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Acker pflügen in Kanada

Der Landmaschinenführer pflügt mit seinem Traktor ein Feld.
Ob man für ein agrarwissenschaftliches Studium geeignet ist, zeigt sich am besten in einem Praktikum.
Foto: Verena Westernacher

Vorpraktikum

Acker pflügen in Kanada

Ackerland bis zum Horizont: Wie es ist, mit einem schweren Schlepper endlose Flächen zu bearbeiten, weiß Valentin Scheu (20). Da sein Studiengang Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim ein Vorpraktikum voraussetzte, reiste er ins kanadische Manitoba und arbeitete auf einer Farm mit.

Wer wie Valentin Scheu an der Universität Hohenheim ein agrarwissenschaftliches Studium aufnehmen will, muss bei der Einschreibung ein achtwöchiges Praktikum nachweisen können. Nach dem Abitur wollte der 20-Jährige jedoch erst einmal ins Ausland gehen – am liebsten nach Kanada. Land und Leute hatten ihn schon während eines Schüleraustauschs fasziniert. „Es lag für mich auf der Hand, beides miteinander zu verknüpfen“, erklärt er.

Sechs Monate vor den Abiturprüfungen begann er mit der Planung: „Wenn man ins Ausland will, kann man entweder eine Organisation bezahlen, die sich um Praktikumsstelle, Visum, Versicherungen und so weiter kümmert, oder man macht das selbst.“ Valentin Scheu hat sein Vorpraktikum selbst in die Hand genommen und über das „top-agrar“-Portal nach Stellen gesucht. „Angebote gab es viele. Aber ich wollte auf einen Ackerbaubetrieb und das Praktikum musste genau die Zeit von April bis September abdecken. Das hat die Auswahl eingeschränkt“, erzählt er. Da in Rheinland-Pfalz die Abiturienten bereits im März mit den Abiturprüfungen durch sind, hatte er vor dem Start ins Wintersemester fast ein halbes Jahr Zeit.

Anbau von Sommerweizen und Sojabohnen

Ein Porträt-Foto von Valentin Scheu

Valentin Scheu

Foto: Privat

Fündig wurde Valentin Scheu in Manitoba, auf einer Farm südlich von Winnipeg. „Ein deutscher Landwirt, der vor Jahren ausgewandert ist, bewirtschaftet dort 1.500 Hektar Land und baut hauptsächlich Sommerweizen und Sojabohnen an. Allein schon die Betriebsgröße ist mit den europäischen nicht zu vergleichen. Produziert wird für den Weltmarkt, Subventionen wie in Europa gibt es keine, dafür auch weniger Richtlinien und Umweltauflagen“, erzählt der 20-Jährige.

Dass die Universität das Vorpraktikum auf dem kanadischen Betrieb anerkennt, hat er vorab mit dem Praktikantenamt geklärt. Komplizierter war es, an ein Visum zu kommen, das es ihm erlaubt, in Kanada zu arbeiten: „Über ein mehrstufiges Verfahren habe ich ein Work and Travel-Visum erhalten, aber das war keine Selbstverständlichkeit und hat zudem viel Zeit in Anspruch genommen.“

Erfahrungen im Umgang mit Maschinen

Auf der Farm arbeiten jedes Jahr Praktikanten, die bei der Bestellung der riesigen Flächen, der Maschinenwartung und der Ernte anpacken. Verpflegung und Unterkunft werden gestellt, zudem gib es ein monatliches Gehalt. Dass Erfahrungen im Umgang mit Maschinen erwünscht sind, ist mehr eine Notwendigkeit. Wer mit einem Quad Drainagen auf den Feldern zieht, einen Wassertruck fährt oder mit einem 375 PS starken Raupenschlepper plus Egge einen Boden bearbeitet, sollte schon Mal größere Maschinen gefahren haben. Für Valentin, der einem landwirtschaftlichen Betrieb entstammt, kein Problem.

Für das Vorpraktikum müssen die Studierenden einen Praktikumsbericht führen, in dem sie jeden Tag beschreiben, was sie in den acht Wochen machen. „Ich habe das auf die gesamten fünfeinhalb Monate ausgeweitet. Schließlich war das ja auch für mich interessant“, erzählt Valentin Scheu.

Mittlerweile hat er das erste Semester abgeschlossen: „Im Grundstudium hilft einem die Praxiserfahrung wenig. Da geht es mehr um die Grundlagen in Naturwissenschaften, Botanik und Zoologie. Aber in den höheren Semestern, wenn es fachspezifischer wird, kommen die Erfahrungen sicherlich zum Tragen“, sagt er.

abi>> 29.02.2016