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Duale oder schulische Ausbildung?

Mann unterrichtet Schüler im Klassenzimmer
In der Gesundheitsbranche werden einige Ausbildungsberufe nur in schulischer Form angeboten.
Foto: Michael Neuner

abi>> Coaching

Duale oder schulische Ausbildung?

Insgesamt gibt es über 300 duale Ausbildungsberufe in Deutschland und zusätzlich zahlreiche schulische Ausbildungen. Doch wie findet man heraus, welche Ausbildungsform zum Berufswunsch und zu einem passt? Und worin unterscheiden sich die beiden Formen überhaupt?

Lars:

Ich möchte nach meinem Abitur gerne eine Ausbildung absolvieren. Besonders interessiert mich die Chemiebranche. Allerdings weiß ich nicht, ob ich eine schulische oder eine duale Ausbildung beginnen sollte. Welche Unterschiede und welche Vor- und Nachteile gibt es bei den einzelnen Ausbildungsformen?

Susanne Heiser, Agentur für Arbeit Stuttgart

Lieber Lars,

zunächst einmal ist es so, dass schulische und duale Berufsausbildungen in der Regel nicht deckungsgleich sind. Ausbildungen können sich trotz ähnlicher Berufsbezeichnung unterscheiden – beispielsweise die duale beziehungsweise betriebliche Ausbildung zum Chemielaboranten und die schulische Ausbildung zum Chemisch-technischen Assistenten (CTA). Die duale Ausbildung gilt als klassische Form der Berufsausbildung. Hier bist du direkt bei einem Unternehmen, deinem Lehrbetrieb, angestellt. Die Aufgaben sind im sogenannten Rahmenlehrplan geregelt. Schulische Ausbildungen dagegen finden an Berufsfachschulen statt und sind meistens etwas breiter angelegt, um auf die Arbeit in einem Institut, einem Labor, einem Krankenhaus oder auch in der Industrie vorzubereiten. Gerade in der Gesundheitsbranche gibt es einige Ausbildungsberufe, die nur in schulischer Form angeboten werden – wie im Bereich Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie.

Umfassend recherchieren

Ein Porträt-Foto von Susanne Heiser

Susanne Heiser

Foto: Privat

Zunächst solltest du dich daher so gut wie möglich über die einzelnen Ausbildungsmöglichkeiten erkundigen. Ausführliche Informationen zu den Zugangsvoraussetzungen, Ausbildungsinhalten sowie Verdienst- und Berufsmöglichkeiten erhältst du zum Beispiel im BERUFENET. Neben der Wahl der Ausbildungsform spielen viele weitere Faktoren eine Rolle: Will ich später einmal ins Ausland? Möchte ich mich vielleicht irgendwann selbstständig machen? Wie wichtig ist mir der finanzielle Aspekt? Meiner Erfahrung nach merken Abiturienten beim Recherchieren recht schnell, ob sie an einer Ausbildung etwas stört oder besonders anspricht.

Welcher Lerntyp bin ich?

Bei der Wahl der Ausbildungsform ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, welcher Lerntyp man eigentlich ist. Behältst du Informationen besser durch „Learning-by-doing“ oder durch Auswendiglernen im Gedächtnis? Eine schulische Ausbildung ist, wie der Name bereits verrät, sehr theoretisch aufgebaut. Du giltst weiterhin als Schüler, besuchst die Berufsfachschule und lernst die Inhalte deiner Ausbildung dort in Unterrichtsform. Wenn du also gerne und gut lernst, dann könnte eine schulische Ausbildung für dich in Frage kommen. Bei einer dualen Ausbildung dagegen verbringst du deine Arbeitszeit hauptsächlich im Unternehmen und lernst sozusagen direkt in der Praxis. Neben fachspezifischem Wissen erwirbst du so auch andere Kompetenzen – zum Beispiel, wie du dich in einem Team zurechtfindest. Ergänzt wird die duale Ausbildung durch den Berufsschulunterricht, den du entweder ein oder zwei Tage die Woche oder im Blockunterricht an einer Berufsschule absolvierst.

Finanzielle Aspekte

Ein klarer Vorteil der betrieblichen Ausbildung ist der finanzielle Aspekt: Hier bekommst du bereits ein Gehalt, während dir bei der schulischen Ausbildung meist keine Vergütung zusteht. Bei privaten Berufsfachschulen wird häufig vielmehr Schulgeld verlangt. Doch vom finanziellen Aspekt alleine solltest du die Wahl der Ausbildungsform nicht abhängig machen. Bei schulischen Ausbildungen kannst du das sogenannte Schüler-BAföG beantragen. Dieses richtet sich unter anderem nach dem Familieneinkommen und der Kinderzahl. Deine Chancen auf das BAföG steigen zum Beispiel, wenn du bereits vor oder für die Ausbildung in einer eigenen Wohnung lebst. Anders als das Studenten-BAföG muss das Schüler-BAföG nicht zurückgezahlt werden.

Rechtzeitig bewerben

Wichtig bei beiden Ausbildungsformen ist es, sich rechtzeitig zu bewerben. Bei der betrieblichen Ausbildung bewirbt man sich in der Regel ein bis eineinhalb Jahre vor Ausbildungsstart direkt beim Unternehmen. Der Betrieb legt dabei selbst fest, worauf es ihm bei der Bewerbung ankommt. Meistens werden potenzielle Auszubildende zu einem Vorstellungsgespräch, zu Online-Tests oder zu einem Assessment-Center eingeladen.

Bei der schulischen Ausbildung bewirbt man sich in der Regel ein bis ein halbes Jahr vor Ausbildungsbeginn direkt an der jeweiligen Berufsfachschule. Du solltest dich vorab jedoch unbedingt auf der Website der Schule über den konkreten Bewerbungsschluss informieren. Für eine schulische Ausbildung zählt in erster Linie der geforderte Schulabschluss. Je nachdem, wie viele Plätze zu vergeben sind und wie hoch die Nachfrage ist, kommt es zudem auf den Notendurchschnitt der Bewerber an. Auch ein persönliches Gespräch oder andere Eignungsfeststellungsverfahren können Teil des Auswahlprozesses sein. Beide Ausbildungsformen dauern in der Regel zwei bis dreieinhalb Jahre und sind vom Abschluss ebenwürdig.

Welche Ausbildungsform schließlich mehr Vorteile bringt, lässt sich pauschal nicht sagen. Manche Berufe lassen auch nur eine Ausbildungsform zu. Wichtig ist, dass du dich vorab gut informierst und auch herausfindest, was sich hinter den Berufsbezeichnungen verbirgt. Die Namen der Berufe lassen nämlich nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Berufstätigkeit zu.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/

Ausbildung Plus

Portal des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) für duales Studium und Zusatzqualifikationen in der beruflichen Erstausbildung
www.ausbildungplus.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Informationen über duale Ausbildungsberufe gibt es auf den Seiten des Bundesinstituts für Berufsbildung.
www.bibb.de

BERUFETV

Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 350 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe
www.berufe.tv

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

 

abi>> 13.05.2016