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Rein ins Leben

Ein junger Mann trainiert einen Jugendlichen bei einer Sprungübung.
Ein FSJ eignet sich optimal zur Berufsorientierung nach dem Abitur.
Foto: Hans-Martin Issler

Freiwilligendienste im Inland

Rein ins Leben

Impulsgeber, Orientierungszeit oder Testlauf für den Wunschberuf – ein Freiwilligendienst kann vieles sein. Jedes Jahr nutzen zahlreiche Abiturienten die Chance für eine Auszeit und engagieren sich innerhalb Deutschlands freiwillig für eine Organisation, einen Verein oder eine soziale Einrichtung.

„Ich wusste nach dem Abi nicht, was ich studieren soll. Also habe ich mich für Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben. Aber das hat so nicht funktioniert“, erzählt Stefan Ermer. Um etwas Neues kennenzulernen, Zeit für sich zu gewinnen, ohne sich gleich wieder mit einer Ausbildung oder einem Studium festlegen zu müssen, entschied sich der heute 23-Jährige für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Er bewarb sich beim Berufsbildungswerk Rummelsberg nahe Nürnberg, wo Jugendliche mit Behinderung ausgebildet oder auf eine Ausbildung vorbereitet werden.

Ein Porträt-Foto von Stefan Ermer

Stefan Ermer

Foto: unbekannt

Zwölf Monate betreute er in einer Wohngruppe im angegliederten Internat Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 23 Jahren. „Einmal in der Woche war zum Beispiel Putztag. Dann habe ich die Jugendlichen motiviert, dass sie ihr Zimmer auch wirklich aufräumen.“

Anfangs spielte er noch mit dem Gedanken, Informatik zu studieren: „Durch das FSJ habe ich aber gemerkt, dass ich mich in der Rolle des Betreuers sehr wohl fühle und bekam auch die Rückmeldung, dass ich das gut kann.“ Auch aus den Bildungstagen konnte er vieles für sich mitnehmen: „Man tauscht sich mit anderen Freiwilligen aus, die in derselben Situation stecken und hat Zeit, sich Gedanken über sich selbst zu machen.“

Die Erfahrungen, die Stefan Ermer im FSJ gemacht hat, halfen ihm bei seiner Studienwahl sehr – mittlerweile studiert der 23-Jährige im dritten Semester Soziale Arbeit an der Technischen Hochschule Nürnberg und ist zufrieden mit seiner Entscheidung.

Einfach mal ausprobieren

In 2014/15 haben insgesamt 68.004 Menschen ein FSJ absolviert, davon 38.250 mit Hochschulreife. „Mit rund 56 Prozent ist deren durchschnittlicher Anteil im FSJ in den vergangenen Jahren konstant geblieben“, berichtet Stefan Malik, Sprecher des Bundesarbeitskreises FSJ. „Viele Bewerber entscheiden sich für einen Freiwilligendienst, weil sie nach der Schule eine Auszeit nehmen möchten und zudem den Wunsch haben, sich beruflich zu orientieren und etwas für den eigenen Lebenslauf zu tun“, erklärt er.

Ein Porträt-Foto von Dr. Kristin Irrgang

Dr. Kristin Irrgang

Foto: Martina Bauer

Das bestätigt auch Dr. Kristin Irrgang, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit in Bayreuth: „Man hat in einem sozial abgesicherten Rahmen Zeit, sich zu orientieren, kann den Arbeitsalltag in verschiedenen Berufe kennenlernen, sich unter Anleitung ausprobieren und herausfinden, welche Tätigkeiten zu einem passen. Vor allem bei sozialen Berufen sollte man vorab klären, ob einem die Arbeit mit kranken Menschen oder Kindern auch wirklich liegt.“

Im Unterschied zur ehrenamtlichen Tätigkeit arbeiten die Freiwilligen in Vollzeit: „Ein FSJ ist aber keine Erwerbstätigkeit. Gezahlt wird kein Gehalt, sondern ein Taschengeld“, erklärt Kristin Irrgang.

Von Kultur bis Denkmalschutz

Wer sich freiwillig engagieren möchte, hat verschiedene Formate zur Auswahl: Neben dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in den Bereichen Pflege, Kultur, Denkmalpflege, Sport, Politik, Pädagogik oder Digital, gibt es das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) sowie den Freiwilligen Wehrdienst (FWD) und den Bundesfreiwilligendienst (BFD).

