Ab ins Ausland

Kambodscha
Neue Erfahrungen fernab der Heimat machen: Freiwilligendienste sind in vielen Ländern der Erde möglich.
Foto: Antonia Möller

Auszeit im Ausland – Hintergrund

Ab ins Ausland

Spanischlernen in Playa Tamarindo, Pferde striegeln in Irland, Kinder betreuen in London oder in einer Suppenküche in Chicago helfen: Die Anzahl an Programmen und Optionen, ins Ausland zu gehen, ist groß. Doch wie findet man das richtige Programm?

Auch Rebecca Zöller wollte nach dem Abitur ins Ausland, aber nicht einfach nur reisen, sondern dabei auch etwas Sinnvolles tun: „Das klingt ein bisschen nach ‚Welt verbessern‘, aber ich denke, diesen Wunsch haben viele“, meint die 19-Jährige. Deshalb entschied sie sich für einen Freiwilligendienst auf den Philippinen und arbeitete zwölf Monate in zwei Heimen für Straßenkinder.

Ein Porträt-Foto von Rebecca Zöller

Rebecca Zöller

Foto: privat

Sie packte dort mit an, wo jede helfende Hand gebraucht wurde: Sie kochte, half auf den Reisfeldern, die zum Heim gehören, strich Wände oder spielte mit den Kindern. „Am Anfang hat man große Projekte im Kopf“, sagt sie. „Ich habe schnell begriffen, dass ich keine weltbewegenden Veränderungen anstoßen werde, dennoch ist ganz viel passiert.“ Es waren die kleinen Dinge und Gesten, mit denen sie sich der Kultur und den Menschen genähert hat: „Ich wurde aufgenommen, habe die Sprache gelernt und begriffen, dass dort vieles einfach anders funktioniert als bei uns.“ Erfahrungen, an denen sie gewachsen ist, wie sie heute weiß.

Das richtige Projekt finden

Ein Porträt-Foto von Clemens Wetzel

Clemens Wetzel

Foto: privat

Ermöglicht wurde ihr der Freiwilligendienst über den Verein Soziale Dienste International (SDI) mit Sitz in Duisburg. Im SDI organisieren Ehrenamtliche staatlich anerkannte Freiwilligendienste. Einer von ihnen ist Clemens Wetzel: „Die Teilnahme ist für jeden im Alter zwischen 18 und 27 Jahren möglich“, erklärt er. Passende Projekte und Aufgaben für die Schulabgänger zu finden, die noch keine berufliche Ausbildung mitbringen, sei gar nicht so leicht. „Nicht immer sind die Hilfsprojekte in den Anzeigen treffend beschrieben. Man sollte daher persönlich von jemanden betreut werden, der vor Ort war und die Verhältnisse kennt“, betont er.

Für Clemens Wetzel ist dies nur einer der Gründe, warum Jugendliche einen Freiwilligendienst mit einer staatlich anerkannten Organisation planen sollten: „Wir bieten eine ausführliche Vorbereitung, persönliche Ansprechpartner für die organisatorische und pädagogische Betreuung, ein professionelles Notfallmanagement, vollumfänglichen Versicherungsschutz, klare Verhaltensregeln und Richtlinien sowie eine umfassende Aufarbeitung der Erlebnisse in der Nachbereitung“, zählt der Experte auf. „Zudem haben Freiwillige im Rahmen eines anerkannten Programmes einen Rechtsstatus, was mit Blick auf die Krankenkasse, das Kindergeld und eine Anerkennung als Praktikum – etwa für ein Studium – wichtig ist.“

Engagement auch nach dem Aufenthalt

Rebecca Zöllers Aufenthalt auf den Philippinen war ein sogenannter Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD), der vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. „Der Zuschuss deckt aber nur einen Teil der Kosten“, betont Clemens Wetzel. Beim SDI übernehmen die Freiwilligen einen Sozialbeitrag, weitere Kosten trägt der Verein. Rebecca Zöller bezahlte 1.600 Euro. Der Betrag deckte Unterkunft, Verpflegung, Versicherungen sowie alle Reisekosten ab. Vom SDI bekam sie ein monatliches Taschengeld von 110 Euro.

