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„Routine ist eher die Ausnahme“

Pistole und Helm an einer Uniform
Ob Verkehrsüberwachung, Kriminalermittlungsdienste oder Spezialeinheiten wie das SEK – die Polizei bietet viele verschiedene Tätigkeitsfelder.
Foto: Martin Rehm

Berufe bei der Polizei

„Routine ist eher die Ausnahme“

Für viele ist es ein Traumberuf, doch der Einstieg in den Polizeidienst ist anspruchsvoll. Wer belastbar ist, ausgeprägte soziale Kompetenzen mitbringt und seine Arbeitszeit nicht nur am Schreibtisch verbringen will, ist bei der Polizei richtig. Ob Landespolizei, Bundespolizei oder Bundeskriminalamt: Die Einsatzfelder und Aufgaben sind vielfältig.

In der Regel sind Sylvan Bormann und seine Kollegen die ersten Ermittler, die einen Tatort betreten. Der Polizeikommissar arbeitet in Hannover im Kriminaldauerdienst (KDD). Dort ist er zuständig für die Tatortaufnahme, zum Beispiel nach Sexual- und Tötungsdelikten, Bränden, ungeklärten Todesfällen, Einbruchdiebstählen, Raub und Erpressung. Wie in den meisten Arbeitsbereichen der Polizei bedeutet das für den 28-Jährigen Schichtdienst: „Wir sind 24 Stunden, sieben Tage die Woche im Einsatz.“

Ein Porträt-Foto von Sylvan Bormann

Sylvan Bormann

Foto: privat

2007 hat sich Sylvan Bormann bei verschiedenen Länderpolizeien beworben. Die Zusage kam aus Niedersachsen. „Mein Vater ist Polizist gewesen, der Job wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Toll finde ich vor allem, wie vielseitig die Tätigkeitsbereiche sind. Nach dem Studium für den gehobenen Polizeivollzugsdienst hat man eine riesige Bandbreite von Möglichkeiten. Zur Orientierung bin ich erstmal zur Bereitschaftspolizei gegangen“, erzählt er. Nach sechs Monaten wechselte er im Rahmen einer Abordnung zur Polizeiinspektion Hannover-Mitte, wo er als Streifenbeamter in der Wache am Steintor für das Szene- und Partyviertel zuständig war. Anschließend bewarb er sich für den KDD.

Ohne Büroarbeit geht es nicht

Dank einer Weiterbildung zum Kriminaltechniker übernimmt Sylvan Bormann bei größeren Tatorten auch die Verantwortung bei der Spurensuche und -sicherung: „Dabei muss ich sehr auf Details achten. Von 250 Fingerabdrücken in einer Wohnung ist vielleicht einer vom Täter“, erklärt er. Hält er sich an einem Tatort mehrere Stunden, Tage oder sogar Wochen auf, kann das Schreiben des anschließenden Berichts eine Woche oder mehr Zeit in Anspruch nehmen. „Es gehört eben auch viel Büroarbeit dazu, die aber nah dran an der Praxis ist.“

Aktuell hat der Polizeikommissar die Arbeit im Kriminaldauerdienst für eine außergewöhnliche Station unterbrochen: die Nachwuchsgewinnung der Polizeiakademie Niedersachsen. Dort kümmert er sich um das Einstellungsverfahren für den Polizeidienst, plant Marketingmaßnahmen und organisiert Messen, auf denen sich Interessierte über die Polizeiarbeit und den Weg dorthin informieren können. Nach einem Jahr will er in seinen alten Arbeitsbereich zurückkehren.

Studium vorausgesetzt

„Ob Verkehrsüberwachung, Kriminalermittlungsdienste, Landeskriminaldienst, Bereitschafts- und Wasserschutzpolizei oder Spezialeinheiten wie das SEK, die Reiter- und Diensthundeführer- oder Hubschrauberstaffel – die Polizei bietet viele verschiedene Tätigkeitsfelder“, sagt Michael Höhne, Einstellungsberater der Polizeiakademie Niedersachsen (siehe auch die zum Thema gehörende Animation). Abiturienten können sich sowohl bei den Länderpolizeien als auch bei Bundespolizei und Bundeskriminalamt (BKA) zunächst für die Laufbahn des gehobenen Dienstes bewerben.