Die Einsatzstelle für ein FSJ kann ein Krankenhaus, eine Kita, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, aber zum Beispiel auch ein Theater, ein Sportverein oder eine Landtagsfraktion sein. Seit ein paar Jahren gibt es zudem die Möglichkeit, in den Bereichen Wissenschaft, Technik und Nachhaltigkeit eingesetzt zu werden: „Aktuell gibt es hierfür 27 Plätze“, sagt Projektkoordinator Kai Ramin vom internationalen Jugendgemeinschaftsdienst, der diese Stellen bundesweit betreut. Wer sich für Natur- und Umweltschutz interessiert, kann im FÖJ Einblicke in diverse Arbeitsbereiche erhalten, etwa in Waldschulen, Umweltläden oder Umweltverbände. Der BFD ist für diejenigen interessant, die ihre Zukunft im sozialen Bereich sehen, also beispielsweise Lehramt oder Soziale Arbeit studieren wollen. Aber auch Abiturienten, die sich für Studiengänge im Gesundheitswesen oder das Medizinstudium interessieren, kann ein BFD helfen, den Berufswunsch zu überprüfen.

Je nach Einsatzstelle übernehmen die Freiwilligen verantwortungsvolle Hilfstätigkeiten. Sie unterstützen das Pflegepersonal in Kliniken und Wohnheimen, organisieren Freizeiten für Kinder, gehen mit Senioren spazieren, teilen Essen aus, führen Schülergruppen durch Naturschutzgebiete oder erstellen Informationsmaterialien. Dafür erhalten sie Verpflegung, manchmal auch eine Unterkunft und Taschengeld.

Bonus fürs Studium

Wer sich für ein FSJ bewirbt, muss die Vollzeitschulpflicht erfüllt haben und während der Zeit des FSJ unter 27 Jahre alt sein. Die Bewerbung erfolgt in der Regel über die regional zuständigen Träger. Das kann etwa die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz oder die Deutsche Sportjugend sein.

„Aufgrund der hohen Nachfrage ist der Einstieg bei sehr vielen Trägern das ganze Jahr über möglich. Die meisten Freiwilligen starten jedoch nach wie vor zwischen August und Oktober“, sagt Stefan Malik. Für das FSJ Kultur sind Bewerbungen nur vom 1. Januar bis 31. März eines jeweiligen Jahres möglich.
Wer sich vor Antritt des Freiwilligendienstes bereits erfolgreich um einen Studienplatz beworben hat, darf nicht benachteiligt werden. Wer sich in diesem Fall direkt nach dem Freiwilligendienst erneut für denselben Studiengang und Studienort bewirbt, wird bei der Zulassung in der Regel bevorzugt behandelt.

Auch die Verkürzung eines Dienstes ist möglich, wenn ein Freiwilliger die Zulassung einer Hochschule bekommen hat. „Das FSJ wird außerdem als Wartesemester angerechnet und bringt bei manchen Studiengängen Bonuspunkte“, ergänzt Kristin Irrgang.

Weitere Informationen

BFD und FSJ in Kultur, Bildung und Sport

Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. als bundeszentraler Träger informiert auf dieser Seite über das FSJ Kultur, FSJ Politik, FSJ Schule, den Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung und die Freiwilligendienste Kultur und Bildung International.
www.freiwilligendienste-kultur-bildung.de/start-aktuell.html

FSJ und BFD

Auf dieser Seite informieren katholische Organisationen über das Freiwillige Soziale Jahr und den Bundesfreiwilligendienst sowie über mögliche Einsatzstellen.
www.freiwilliges-jahr.de/home.html

FSJ und BFD im Sport

Hier informiert die Deutsche Sportjugend im Deutschen Olympischen Sportbund über Einsatzmöglichkeiten bei einem FSJ oder BFD im Bereich Sport.
www.freiwilligendienste-im-sport.de

Für soziales Leben e.V.

Der Verein „Für Soziales Leben e.V.“ liefert auf dieser Seite Informationen über den Bundesfreiwilligendienst sowie das Freiwillige Soziale Jahr.
www.bundes-freiwilligendienst.de

Freiwilliges Ökologisches Jahr

Hier findest du Informationen über ein Freiwilliges Ökologisches Jahr vom Bundearbeitskreis FÖJ.
www.foej.de

FSJ Pädagogik

www.fsj-paedagogik.de

Bundesfreiwilligendienst

Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben informiert hier über Voraussetzungen und Möglichkeiten rund um den Bundesfreiwilligendienst. www.bundesfreiwilligendienst.de

abi>> 10.04.2017