Wer den Sozialbeitrag nicht aufbringen kann, hat die Möglichkeit, sich beim SDI um ein Stipendium zu bewerben. Andere Organisationen setzen statt des Sozialbeitrages auf Spenden, die die Freiwilligen selbst einsammeln müssen. Rebecca Zöller studiert mittlerweile Journalistik und engagiert sich ehrenamtlich beim SDI – „um etwas zurückzugeben“.

Was willst du erreichen?

Ein Porträt-Foto von Heidi Schneider

Heidi Schneider

Foto: privat

Freiwilligendienst, Au-pair, Sprachreise, Work & Travel oder Praktikum – für welche Option man sich entscheidet, hängt ganz von der Zielsetzung ab: „Wer Sprachkenntnisse vertiefen, interkulturelle Kompetenzen erweitern und vielleicht auch ein Sprachzertifikat erwerben will, für den ist eine Sprachreise sinnvoll“, erklärt Heidi Schneider, Beraterin der Agentur für Arbeit Traunstein. Sprachreisen kosten Geld, wobei einige Anbieter auch Stipendien vergeben. (Weitere Tipps erhältst du im Infotext „Sprachreisen im Ausland“.) „Als Au-pair hingegen ist man in eine Familie integriert, bindet sich dafür aber auch an den Tagesablauf und an den Wohnort der Familie. (Mehr Infos findest du im Text „Als Au-pair ins Ausland“.) Dafür bekommt man ein Taschengeld, Unterkunft und Verpflegung. Wer lieber unabhängig ein Land bereisen und auch Geld verdienen möchte, ist mit Work & Travel gut beraten“, empfiehlt die Beraterin. (Siehe auch die Reportage „Work & Travel in Kanada“.)

Während man mit Hilfsjobs je nach Land gutes Geld verdienen kann, stehen bei Praktika erste berufliche Erfahrungen im Vordergrund. Da Abiturienten in der Regel keine Vorkenntnisse mitbringen, ist es gar nicht so einfach, Stellen zu finden. Informationen und konkrete Angebote gibt es bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, die Praktika sowie Saison- und Sommerjobs im Ausland vermittelt, zum Beispiel auf Kreuzfahrtschiffen, in Hotels oder in Freizeitparks.

Wer sich für längere Zeit ins Ausland gewagt hat, profitiert davon auch im Nachhinein, weiß Heidi Schneider: „Arbeitgeber schätzen es, wenn jemand im Ausland war. Diese Zeit lässt junge Menschen reifen und selbständiger werden.“

Frühzeitig mit der Planung beginnen

Für welche Möglichkeit man sich auch entscheidet, wichtig ist in jedem Fall, sich frühzeitig zu informieren und die jeweiligen Anforderungen und Voraussetzungen zu prüfen. Auch sollte man sich erkundigen, unter welchen Voraussetzungen weiterhin Kindergeld gezahlt wird und welche Versicherungen abgedeckt sind.

Damit aus dem Auslandsjahr nicht unfreiwillig ein zweites „Überbrückungsjahr“ wird, sollte man darauf achten, dass man die Zeit nach dem Auslandsaufenthalt nicht aus den Augen verliert: „Man kann sich heute von überall aus der Welt online bei Hochschulen bewerben oder Bewerbungen vorbereiten und die Familie bitten, diese fristgerecht abzusenden“, empfiehlt die Expertin.

Weitere Informationen

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung

Hier gibt es Informationen rund um Ausbildung, Studium, Praktikum und Arbeiten im Ausland.
www.ba-auslandsvermittlung.de

Rausvonzuhaus

Die Seite bietet neutrale Informationen zu Auslandsaufenthalten.
www.rausvonzuhaus.de

weltwärts

Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst wurde durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ins Leben gerufen.
www.weltwaerts.de

Kulturweit

Der internationale Kulturfreiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich in der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zu engagieren.
www.kulturweit.de

Au-Pair Society e.V.

