halt auch nicht in so eine große Stadt wie München zum Beispiel. Andererseits soll man sich davon ja nicht abschrecken lassen, oder?

Viktoria Müller (Georg-August- Universität Göttingen)

 

Wichtig ist, dass Sie eine Hochschule an einem Studienort finden, an dem Sie sich wohlfühlen, gerne leben und studieren möchten. Wenn Sie wissen, welche Umgebung Ihnen da besonders entgegen kommt, umso besser. Etwas Neues zu testen bringt aber in jedem Fall auch immer neue Erfahrungen.

abi>>

 

@Delfina: Oder du wirfst mal einen Blick auf
www.studienwahl.de und nutzt dort den FINDER, um geeignete Studiengänge zu finden.

Delfina

 

Stimmt, danke. da gibts viele treffer. Aber woher weiß ich denn, ob das dann eine gute uni ist?

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands) 

 

Das ist schwer zu sagen, was heißt "gut". Eigentlich doch: Wie sind die Studienbedigungen, also Öffnungszeiten der Unis, Betreuerverhätltnis (an kleinen Unis immer etwas besser), wie ist die Stadt

Ines Rehfeld (Universität Potsdam)

 

Was wäre Ihnen denn besonders wichtig?

Viktoria Müller (Georg-August- Universität Göttingen)

 

Unis werden aus unterschiedlichen Perspektiven nach vielen Maßstäben bewertet, die aber nicht zwingend die individuelle Wahrnehmung der Studieren spiegeln. Wichtig wäre: Unter welchen Bedingungen wollen Sie studieren, worauf legen Sie besonderen Wert (z.B. Internationalität der Uni, Praxisbezug im Studium usw.)?

Delfina 

 

ja, das meinte ich ja. und wie ist der z.B. der Ruf? Kann man das irgendwo rausfinden? Mir wäre wichtig, dass die Uni einen guten Ruf hat - und zwar, damit ich später bessere Chancen auf einen Job habe.

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

Bei Katholischer Theologie empfielt es sich, dass Sie mal die Studienberatung einer Uni, die für Sie in Frage kommt, aufsuchen und dort in die Fachstudienberatung gehen. Dann bekommen Sie schon ein Gefühl. Der Ruf ist vor allem entscheidend, wenn Sie in die Forschung gehen, aber nicht allentscheidend. Ich würde mir da im 1. Semester noch nicht so viele Sorgen machen, da Sie ja jederzeit wechseln können, spätestens zum MA oder zur Diss

Viktoria Müller (Georg-August- Universität Göttingen)

 

Ich würde mich auch nicht danach richten: In einem Ranking kann die Uni 2017 super abschneide, aber wer weiß, wie sich das bis zu Ihrem Abschluss entwickelt.

Delfina

 

Und außerdem, dass die stadt nicht zu groß ist. Da fühle ich mich schnell unwohl. Auch wieder wahr. Dann schreibe ich mal ein paar unis an, in nicht so großen städten. danke!

Dr. Nora Hilgert (Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands)

 

gerne

abi>>

 

Liebe Chatter:
Das war’s für heute schon wieder!
Vielen Dank fürs Mitmachen.

Der nächste Chat findet statt am 6. Dezember. Von 16 bis 17.30 Uhr geht’s dann um das Thema „Lehrer/in werden“.

Mehr Infos rund um Studium, Beruf und Karriere findet ihr unter www.abi.de. Schaut doch mal rein!

abi>> 14.11.2017