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Prüfungsangst

Studentin im Hörsaal grübelt verzweifelt an einer Aufgabe.
Prüfungsangst sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.
Foto: André Braun

abi» Coaching

Prüfungsangst

Nervosität, zittrige Hände, Herzklopfen – die meisten Studierenden kennen das mulmige Gefühl vor wichtigen Klausuren, Referaten oder mündlichen Prüfungen. Dazu kommt, dass mit der Umstellung auf das gestufte Studiensystem fast jede Note im Studium zählt. Wie kann man verhindern, dass Leistungsdruck und Versagensängste den Alltag beherrschen?

Lisa:

Ich studiere im zweiten Semester Pädagogik. Die ersten Prüfungen sind leider nicht so gut gelaufen wie ich erwartet hatte. Der Druck ist doch wesentlich höher als gedacht. Jetzt stehen bald die nächsten Prüfungen an und ich bin total nervös. Was ist, wenn ich versage?

Mandy Rusch, Agentur für Arbeit Leipzig

Liebe Lisa,

zunächst solltest du dich noch einmal in die Prüfungssituation zurückversetzen. Denke darüber nach, was konkret schief gelaufen sein könnte. Warst du vielleicht nicht so gut vorbereitet wie du gedacht hast? Hat dich der Lernstoff überfordert? Wie ging es dir während der Prüfung? Wie waren die Rahmenbedingungen? Es gibt viele Faktoren, die für den Verlauf einer Prüfung wichtig sind. Nicht immer ist persönliches Versagen die Ursache. Auch private Sorgen können zum Beispiel eine Rolle spielen. Wenn du dir über die Gründe im Klaren bist, kannst du dafür sorgen, dass die nächsten Prüfungen besser laufen.

Vorbereitung schafft Sicherheit

Ein Porträt-Foto von Mandy Rusch

Mandy Rusch

Foto: Privat

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete! Wenn du den Prüfungsstoff verinnerlicht hast, gehst du automatisch beruhigter in die Prüfung. Ein Zeitplan mit festgelegten Lernphasen und Etappenzielen kann dir dabei helfen – gerade wenn mehrere Prüfungen in kurzer Zeit anstehen.

Besonders aufgeregt sind Studierende häufig vor mündlichen Prüfungen oder auch Referaten. Hier hilft es, die Situation vorher mehrmals durchzuspielen. Lass dich von Freunden abfragen oder trage dein Referat einem kleinen Publikum vor. So kannst du nicht nur den Inhalt, sondern auch deine Gestik und Stimmlage trainieren. Damit gewinnst du Selbstvertrauen und Sicherheit. Wenn es dann soweit ist, bringt dich so leicht nichts mehr aus dem Konzept.

Ruhephasen bewusst einplanen

Natürlich solltest du es mit dem Lernen auch nicht übertreiben und dich nicht unnötig hineinsteigern. In deinem Zeitplan sollten auch genügend Ruhe- und Erholungsphasen ihren Platz finden. Sich die Nächte um die Ohren zu schlagen und noch kurz vor der Prüfung zu lernen, ist schlecht für das Gedächtnis und stresst dich nur unnötig. Besser ist es, möglichst ausgeschlafen und erholt in die Prüfung zu gehen.

Wenn du mit innerer Unruhe zu kämpfen hast und von Schlaflosigkeit geplagt wirst, können Entspannungstechniken eine Lösung sein. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Tai Chi oder auch Yoga haben sich bei Anspannung und Angstzuständen schon häufig bewährt. Im Internet gibt es zu diesen Methoden zahlreiche Übungen, aber auch an Volkshochschulen und vielleicht auch an deiner Hochschule werden Kurse angeboten. Mit etwas Übung kannst du die Techniken leicht erlernen und sie jederzeit in Stresssituationen anwenden.

Eingewöhnung braucht Zeit

Du erwähnst, dass der Druck im Studium höher ist als du gedacht hast. Kann es sein, dass du zu hohe Erwartungen an dich selbst stellst? Denke daran, dass zwischen Studium und Schule größere Unterschiede bestehen, als man zunächst annehmen mag. An der Schule warst du noch in einem festen Klassenverband, kanntest deine Lehrer schon seit mehreren Jahren und wurdest auf jede Prüfung gezielt vorbereitet. An der Hochschule hast du zwar mehr Freiheiten, dafür wird aber auch deutlich mehr Eigeninitiative von dir erwartet. Du musst deinen Stundenplan selbst erstellen, Abgabefristen einhalten und dich eigenständig auf Prüfungen vorbereiten. Das ist am Anfang gar nicht so leicht. Dafür brauchst du ein gutes Zeitmanagement und auch eine Portion Organisationstalent. Mit der Zeit wirst du aber in diese Situation hineinwachsen und deinen Rhythmus finden.

Abhaken und nach vorne blicken

Häufig hört man, dass mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge der Leistungsdruck an den Hochschulen und Universitäten höher geworden ist. Pauschal lässt sich das aber nicht unbedingt sagen. Sicher haben sich die Prozesse geändert. Nun müssen nicht mehr nur überwiegend am Ende des Studiums Prüfungen abgeleistet werden, sondern nach jedem Semester. Für viele Studierende steht somit vor den Semesterferien jedes Mal ein regelrechter Marathon an. Das neue System hat aber auch Vorteile. Durch die kleineren, regelmäßigen Lerneinheiten hast du die Möglichkeit, dir eine gewisse Routine anzueignen und deine Lernprozesse im Laufe der Zeit zu optimieren. Dass es im ersten Semester noch nicht so gut geklappt hat, ist kein Weltuntergang. Du solltest damit abschließen und nach vorne blicken.

Prüfungsangst ernst nehmen

Vor einer Prüfung aufgeregt zu sein, ist völlig normal. Etwas Aufregung gehört dazu und ist sogar wichtig, denn das ausgeschüttete Adrenalin treibt uns zu Höchstleistungen an. Nervosität sorgt dafür, dass wir in der Prüfung motiviert und aufmerksam sind. Ohne eine gewisse Anspannung würden wir Prüfungssituationen zu leicht nehmen und wären weniger leistungsstark. Doch wenn die Angst überhand nimmt und dir schon alleine bei dem Gedanken an die nächste Klausur der Schweiß ausbricht, solltest du das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Spätestens wenn du Klausuren nicht mehr antrittst und Prüfungstermine verschiebst, solltest du Hilfe in Anspruch nehmen.

Gerade bei tiefsitzender Angst muss ergründet werden, woher sie kommt. Sind sie durch schlechte Erfahrungen entstanden? Oder spielen Zukunftsängste eine Rolle? An den Hochschulen und bei den Studentenwerken findest du professionelle Hilfe. Neben Einzelgesprächen werden häufig auch Gruppentherapien oder Selbsthilfegruppen angeboten, die einen Austausch unter Betroffenen ermöglichen. Auf alle Fälle sollte man sich nur an Experten mit Erfahrung auf diesem Gebiet wenden. Meist kann Prüfungsangst dann erfolgreich behoben werden.

Weitere Informationen

Psychologische Beratungen der Studentewerke

www.studentenwerke.de/de/node/1640

Berufspsychologischer Service der Bundesagentur für Arbeit

www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/BuergerinnenUndBuerger/-Arbeitslosigkeit/Gesundheit/BerufspsychologischerService/index.htm

Dein Masterplan – Abschluss statt Abschuss

Tipps, Trainings und anonyme Online-Beratung bei Problemen im Studium
www.dein-masterplan.de

abi>> 02.10.2015