Der Au-Pair Society e.V. ist der Bundesverband für Au-pair Agenturen, Gastfamilien und Au-pairs in Deutschland.
www.au-pair-society.org

Gütegemeinschaft Au-pair

Zusammenschluss deutscher Au-pair-Agenturen, die gemeinsame Qualitätsstandards entwickelt haben
www.guetegemeinschaft-aupair.de

Europäischer Freiwilligendienst Jugend für Europa

Die offizielle Seite zum Europäischen Freiwilligendienst
www.go4europe.de

European Youth Portal 

https://europa.eu/youth/volunteering/organisations_de

 

Work & Travel in Kanada

Unterwegs im Land der Bären

Der Blick über Vancouver bei Nacht, die Gastfreundschaft der Kanadier und die kurze Begegnung mit einem Bären: Steven Dümmler (24) genießt sein Work & Travel in Kanada in vollen Zügen. Zum Glück hat er noch ein paar Monate vor sich, bevor es wieder in die Heimat geht.

Steven Dümmler hat erst eine Ausbildung zum Erzieher absolviert, bevor er sein Abitur an einem Berufskolleg in Lemgo gemacht hat. Im Anschluss wollte er sich mit einem Jahr Work & Travel in Kanada belohnen. Denn die Nationalparks, die weiten Seen und großen Metropolen wie Montreal, Vancouver oder Toronto haben es ihm angetan.

Die Organisation für seinen Aufenthalt fand der 24-Jährige unkompliziert. „Man braucht ein Work & Holiday Visum (WHV), das man online beantragen kann“, erklärt er. Für das kanadische Visum musste er ein polizeiliches Führungszeugnis, einen gültigen Reisepass und am Tag der Abreise den Nachweis vorlegen, dass er mindestens 1.800 Euro auf einem Konto hat. Dadurch soll gewährleistet werden, dass jeder, der einreist, sich nach maximal einem Jahr ein Rückreiseticket kaufen kann.

Auswahl per Losverfahren

Ein Porträt-Foto von Steven Dümmler

Steven Dümmler

Foto: privat

„Auf der Homepage der kanadischen Regierung ist alles Schritt für Schritt erklärt“, erinnert sich Steven Dümmler. Das kanadische WHV wird für jeden nur einmal im Leben ausgestellt, daher entschied er sich für die maximale Dauer von einem Jahr. Das Kontingent ist jedoch beschränkt, die Nachfrage hoch. „Das ist ein wenig wie Lotterie: Der Antrag kommt in einen Bewerberpool und dann werden die Plätze verlost. Manchmal geht es sehr schnell mit dem Visum, aber eben nicht immer.“ Drei bis fünf Monate vor Abreise sollte man sich um das Visum kümmern.

Geplant hat der junge Mann seine Reise über eine Organisation: „So habe ich im Notfall einen Ansprechpartner vor Ort und konnte auch ein passendes Versicherungspaket buchen.“

Gastfreundschaft wird großgeschrieben

Seinen Aufenthalt startete Steven Dümmler in Vancouver an der Westküste Kanadas. Eingelebt hat er sich sehr schnell: „Die Kanadier sind sehr herzlich und hilfsbereit, Gastfreundschaft wird großgeschrieben“, erzählt er. Zudem begegnete er anderen Deutschen, die ebenfalls ihren Work & Travel Aufenthalt in Vancouver begannen. „Durch die Jobs lernt man aber auch Menschen aus aller Welt kennen.“

Um die Zeit möglichst effektiv zu nutzen, ist es gut, sich vorab Gedanken zu machen, was man als erstes machen möchte: Sightseeing oder Arbeiten. Der 24-Jährige erkundete erst einmal Vancouver, bevor er sich seinen ersten Job suchte. „Zu meinen Lieblingsorten zählt auf jeden Fall der Grouse Mountain. Der Weg dahin ist anstrengend, aber der Ausblick einfach nur wunderschön“, schwärmt er.

