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Auf Spurensuche zwischen Forschung und Therapie

Auf dem Foto ist ein Mikroskop in Großaufnahme zu sehen.
Wer sich für Wissenschaft und Forschung interessiert, kann sich für ein Freiwilliges Wissenschaftliches Jahr zwischen Schule und Studium bewerben.
Foto: Axel Jusseit

Freiwilliges Wissenschaftliches Jahr

Auf Spurensuche zwischen Forschung und Therapie

Bei einem Freiwilligen Wissen­schaftlichen Jahr (FWJ) können junge Leute ausprobieren, ob Forschen wirklich etwas für sie ist. Genau das macht Enrico Calvino Iglesias derzeit an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Der 19-Jährige arbeitet dabei unter anderem an einer wissenschaftlichen Studie über Schlaganfallpatienten mit.

Kaffeekochen? Fehlanzeige“, lacht Enrico Calvino Iglesias. Der FWJler untersucht stattdessen Gewebeproben mit auffälligen Befunden. „Hier in der Arbeitsgruppe Lungenforschung der Pathologie war ich von Anfang an fester Bestandteil des Teams von Professor Jonigk und darf in enger Zusammenarbeit mit Ärzten, Naturwissenschaftlern und dem Medizinisch-Technischen Personal interdisziplinäre Forschungsprojekte mitgestalten“, sagt der 19-Jährige.

Das Foto zeigt den FWJler in einem Labor der Medizinischen Hochschule Hannover.

Enrico Calvino Iglesias

Foto: privat

Seit September letzten Jahres steht er täglich im Labor der MHH und kann bereits mit beeindruckendem Fachwissen aufwarten: „Zur Konservierung wird das Gewebe zunächst in Formalin fixiert und in kleinen Paraffin-Kapseln eingebettet. Im Anschluss untersuchen wir dann ganz feine Schnitte aus dem Paraffinblock“, erläutert er. Ziel seiner Untersuchungen unter dem Mikroskop ist es, Faktoren aufzuspüren, die beim Ausbruch einer bindegewebsverändernden Krankheit eine Rolle spielen könnten.

Am Ende des Jahres wird sein Name auch als Co-Autor auf einer veröffentlichten Studie erscheinen. „Das ist schon was, das spornt einen an. Für die Studie werte ich am Computer die klinischen Daten von Schlaganfallpatienten aus.“

Großes Interesse an Naturwissenschaften

Enrico Calvino Iglesias hat sich schon immer sehr für biologisch-chemische Zusammenhänge interessiert. „Aus der Schule bringe ich einiges Vorwissen mit. Das wird aber eigentlich nicht verlangt. Man wird in unserer Arbeitsgruppe sehr gut angeleitet“, sagt er, merkt aber an, dass er die Theorie oft abends noch mal nachliest. „Wenn man engagiert ist und sich für die Sache interessiert, ist das doch klar“, kommentiert er.

Die wichtigsten anatomischen und physiologischen Fachbücher hat er sich deshalb bereits zugelegt. Und auch alles, was er aus der Praxis mitnehmen kann, saugt er für seine Zukunft auf. „Nach dem Abi war mir nicht klar, ob ich Biomedizin oder Humanmedizin studieren möchte. Das FWJ hat mir Klarheit gebracht. Ich weiß jetzt, dass ich Arzt werden möchte, wenn’s mit einem Studienplatz klappt“, sagt er und erläutert, dass ihm sonst der Kontakt zum Patienten auf Dauer fehlen würde.

Wertvolle Erfahrungen fürs spätere Studium

Für sein Studium würde Enrico Calvino Iglesias am liebsten in Hannover bleiben. Derzeit wohnt er bei seinen Eltern in Hameln und pendelt. Die 400 Euro Aufwandsentschädigung, die er im FWJ bekommt, sind für ihn viel Geld. „Für mich reicht’s. Außerdem mache ich das ja nicht, um Geld zu verdienen, sondern um Erfahrung zu sammeln“, betont er.

Neben dem praktischen Einblick ins wissenschaftliche Arbeiten bekommt Enrico Calvino Iglesias auch soziale Kompetenz, politische Bildung, Präsentationstechniken und andere Softskills mit auf den Weg. Fünf Seminare und eine engagierte pädagogische Begleitung gehören an der MHH zum Freiwilligen Jahr dazu. „Wir treffen uns dazu immer blockweise für eine Woche. Das ist eine Supersache, da so etwas wie ein Klassenzusammenhalt entsteht“, sagt er und erklärt, dass es fast 100 FWJler an der MHH gibt.

Angebot noch nicht in allen Bundesländern

Die MHH in Niedersachsen hat das Freiwillige Wissenschaftliche Jahr 2011 auf Projektbasis ins Leben gerufen. Weitere Institutionen in Niedersachsen wie die Uni Oldenburg sind der Hochschule gefolgt. Ein ähnliches Angebot ist das Freiwillige Soziale Jahr in der Wissenschaft in Hamburg oder das Freiwillige Soziale Jahr in Wissenschaft, Technik und Nachhaltigkeit (FJN) des Vereins Internationale Jugendgemeinschaftsdienste.

Wie für alle Jugendfreiwilligendienste gilt: Es dauert in der Regel zwölf Monate, richtet sich an junge Leute, die die Vollzeitschulpflicht erfüllt und noch nicht das 27. Lebensjahr vollendet haben. Alle Teilnehmer sind sozialversichert und haben Anspruch auf 24 bis 26 Tage Urlaub. Die Arbeit erfolgt in Vollzeit.

Vier Bewerber aus 80

Enrico Calvino Iglesias steht 38,5 Stunden pro Woche meistens im Labor. Genau so hat er sich seinen Einsatz vorgestellt. „Ich bin total zufrieden. Das FWJ an der MHH kann ich wirklich jedem empfehlen, der sich für Naturwissenschaften interessiert oder noch keine Klarheit über sein Studienfach hat“, sagt er.

Die Bewerbungsfrist für das nächste FWJ 2018/2019 ist allerdings schon abgelaufen. Los geht’s erst wieder im Frühjahr. Aber Achtung: Die Plätze sind heiß begehrt. „Es gab fast 80 Bewerber auf die Stellen hier in der Pathologie, vier wurden schließlich genommen“, sagt der Nachwuchswissenschaftler. Er ist froh, dass er den Marathon aus Online-Bewerbung und Vorstellungsgespräch im letzten Jahr für sich entscheiden konnte.

abi>> 22.06.2018