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Ausbildung oder Studium?

Eine Arbeitsvermittlerin reicht einer Frau eine Broschüre.
Berufsberater kennen sich aus – und helfen gerne bei Entscheidungen.
Foto: Patricia Leitao

abi>> Coaching

Ausbildung oder Studium?

Hörsaal, Werkstatt oder Büro: Wo soll es hingehen nach dem Abitur? Bei einigen Berufen ist die Laufbahn festgelegt – in manchen Branchen führen jedoch unterschiedliche Bildungswege zum Ziel. Dann gilt es abzuwägen, ob eine Ausbildung oder ein Studium besser passt. Doch wie findet man das heraus?

Lukas:

Ich mache nächstes Jahr Abitur und überlege, wie es danach weitergehen soll. Ich würde gerne irgendwas mit Medien machen, vielleicht beim Fernsehen arbeiten. Was ist der bessere Weg: eine Ausbildung oder ein Studium?

Tim Frerichs, Agentur für Arbeit Osnabrück

Lieber Lukas,

dir stehen sehr viele Möglichkeiten offen. Da ist es nur verständlich, dass dir die Entscheidung nicht leicht fällt, zumal es sowohl für eine Ausbildung als auch für ein Studium gute Argumente gibt. Was „besser“ ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt immer auf die individuelle Situation an. Irgendwas mit Medien wollen viele machen – eine konkrete Vorstellung von den Berufen in dieser Branche haben jedoch die wenigsten. Von daher rate ich dir, dich erst mal gut zu informieren und zu überlegen, welche Aufgaben dich beim Fernsehen reizen. Wenn dir der technische Aspekt Spaß macht, könnte eine Ausbildung passen, zum Beispiel zum Mediengestalter Bild und Ton. Wenn dich die inhaltliche Seite mehr interessiert und du gerne redaktionell arbeiten möchtest, würde ich dir ein Studium empfehlen. Hier kommen vor allem medien- oder kulturwissenschaftliche Studiengänge infrage oder auch ein Studium im Bereich Filmproduktion.

Theorie oder Praxis

Porträt von Tim Frerichs

Tim Frerichs

Foto: privat

Neben dem Berufsziel solltest du überlegen, welche Bildungsform eher zu dir passt. Bist du lieber praktisch tätig, spricht das für eine Ausbildung. Und auch, wenn du erst mal genug hast vom Lernen, solltest du in diese Richtung tendieren. Setzt du dich hingegen gerne mit Theorien auseinander und bereitet es dir Freude, zu hinterfragen und zu erforschen – dann könnte ein Studium eine Alternative sein. Das gilt ebenfalls, wenn du dich noch nicht auf einen konkreten Beruf festlegen möchtest. An einer Hochschule bist du einfach flexibler und hast mehr Entfaltungsmöglichkeiten.

Wenn dich sowohl Studium als auch Ausbildung ansprechen, kommt auch die Kombination aus beidem infrage. Informationen zu dualen Studiengängen findest du zum Beispiel auf www.ausbildungplus.de. Manche machen auch erst eine Ausbildung und studieren dann – was ich für sinnvoller erachte, als vor einer Ausbildung zu studieren.

Gehälter im Vergleich

Auch den finanziellen Aspekt solltest du bei der Entscheidung bedenken. Machst du eine Ausbildung, verdienst du gleich eigenes Geld und bist unabhängiger. Absolvierst du hingegen ein Studium, musst du mit weniger Geld zurechtkommen und bist vermutlich auf die Unterstützung deiner Eltern, auf BAföG oder auf einen Nebenjob angewiesen. Langfristig gesehen hat man jedoch mit einem Studium bessere Verdienst- und Aufstiegschancen: Aus dem Kurzbericht 17/2016 des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht hervor, dass Hochschulabsolventen mit einem Lebensverdienst von rund 2,37 Millionen Euro fast eine Million Euro mehr verdienen als Menschen mit einer abgeschlossenen Ausbildung, die auf rund 1,51 Millionen Euro kommen.