Bevor er seinen ersten Job annahm, musste er eine Steuernummer beantragen und ein Konto eröffnen. Arbeit zu finden, sei relativ einfach: „Vieles geht über Jobportale, aber zahlreiche Läden hängen auch Schilder mit Anzeigen aus.“ Die meisten Jobs sind Aushilfstätigkeiten, etwa Servicekraft in einem Restaurant, Shop oder Büro: „Viele gehen auch in die Skigebiete und arbeiten dort im Service oder helfen auf einer Farm mit“, berichtet der junge Mann. Er selbst hat bis vor kurzem in einem Restaurant als Bedienung gearbeitet.

Und Steuern? „Wenn man in Kanada arbeitet, muss man wie jeder andere auch Steuern zahlen. Die liegen mit dem WHV aktuell bei etwa 20 Prozent des Einkommens. Einen Teil kann man sich aber über eine Steuererklärung zurückholen“, hat er sich informiert.

Von Ort zu Ort

Untergekommen ist Steven Dümmler auf seinen Reisen meist in Hostels oder bei Gastfamilien. „Über homestaybay.com findet man Familien, die eine Unterkunft zu vermieten haben. Das ist günstig und man bekommt einen Einblick in das Familienleben.“

Highlights hat er schon viele erlebt, etwa als er wilde Bären beim Lachsfangen beobachten konnte. Schade findet er es hingegen immer, wenn er Abschied nehmen muss: „Ich unternehme meist wochenlang etwas zusammen mit anderen Travelern und dann trennen sich die Wege wieder“, erzählt er.

Noch ist seine Reise nicht vorbei: Bis August 2018 wird Steven Dümmler noch durch Kanada reisen. Momentan befindet er sich auf dem Weg nach Toronto.

Working Holiday Visa

Work & Travel ist in allen Ländern möglich, in denen es ein Working Holiday Visum (WHV) gibt. Dazu gehören derzeit neben Kanada auch Australien, Neuseeland, Japan, Südkorea, Taiwan, Singapur, Hongkong, Israel, Chile und Argentinien. Darüber hinaus kann man innerhalb der Europäischen Union ohne Visum in allen Ländern Jobben und Reisen.

 

Freiwilligendienst in Indien

„Mal eben“ helfen?

Zwölf Monate Indien: Mathilde Süß (20) spielte und sang mit Kindern aus schwierigen Verhältnissen, nähte und bastelte mit Frauen in ihrem Alter, bewegte sich mit Rikschas durch eine Millionenstadt und lernte die lokale Sprache Gujarati. Ihr Fazit: „Am Ende lernt man genau so viel Neues über sich wie über Land und Leute.“

Ahmedabad ist die größte Stadt im westindischen Bundesstaat Gujarat. Etwa sechs Millionen Menschen schlängeln sich hier tagtäglich geräuschvoll mit Rollern, Rikschas, Autos oder zu Fuß durch die quirligen Straßen. In Ahmedabad ist so ziemlich alles anders als in Dresden, wo Mathilde Süß aufgewachsen ist: die vielen Menschen, die Farben und Gerüche, die Geräusche, der Unterschied zwischen arm und reich.

Fast zwölf Monate lang unterstützte Mathilde Süß dort die Organisation Manav Sadhna – eine indische Nichtregierungsorganisation, deren Mitglieder nach Mahatma Gandhis Wertvorstellungen leben und diese auch weitergeben: Gewaltlosigkeit, Wertschätzung, Empathie, Frieden. „Die Organisation unterstützt Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich in schwierigen Situationen befinden, mit Hilfszentren vor Ort. Dort wird etwa Mathe und Englisch unterrichtet, Kinder können spielen, es gibt aber auch Computer- und Nähkurse für Frauen“, erzählt die 20-Jährige.

