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Studium nach der Ausbildung?

Studentin sitzt in einem Hörsaal
Wer über ein Studium nach der Ausbildung nachdenkt, sollte sich vorab gut über die verschiedenen Möglichkeiten informieren.
Foto: Axel Jusseit

abi>> Coaching

Studium nach der Ausbildung?

Wer eine Ausbildung abgeschlossen hat, steht vor einer weitreichenden Frage: Gleich ins Berufsleben einsteigen oder doch noch den Schritt an die Hochschule wagen? Wann ist ein Studium nach der Ausbildung sinnvoll und was sollte man dabei beachten?

Julia:

Nach meinem Abitur wollte ich erst einmal etwas Praktisches machen und habe mich daher für eine Ausbildung zur Industriekauffrau entschieden. Nun stehe ich kurz vor meinem Abschluss und überlege, ob ich doch noch ein Studium dranhängen sollte. Was bringt mir ein Studium für die berufliche Zukunft?

Silke Schneider, Agentur für Arbeit Bamberg:

Liebe Julia,

ein Studium bietet dir die Möglichkeit, dich persönlich weiterzuentwickeln, dein theoretisches Wissen aus der Ausbildung wissenschaftlich zu vertiefen und dir dabei noch jede Menge „Soft-Skills“ anzueignen, die für das Berufsleben immer wichtiger werden. Hast du das Studium erfolgreich abgeschlossen, steht dir in der Regel auch ein breiteres Berufsspektrum mit flexibleren Einsatzmöglichkeiten offen. Mittel- bis langfristig betrachtet verdienen Studienabsolventen zudem häufig besser als diejenigen ohne Studienabschluss.

Ziele im Blick behalten

Grundsätzlich spricht also vieles für ein Studium. Das bedeutet aber nicht, dass deine Zukunftsperspektiven ohne akademische Laufbahn automatisch weniger gut sind – auch mit entsprechender Berufserfahrung und betrieblichen Weiterqualifikationen kannst du die Karriereleiter hochklettern. Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) zeigt, dass ein Bachelorstudium Weiterbildungen wie Meister, Techniker oder Fachwirt gleichgestellt ist.

Die Entscheidung für oder gegen ein Studium solltest du aber nicht allein unter „Karriereaspekten“ treffen. Letztendlich solltest du deine Ziele im Blick behalten und dich fragen, ob dir ein Studium hilft, diese zu erreichen. Zum Beispiel, wenn du dich mit einem Studium persönlich weiterentwickeln willst, du darüber nachdenkst, im Anschluss den Master zu machen oder gar zu promovieren. Oder hast du vielleicht ein konkretes Berufsziel ins Auge gefasst, wofür ein Studium vorausgesetzt wird, zum Beispiel Lehrerin an einer Berufsschule oder Juristin?

Erfülle ich die Voraussetzungen?

Ein Porträt-Foto von Silke Schneider

Silke Schneider

Foto: privat

Dank deines Abiturs besitzt du die allgemeine Hochschulreife und kannst dich an allen Hochschulen einschreiben beziehungsweise bewerben. Unter bestimmten Voraussetzungen können übrigens auch Berufserfahrene ohne Abitur ein Studium aufnehmen. Je nachdem, für welchen Studiengang du dich entscheidest, solltest du klären, ob eine Zulassungsbeschränkung besteht oder eventuell bestimmte Eignungstests oder Fremdsprachenkenntnisse erforderlich sind. Auskunft darüber kann dir die jeweilige Fachstudienberatung geben.

Wichtig sind allerdings nicht nur die formalen, sondern auch deine persönlichen Voraussetzungen. Für ein erfolgreiches Studium benötigst du viel Motivation, Disziplin und Durchhaltevermögen. Ob du all das mitbringst, musst du selbst einschätzen. Meiner Erfahrung nach sind Studierende, die vorher eine Ausbildung absolviert haben, oft sehr zielstrebig. Eventuell musst du bereit sein, finanzielle Einbußen oder gar Kosten auf dich zu nehmen. Generell besteht aber für alle, die ein Erststudium aufnehmen möchten, Anspruch auf BAföG. Vielleicht kommst du auch für ein Stipendium, wie etwa das Aufstiegsstipendium infrage, das Fachkräfte mit Berufserfahrung unterstützt.

Welche Studienform passt zu mir?

Universität, Fachhochschule, duales Studium oder Fernuniversität? Vollzeit, Teilzeit oder berufsbegleitend? Welche Studienvariante für dich geeignet ist, hängt vor allem davon ab, wie du dein Studium gestalten möchtest. Möchtest du weiterhin im Betrieb tätig sein und kannst dir vorstellen, nach der Arbeit noch zu lernen? Oder möchtest du dich lieber voll und ganz auf das Studium konzentrieren? Entscheidest du dich für die berufsbegleitende Variante, solltest du unbedingt vorab mit deinem Arbeitgeber sprechen. Vielleicht lässt sich eine Teilzeitlösung vereinbaren. Bei einem Fernstudium gilt es zu bedenken, dass du ein hohes Maß an Eigeninitiative und Disziplin mitbringen musst. Auch die Kosten sind vergleichsweise hoch.

Vertiefen oder umorientieren?

Eine Entscheidung musst du auch treffen, wenn es um das Studienfach geht. Grundsätzlich ist es sinnvoll, wenn es in Zusammenhang mit der Ausbildung steht. Eine fachliche Vertiefung zu deiner Ausbildung würde etwa ein wirtschaftswissenschaftliches Fach wie BWL darstellen. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt empfiehlt es sich, an Spezialisierungsmöglichkeiten zu denken und entsprechende Schwerpunkte zu setzen. Möchtest du später in einem internationalen Unternehmen arbeiten, könntest du beispielsweise Internationale BWL in Erwägung ziehen. Ebenfalls sinnvoll kann eine Kombination mit anderen Fächern oder Fremdsprachen sein.

Ein Studium kann aber auch eine Möglichkeit sein, wenn man sich nach der Ausbildung umorientieren möchte. Wichtig ist in jedem Fall, sich im Vorfeld über die einzelnen Studienfächer schlau zu machen. Informationen findest du etwa im Berufsinformationszentrum oder bei der Berufs- und Studienberatung.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Deutscher Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen

Der DQR wurde entwickelt, um das deutsche Bildungssystem transparenter zu machen. Er ordnet die Qualifikationen der verschiedenen Bildungsbereiche acht Niveaus zu, die durch Lernergebnisse beschrieben werden.
www.dqr.de

Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung

Das Aufstiegsstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) fördert Fachkräfte mit Ausbildung und Berufserfahrung, die ein Erststudium aufnehmen möchten.
www.sbb-stipendien.de

abi>> 08.09.2016