Bei solchen Studien muss man allerdings berücksichtigen, dass es sich lediglich um Durchschnittswerte handelt. Es gibt auch Akademiker, die nicht viel verdienen – genauso wie manch einer nach der Ausbildung eine steile Karriere hinlegt. Vor allem Meister und Fachwirte, also diejenigen, die sich nach ihrer Ausbildung weiter qualifiziert haben, können mit einem höheren Gehalt rechnen. Nicht selten fällt es sogar höher aus als das von Akademikern. Zudem hängt es auch von der Branche ab, wie hoch die Gehälter tatsächlich sind. Beispielsweise verdient ein Herzchirurg mehr als ein Sozialarbeiter – obwohl beide studiert haben.

Diese finanziellen Aspekte können Orientierung geben, letztendlich ist es aber natürlich so, dass allein der Verdienst wenig darüber aussagt, wie glücklich du mit deinem Beruf bist.

Aktuelle Trends

Ein weiterer Punkt ist die Arbeitsplatzsicherheit. Statistisch gesehen haben auch hier Hochschulabsolventen die Nase vorn. Während von ihnen nur etwa 2,6 Prozent arbeitssuchend sind, müssen die Ausbildungsabsolventen mit rund 5 Prozent umgehen. Anders sieht es zu Ausbildungsbeginn aus: Da die Zahl der Studienanfänger zunimmt, beklagen sich immer mehr Unternehmen, keine guten Bewerber mehr für freie Ausbildungsplätze zu finden. Hier gibt es also durchaus Entwicklungspotenzial – das auch von Abiturienten genutzt wird. Inzwischen hat rund jeder vierte Ausbildungsanfänger eine Hochschulzugangsberechtigung. Grund dafür ist sicherlich auch, dass immer mehr Schüler Abitur machen.

Den eigenen Weg finden

Trotz all dieser Zahlen solltest du das Wichtigste nicht außer Acht lassen: Deine Einschätzung, was dir persönlich liegt. Jeder muss seinen eigenen Weg finden – jenseits von Studien, Vorurteilen oder Erwartungen anderer. Ich höre immer wieder, dass manche nur studieren, weil man das mit Abitur eben macht. Diese Einstellung teile ich nicht! Viel sinnvoller ist es, sich intensiv mit Berufen und Bildungswegen zu beschäftigen, um ein Gespür dafür zu bekommen, was zu einem passt.

Gold wert sind Praktika. Dabei merkt man meist schnell, ob der Beruf den eigenen Vorstellungen entspricht. Außerdem machen sich praktische Erfahrungen gut, wenn man sich bewirbt, sei es um einen Ausbildungs- oder Studienplatz. Zudem sind in vielen Branchen – insbesondere in der Medienbranche – Praktika unheimlich wichtig.

Ob du dich an einer Hochschule wohlfühlst, kannst du im Schnupperstudium herausfinden. Die Beratungsangebote der Universitäten können ebenfalls hilfreich sein. Wertvolle Tipps bekommst du außerdem von Berufsberatern der Agentur für Arbeit oder auf Bildungsmessen. Nicht zuletzt findest du im Internet zahlreiche Hinweise, die dir dabei helfen können, eine gute Entscheidung für deine Zukunft zu treffen.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de


BERUFE.TV
Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 350 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe
www.berufe.tv


JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
www.jobboerse.arbeitsagentur.de


KURSNET
Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de


studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de


Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Die Berufsbildung der Facharbeiter, Fachangestellten, Gesellen und Meister steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Dienstleistungsarbeit des BIBB. Aber auch Informationen über duale Ausbildungsberufe sind hier zu finden.
www.bibb.de


Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit zu Perspektiven für Beruf und Arbeitsmarkt
www.iab.de

 

OSA-Portal
Übersicht deutschsprachiger Online-Self-Assessments zur Studienorientierung
www.osa-portal.de

abi>> 02.03.2017