Große Auswahl an Projekten

Ein Porträt-Foto von Mathilde Süß

Mathilde Süß

Foto: Jayshree Joshi

Schon vor ihrem Abi stand für Mathilde Süß fest, dass sie ins Ausland gehen wollte – andere Kulturen kennenlernen, etwas von der Welt sehen. Bei den ersten Recherchen im Internet wurde ihr klar, dass es bei der Fülle an Projekten nicht leicht werden würde, etwas Passendes zu finden. Also wandte sie sich an den Verein für internationalen und interkulturellen Austausch (VIA e.V.). Die Organisation fand sie auf der Internetseite des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes „weltwärts“, der durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ins Leben gerufen wurde.

Ihrer Bewerbung folgten persönliche Gespräche und viele Informationen. „Nachdem ich mit meiner Betreuerin in Kontakt getreten war, nahm das Ganze Formen an“, erinnert sich die junge Frau. Ihr Aufenthalt war ein Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD), für den es feste Rahmenbedingungen gibt. So engagieren sich alle Freiwilligen im Vorfeld, sammeln etwa Spenden. Der Dienst wird zwar anteilig von Bundesministerien gefördert, aber das deckt die Kosten nicht ab. Nachdem Mathilde Süß sich für eine Einsatzstelle entschieden hatte, besuchte sie ein Vorbereitungsseminar und dann ging es endlich los.

Berührungsängste auflösen

Wie sie sich als Freiwillige bei Manav Sadhna einbringen konnte? „Anderen Menschen Interesse und Wertschätzung entgegenbringen“, fasst sie zusammen. Und: „Ich musste mich von Gewohnheiten lösen und lernen, meine Anforderungen an mich selbst herunterzuschrauben. Der Freiwilligendienst ist ein Geben und Nehmen zwischen Freiwilligen und Menschen vor Ort. Das Auflösen von Berührungsängsten und Vorurteilen bildet für mich letztendlich den Kern eines solchen Auslandsaufenthaltes.“

Unter anderem betreute sie einige Klassen in einer Grundschule. Drei Stunden vormittags und zwei Stunden nachmittags malte, sang, bastelte oder spielte sie mit den Kindern, die kaum ein Wort Englisch sprechen. Also lernte Mathilde Süß Gujarati. Die meisten Kinder leben unter schwierigen Umständen: „Unter den Kindern schien Gewalt manchmal die erste Lösung zu sein, mit Konflikten umzugehen“, berichtet sie. „Solche oder andere Probleme kann man als Freiwilliger aber nicht mal eben lösen. Nach und nach lernte ich, das zu akzeptieren. Eine entspannte Einstellung tut einem selbst und am Ende auch den Kindern gut!“

Mitgenommen hat sie zudem eine Entschleunigung ihres Alltags: „Ich war mir vorher sehr sicher, dass ich Psychologie studieren möchte, hätte mich aber noch während meines Indien-Aufenthalts bewerben müssen.“ Alles viel zu hektisch, entschied sie. Jetzt will sie erst einmal in Ruhe das Erlebte verarbeiten und sich dann um ihr Studium kümmern.

 

Au-pair in England

What’s for pudding?

London ist weltweit eines der belieb­testen Ziele für Au-pair-Aufenthalte. Auch Clara Hilbert verbringt derzeit ein Jahr bei einer Gastfamilie in der britischen Hauptstadt. Neben ihren Aufgaben als Au-pair hat sie noch genug Zeit, um die Metropole zu erkunden und sich mit den Feinheiten der englischen Sprache vertraut zu machen.

„Englisch ist einfach eine tolle Sprache“, schwärmt Clara Hilbert, die am liebsten Englisch auf Gymnasiallehramt studieren möchte. Daher zog es die 19-Jährige nach dem Abitur für ein Jahr ins englischsprachige Ausland. „Ich habe abgewogen, mit welchem Programm ich mich am wohlsten fühlen würde. Da es mein erster längerer Auslandsaufenthalt werden sollte, wollte ich nicht gleich in die USA oder nach Neuseeland. Auch die Option Work & Travel hat mich nicht so angesprochen, weil man ständig unterwegs ist und sich immer wieder aufs Neue einen Job organisieren muss“, erzählt sie.

