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Studieren als Minderjähriger

Gruppe junger Menschen befindet sich auf Uni-Campus
Durch die verkürzte Gymnasialzeit kommt es häufiger vor, dass Abiturienten zum Studienstart noch nicht volljährig sind.
Foto: Verena Westernacher

abi» Coaching

Studieren als Minderjähriger

Noch nicht 18, aber bereits mitten im Studium: Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren im Wintersemester 2014/15 3.485 minderjährige Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben – Tendenz steigend. Doch ist ein Studium unter 18 überhaupt sinnvoll? Und worauf müssen junge Schulabsolventen achten, damit der Studienstart reibungslos gelingt?

Stephan:

Ich mache dieses Jahr mein Abitur und möchte im Anschluss gerne Wirtschaftswissenschaften studieren. Jedoch wäre ich im ersten Semester noch minderjährig. Kann ich mich mit 17 Jahren überhaupt für einen Studiengang einschreiben? Und was muss ich beachten, wenn ich ein Studium beginne, obwohl ich noch nicht volljährig bin?

Nicolai Preuße, Deutsches Studentenwerk

 Lieber Stephan,

durch die verkürzte Gymnasialzeit (G8) kommt es häufiger vor, dass Abiturienten zum Studienstart noch nicht volljährig sind. Grundsätzlich steht Minderjährigen der Weg an die Hochschule offen, vorausgesetzt die Eltern sind mit dem Studienstart einverstanden. Da du „beschränkt geschäftsfähig“ bist, brauchst du nämlich grundsätzlich für rechtliche Angelegenheiten die Einwilligung deiner Eltern. Das beginnt bereits mit der Immatrikulation, bei der deine Eltern zustimmen und unterschreiben müssen. Weiter geht es mit der Beantragung eines Bibliotheksausweises bis hin zur Prüfungsanmeldung. Doch keine Sorge – in der Regel stellen die Hochschulen eine sogenannte „Generalvollmacht“ aus. Das bedeutet, dass deine Eltern mit ihrer Unterschrift nicht nur der Immatrikulation zustimmen, sondern sich im Vorfeld auch mit verschiedenen Handlungen im Rahmen des Studiums einverstanden erklären, wie eben mit der Anmeldung zu Prüfungen.

In einigen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg ist selbst das nicht mehr nötig. Hier sieht das jeweilige Landeshochschulrecht vor, dass Minderjährige mit der Einschreibung direkt die Befugnis erlangen, sich selbst um alle verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten im Rahmen ihres Studiums zu kümmern.

Zapfenstreich um Mitternacht

Diese „Generalvollmacht“ erleichtert dir zwar das Leben auf dem Campus, ändert aber nichts daran, dass für dich das Jugendschutzgesetz gilt. Das bedeutet unter anderem, dass du Hochschulpartys um Mitternacht verlassen musst und hochprozentiger Alkohol tabu ist. Schließlich hebt die „Generalvollmacht“ der Hochschule weder das Minderjährigenrecht noch die beschränkte Geschäftsfähigkeit auf.

Das hat vor allem Auswirkungen auf das Studentenleben jenseits des Campus. So brauchst du für alle rechtlichen Angelegenheiten außerhalb der Hochschule – zum Beispiel den Mietvertrag deines WG-Zimmers – weiterhin die Unterschrift deiner Eltern. Und auch die Suche nach einem Nebenjob könnte sich nicht ganz leicht gestalten, da die Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes zu beachten sind.

Vorteil bei der Studienplatzvergabe

Ein positiver Aspekt hingegen ist die sogenannte Minderjährigenquote, die einige Hochschulen eingeführt haben. Das bedeutet, dass eine gewisse Anzahl der Studienplätze für minderjährige Studienbewerber vorgesehen ist – bei der Humboldt Universität Berlin liegt diese zum Beispiel bei fünf Prozent der Studienplätze. Vorausgesetzt wird dabei, dass die Studienbewerber bis zu ihrer Volljährigkeit noch bei den Eltern wohnen und sich der Wohnsitz im Umkreis des Studienortes befindet.

Studienabschluss mit Anfang zwanzig?

Insgesamt gelten jedoch dieselben Grundsätze und Regeln wie für alle anderen Studienanfänger auch. Mit einer guten Vorbereitung und der Unterstützung der Eltern ist der Studienstart als Minderjähriger auf jeden Fall gut zu meistern. Davon unabhängig solltest du im Vorfeld genau abwägen, ob du bereits so jung ein Studium beginnen möchtest. Die Studienentscheidung prägt dein künftiges Leben und daher solltest du genau wissen, was du möchtest und was dich erwartet. Falls du dir (noch) nicht sicher bist, könnte ein Praktikum, zum Beispiel in einem Wirtschaftsunternehmen, ein Freiwilligendienst oder ein Auslandsaufenthalt eine gute Möglichkeit sein, nach dem Abitur dem Lernstress erstmal zu entkommen und Erfahrungen zu sammeln.

Letztendlich musst du jedoch selbst entscheiden, welcher Weg für dich der richtige ist. Wenn du bereits genaue Studienvorstellungen hast und deine Eltern einverstanden sind, steht dir als 17-Jähriger der Studienstart genauso offen wie einem 19-, 25- oder 30-Jährigen.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „Finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland recherchieren.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebot und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Hochschulstart

Portal für die Bewerbung um bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge sowie örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge, die am Dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV) teilnehmen.
www.hochschulstart.de

Deutsches Studentenwerk

www.studentenwerke.de

 

abi>> 29.01.2016