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„Freiwilligendienste hoch im Kurs“

Küste Neuseelands
Zu einem regelrechten "Renner" hat sich Work and Travel entwickelt. Beliebte Reiseziele sind zum Beispiel Neuseeland und Australien.
Foto: Claudia Costanza

Interview

„Freiwilligendienste hoch im Kurs“

Was spricht für eine Auszeit? Wann muss ich mit der Planung beginnen? Und wie finde ich heraus, welche Variante für mich geeignet ist? Antworten auf diese Fragen hat Jens Homberg, Berufsberater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven.

abi>> Herr Homberg, warum entscheiden sich Abiturienten für eine Auszeit?

Jens Homberg: Die Gründe sind vielfältig: Abstand vom Schulstress gewinnen, Erweiterung des persönlichen Erfahrungshorizontes, erstes Geld verdienen oder auch der Wunsch nach sozialem Engagement sind nur einige der häufig genannten Gründe. Besonders Abiturienten, die ihren Abschluss nach zwölf Jahren erworben haben, konnten sich aufgrund des Leistungsdrucks in der Schule oft noch nicht ausreichend mit ihrer Berufswahl befassen. Nicht ganz so freiwillig ist das Nehmen einer Auszeit, wenn für ein zulassungsbeschränktes Studium erst Wartesemester zu sammeln sind.

abi>> Inwiefern können junge Menschen von einer Auszeit profitieren?

Ein Porträt-Foto von Jens Homberg

Jens Homberg

Foto: Privat

Jens Homberg: Eine produktiv genutzte Auszeit kann neben den bereits genannten Gründen auch Gewissheit darüber liefern, ob man sich in bestimmten Berufsfeldern wohlfühlt. Ein gutes Beispiel ist ein sozialer Dienst vor der Aufnahme eines entsprechenden Studiums oder einer Ausbildung. Auslandsaufenthalte in Verbindung mit Sprachkursen können die Chancen auf ein fremdsprachlich ausgerichtetes Studium verbessern. Wenn für die Zulassung eines Studiums ein Vorpraktikum nachzuweisen ist, bietet sich auch diese Möglichkeit zur Überbrückung an.

abi>> Welche Überbrückungsmöglichkeiten sind derzeit besonders beliebt?

Jens Homberg: Hoch im Kurs stehen freiwillige Dienste im In- und Ausland. Oft in sozialen Einrichtungen, aber auch in der Kulturarbeit, in der Denkmalpflege, im Sport oder in der Politik. Auch der freiwillige Wehrdienst bei der Bundeswehr wird nicht nur von Schulabsolventen genutzt, die eine Laufbahn bei der Bundeswehr in Betracht ziehen. Hier lockt auch die recht gute Bezahlung. Zu einem regelrechten „Renner“ hat sich „Work & Travel“ entwickelt, da man mit dem sogenannten „Working Holiday-Visum“ in den besonders beliebten Ländern Kanada, Australien und Neuseeland arbeiten und reisen verbinden kann. Ein „Klassiker“ ist auch weiterhin der Au-pair-Aufenthalt in einem anderen Land. Gerne wird auch gejobbt, um zum Beispiel Geld für die spätere Studienfinanzierung zu verdienen.

abi>> Wie findet man heraus, welche Variante am besten geeignet ist?

Jens Homberg: Viele der Möglichkeiten sind mit besonderen Anforderungen verbunden. Wer schnell Heimweh bekommt, sollte sich gut überlegen, ob mehrere Monate in einem Entwicklungsland die richtige Entscheidung sind. Bei einem Freiwilligendienst sollten die Anforderungen an die psychische und physische Belastbarkeit bedacht werden. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen sollten nicht außer Acht gelassen werden. Erfahrungsberichte auf den Seiten von Anbietern und in einschlägigen Foren können hilfreich sein.

abi>> Wann sollte mit der Planung begonnen werden?

Jens Homberg: Als Faustregel hat sich bewährt, ein Jahr vor der geplanten Überbrückung mit den Recherchen zu beginnen. Dann läuft man nicht Gefahr, frühe Bewerbungsfristen zu verpassen. Ein Termin bei der Berufsberatung der Agenturen für Arbeit kann gerade am Anfang helfen, sich einen Überblick zu verschaffen.

abi>> Kann man einen Auslandsaufenthalt alleine planen oder sollte man besser eine Agentur damit beauftragen?

Jens Homberg: Eine Agentur kann einem Formalitäten abnehmen oder bestimmte Aktivitäten anbahnen. Man sollte jedoch sehr kritisch darauf achten, welche Leistungen zu welchen Preisen geboten werden. Manchmal steht für einen Anbieter der Profit an erster Stelle.

abi>> Welche Überbrückungsmöglichkeiten sind auch noch kurzfristig möglich?

Jens Homberg: Kurzfristig angeboten werden manchmal Plätze in einem FSJ oder im BFD, wenn zum Beispiel Bewerber aufgrund einer Studienzulassung doch wieder abspringen. Man sollte jedoch nicht davon ausgehen, dass sich attraktive Überbrückungsmöglichkeiten immer kurzfristig aus dem Hut zaubern lassen.

abi>> 11.09.2015