Au-pair mit Familienanschluss – das klang für sie viel besser. Ihre Mutter arbeitet ehrenamtlich beim Verein für internationale Jugendarbeit (VIJ), der Au-pair-Stellen vermittelt. Der VIJ ist eine gemeinnützige und nicht kommerzielle Organisation, gehört zur evangelischen Kirche und unterhält in vielen deutschen Städten Beratungsstellen – auch in ihrer Heimatstadt Leipzig.

Schnell eingelebt

Ein Porträt-Foto von Clara Hilbert

Clara Hilbert

Foto: privat

Neben einem Bewerbungsbogen, in dem sie unter anderem ihre Hobbys und ihre Erfahrungen in der Kinderbetreuung angeben musste, schrieb sie einen Brief auf Englisch an die Gastfamilie und fügte einige Fotos hinzu. „Die Familie sollte sich einen möglichst genauen Eindruck von mir machen können“, erläutert Clara Hilbert. Für die Vermittlung musste sie lediglich eine Gebühr von 150 Euro bezahlen. Dazu kommen die Kosten für die An-und Abreise sowie für ihren Sprachkurs vor Ort.

Seit Ende August 2017 lebt sie im Westen von London, genauer gesagt in Ealing: „Obwohl Ealing nur zehn Minuten vom Zentrum Londons entfernt liegt, wirkt es überhaupt nicht wie eine Großstadt“, sagt sie. „Es gibt Pubs, kleine Läden und eine Nachbarschaft, in der man sich kennt.“ Ihre Gastfamilie hat ihr den Einstieg leicht gemacht, sich viel Zeit genommen, sie rumgeführt und ihr alles gezeigt. Sie bewohnt ein liebevoll eingerichtetes, kleines Zimmer – „knuffig und sehr gemütlich“, findet die junge Frau.

Feinheiten einer Fremdsprache

In der Familie betreut Clara Hilbert ein neunjähriges Mädchen und einen sechsjährigen Jungen. Morgens, wenn die Eltern um kurz nach 7 Uhr das Haus verlassen, packt sie die Lunchboxes für die Kinder, räumt auf und bringt die beiden um kurz vor 9 Uhr zur Schule. Die liegt nur fünf Minuten Fußmarsch entfernt.

Von 9 bis 15 Uhr hat sie Freizeit. Dreimal pro Woche besucht sie einen Sprachkurs in einem College in der Nähe. „Gerade für die Aussprache ist der Unterricht wirklich hilfreich“, betont sie. „Spannend ist auch der Austausch mit den anderen Kursteilnehmern, die aus aller Welt kommen.“ In der Familie, vor allem im Umgang mit den Kindern, lernt sie vieles, was der Unterricht nicht abdeckt. „Wenn die Kinder etwa fragen ‚What‘s for pudding?‘ bedeutet das einfach nur ‚Was gibt es zum Nachtisch?‘.“

Mit Babysitting das Taschengeld aufbessern

25 bis 30 Stunden in der Woche ist Clara Hilbert als Au-pair im Einsatz. Wie die Nachmittage verlaufen hängt von den Freizeitaktivitäten der Kinder ab. Da stehen mal Fußball, Tennis, Ballett oder Schwimmen auf dem Programm. Der Umgang mit Kindern liegt ihr: „Wenn es sich ergibt, übernehme ich hier auch gerne zusätzliche Babysitterdienste für befreundete Familien.“ So kann sie sich zu den 90 Pfund (etwa 100 Euro) Taschengeld in der Woche noch etwas für Freizeitaktivitäten hinzuverdienen. Nicht nur London ist teuer, ab und zu unternimmt sie auch Ausflüge mit anderen Au-pairs, etwa nach Cambridge. „Da Unterkunft und Verpflegung frei sind, komme ich aber wirklich gut über die Runden“, fasst sie zusammen.

 

Auszeit im Ausland – FAQ

Einmal um die Welt

Es gibt viele Mög­lich­keiten, nach dem Abitur die Welt zu er­kunden. abi>> liefert Antworten auf Fragen zu Work & Travel, Au-pair und Co.

