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„Velkommen“ auf der Insel Tysnes

Blick auf einen See in Norwegen.
Die nordischen Länder locken viele Schulabgänger mit ihrer traumhaften Natur.
Foto: Julia Grimminger

Jobben im Ausland – Norwegen

„Velkommen“ auf der Insel Tysnes

Nach dem Abitur arbeitete Julia Reuter ein Jahr auf der Rinderfarm ihrer Gastfamilie in Norwegen mit. Dass die Familie auch ein Fitnessstudio betreibt, stellte sich für die 20-Jährige als wegweisend heraus.

Steckbrief

Name: Julia Reuter
Alter: 20
Abitur: 2015
Wohnort: Waldtann bei Crailsheim
Macht gerade? Duales Studium Gesundheitsmanagement
Und später? Gruppentrainerin in Norwegen

Als das Abitur nahte, hatte Julia Reuter eine Idee für ihre berufliche Zukunft, doch sie zögerte: „Ich hatte Sport als Leistungskurs und wollte gerne selbst Gruppentraining geben, doch dafür war ich damals viel zu schüchtern“, erinnert sich die 20-Jährige zurück. Weil sich auch keine Alternative für ein Studium oder eine Ausbildung abzeichnete, entschied sie sich, nach dem Schulabschluss für ein Jahr ins Ausland zu gehen.

„Ursprünglich hatte ich an ein Freiwilliges Soziales Jahr in Schweden gedacht, es fand sich aber nichts Passendes. Daher wendete ich mich an eine Organisation, die unterschiedliche Auslandsaufenthalte vermittelt und stieß auf das Angebot mit Farmarbeit in Norwegen, das fand ich auch spannend.“ Für die Unterstützung durch die Organisation investierte die Schülerin eine Gebühr in Höhe von 250 Euro. „So wurde auch alles Nötige geregelt. Es war mir wichtig, einen festen Platz zum Arbeiten zu haben. Bei einem Work & Travel unterwegs nach Jobs zu schauen, wäre nichts für mich gewesen.“

Eine verheißungsvolle E-Mail

Ein Porträt-Foto von Julia Reuter

Julia Reuter

Foto: privat

Für ihre Jobsuche konnte Julia Reuter ein Portal des Anbieters nutzen. „In einem Bewerbungsschreiben auf Englisch habe ich mich dort vorgestellt. Die interessierten Gastfamilien hatten darauf Zugriff und konnten mich dann kontaktieren.“ Eine E-Mail ließ das Herz der Schülerin höher schlagen: „Die Familie hatte zwar Arbeit auf ihrer Rinderfarm angeboten, schrieb mir aber, dass noch andere Aufgaben hinzukämen. Und sie hatten auch ein Fitnessstudio, in dem ich mithelfen könnte.“ Es passte perfekt zu ihren sportlichen Ambitionen.

Sie bekam den Job, los ging es aber erst im Oktober – aus gutem Grund: „Ich habe nach dem Abi noch Praktika bei einer Bank und bei einer Versicherung gemacht, um noch einige Berufe kennenzulernen. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass ich etwas anderes tun möchte, als am Schreibtisch zu arbeiten.“

Mit einem etwas mulmigen Gefühl flog die damals 18-Jährige nach Bergen. Dort wurde sie abgeholt, denn die Rinderfarm liegt weiter südlich auf der Insel Tysnes. „Es war schon komisch, in ein fremdes Land zu kommen und die Sprache nicht zu beherrschen. Doch ich wurde ganz herzlich in Empfang genommen und fühlte mich gut aufgehoben“, erzählt sie.

Einkaufszettel auf Norwegisch

Die Arbeitstage waren vielfältig. „Ich habe auf der Farm geholfen, die Kinder morgens für den Kindergarten vorbereitet und mittags für sie gekocht“, berichtet Julia Reuter. „Abends bin ich oft zum Fitnessstudio der Eltern gefahren, durfte trainieren und habe dann dort aufgeräumt.“

Als sie von ihren Plänen berichtete, später vielleicht selbst solche Kurse geben zu wollen, wurde sie im Fitnessstudio stärker miteinbezogen. Spielerisch lernte sie auch etwas Norwegisch, beim Vorlesen von Kinderbüchern oder wenn die Eltern sie mit Einkaufszetteln in der Landessprache ins Geschäft schickten. Kulturell sei Vieles wie in Deutschland gewesen, nur eins war völlig anders: das Bezahlen. „Bargeld wird in Norwegen kaum noch verwendet. Ich hätte eine Kreditkarte mitnehmen sollen“, sagt sie schmunzelnd. „Doch da Unterkunft und Verpflegung frei waren, brauchte ich kaum Geld.“

An Selbstvertrauen gewonnen

Die Formalitäten für die Reise waren unkompliziert. „Nach meiner Ankunft in Bergen musste ich zum Einwohnermeldeamt gehen und meinen Arbeitsvertrag mitbringen. Auch meine Gastfamilie musste unterschreiben. Das war nach wenigen Minuten erledigt.“ Vorsorglich hatte sie eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, die sich letztlich auch als nützlich erwies: „Ich habe mich einmal am Knie verletzt, konnte zum Arzt gehen und die Kosten erstatten lassen.“

Nun ist Julia Reuter wieder zurückgekehrt und hat viel gewonnen – auch an Selbstvertrauen. „Ich habe nun das duale Bachelorstudium Gesundheitsmanagement an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement begonnen und gebe in einem Gesundheitszentrum Kurse.“ Nach dem Abschluss möchte sie für ein Jahr zurück nach Tysnes. „Dann kann ich in dem Fitnessstudio der Familie arbeiten und Berufserfahrung sammeln.“

abi>> 18.07.2017