Work & Travel

Wie funktioniert Work & Travel? Ein Land intensiv kennenlernen und zwischendurch das Konto auffüllen? Das ist das Besondere an Work & Travel. Du kannst Gelegenheitsjobs annehmen und hast die Möglichkeit, von einem Ort zum nächsten zu reisen. Außerhalb der EU ist Work & Travel in allen Ländern möglich, die ein Working Holiday Visum anbieten. (Siehe auch die Reportage „Work & Travel in Kanada“, verlinkt wird auf den Beitrag.)

An wen kann ich mich wenden? Es gibt Organisationen, die gegen einen festen Betrag ein Leistungspaket anbieten (etwa Flug, Transfer, erste Jobvermittlung, Zugriff auf Datenbanken, Ansprechpartner vor Ort, Versicherung). Anbieter findest du im Internet. Wenn du es dir zutraust, kannst du dein Work & Travel aber auch selbst organisieren.

Gibt es eine Alternative? Wwoofing ist eine besondere Work & Travel Variante, bei der man auf einem ökologischen Hof mitarbeitet. Für fünf bis sieben Stunden Arbeit am Tag erhält der Wwoofer Verpflegung und Unterkunft frei. Auf diese Weise kannst du mit einem Touristenvisum auch Länder bereisen, die kein Working Holiday Visum anbieten.

Freiwilligendienst

An wen kann ich mich wenden? Du kannst über verschiedene Organisationen in Deutschland an einem Freiwilligendienst im Ausland teilnehmen. Die Programme haben unterschiedliche Schwerpunkte wie etwa Umweltschutz oder Friedensarbeit. Angeboten werden Dienste von einigen Wochen bis zu zwölf Monaten. In der Datenbank www.rausvonzuhaus.de/Programmdatenbank sind Organisationen aufgelistet.

Sind Freiwilligendienste kostenlos? Nein. Es fallen Kosten für pädagogische Begleitung, Verwaltung, Flug und Versicherungen an, wobei die geregelten Dienste staatlich gefördert werden. Zu den geregelten Diensten zählen etwa der Europäische Freiwilligendienst (EFD), der internationale Jugendfreiwilligendienst (IJFD), sowie die Freiwilligendienste weltwärts und kulturweit. Diese Zuschüsse decken die Kosten nicht ab, daher ist es üblich, dass sich Freiwillige meist durch das Einsammeln von Spenden an den Kosten beteiligen.

Kann man einen Freiwilligendienst machen, wenn man noch nicht 18 Jahre alt ist? Bei den geregelten Programmen weltwärts, kulturweit und EFD musst du mindestens 18 Jahre alt sein. Beim Internationalen Jugendfreiwilligendienst ist als Mindestalter 16 Jahre angegeben. Aber über die Teilnahme entscheidet die jeweilige Organisation, bei der du dich bewirbst.

Au-pair

Worum geht es? Als Au-pair kannst du bei einer Gastfamilie im Ausland leben. Im Gegenzug für Unterkunft, Verpflegung und ein kleines Taschengeld hilfst du der Familie bei der Betreuung der Kinder. So profitieren alle Beteiligten voneinander und die Kosten bleiben überschaubar. Die Arbeitszeit beträgt in den meisten Fällen 30 bis 40 Stunden pro Woche.

Wie finde ich eine Stelle als Au-Pair? Es gibt in Deutschland Au-Pair-Agenturen sowohl von kirchlichen als auch von privaten Trägern. Sie beraten, vermitteln und sind auch in Notfällen erreichbar.

Workcamps

Was sind Workcamps? Das sind ungeregelte Freiwilligendienste, die keinen gesetzlich vorgeschriebenen Rahmenbedingungen unterliegen und nicht mit staatlichen Mitteln gefördert werden. Die Angebote sind mit Kosten verbunden und meist sehr flexibel: von einer Woche bis zu mehreren Monaten ist vieles möglich.


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Stand: 21.09.2019