Wer bei einer Landespolizei arbeiten will, muss ein Studium an einer der Polizeiakademien absolvieren. In Niedersachsen dauert das Bachelorstudium für den gehobenen Polizeivollzugsdienst oder vergleichbare Qualifikationsebenen drei Jahre und ist Voraussetzung, um Polizeikommissar zu werden. „Eine andere Möglichkeit als dieses Studium gibt es nicht“, sagt Michael Höhne. „Wer besonders gute Leistungen während des Studiums und anschließend im Job vorweisen kann, hat die Möglichkeit, sich über ein weiteres Auswahlverfahren für das Masterstudium an der Deutschen Polizeihochschule in Münster zu qualifizieren und in den höheren Dienst aufzusteigen.“ Die Einstellungsvoraussetzungen für den gehobenen Polizeidienst variieren je nach Bundesland. Nach dem Studium ist ein Wechsel zwischen den Polizeien der Bundesländer nicht ohne weiteres möglich, meistens nur mit einem adäquaten Tauschpartner. (Hier geht's zum Interview mit Einstellungsberater Michael Höhne)

Verschiedene Tätigkeitsbereiche und Einsatzorte

Was reizt angehende Polizisten an dem Beruf? „Unsere Anwärter schätzen vor allem die Vielseitigkeit. Wer zum Beispiel bei der Bundespolizei arbeitet, ist nicht auf einen einzelnen Tätigkeitsbereich oder Einsatzort festgelegt“, sagt Hans-Werner Ruß, Ausbildungsleiter für den gehobenen Polizeivollzugsdienst bei der Bundespolizei im bayerischen Oerlenbach. Ob an Flughäfen, Bahnhöfen, an der Grenze oder auf See: Die Einsatzfelder für Bundespolizisten sind vielfältig. Unmittelbar nach der Ausbildung sind die Wahlmöglichkeiten allerdings begrenzt. „Man wird nicht direkt nach dem Studium Hubschrauberpilot oder kommt zur Antiterroreinheit GSG 9. Wo ein fertig ausgebildeter Bundespolizist eingesetzt wird, hängt davon ab, wo Personal benötigt wird. Das sind derzeit vor allem die Flughäfen. Später ist dann eine Spezialisierung möglich“, erläutert Hans-Werner Ruß.

Bundespolizisten sind deutschlandweit im Einsatz. Das macht den Beruf interessant, erfordert aber Flexibilität, da Wohnortwechsel häufig dazugehören. Auch Auslandseinsätze übernimmt die Bundespolizei. „Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei sind beispielsweise in Afghanistan im Einsatz und helfen bei der Ausbildung der Polizei vor Ort. In Griechenland unterstützen sie ihre dortigen Kollegen bei der Grenzüberwachung.“

Grenzsituationen gehören dazu

Was den Polizeiberuf laut Hans-Werner Ruß ausmacht, ist der ständige Kontakt zu Menschen. „Als Polizist muss man sich jeden Tag auf unterschiedliche Menschen und Situationen einstellen. Routine ist eher die Ausnahme, was ich immer sehr spannend fand.“ Der Arbeitsalltag ist selten eintönig. „Der Beruf hat aber auch Schattenseiten. Da wäre zum einen die zeitliche Belastung, die teilweise sehr hoch ist. Aktuell gibt es eine Menge Überstunden bei der gesamten Polizei. Außerdem arbeitet ein Großteil der Polizisten im Schichtdienst. Zum anderen gehört es zum Beruf, in Grenzsituationen zu geraten, die einen nicht nur emotional beanspruchen, sondern auch gefährlich sein können“, schildert er.

Zwar wird man in der Ausbildung darauf vorbereitet, geistige und körperliche Fitness sind für Bewerber dennoch unerlässlich. „Als Polizist muss man sowohl psychisch als auch physisch belastbar sein. Man braucht eine hohe Lern- und Leistungsbereitschaft. Da Polizisten so gut wie nie alleine arbeiten, gehört außerdem Teamfähigkeit unbedingt dazu. Im Arbeitsalltag merkt man schnell: Nur im Team kann man etwas erreichen“, erläutert Hans-Werner Ruß. Kontaktfreudigkeit und Kommunikationsfähigkeit sind ebenfalls wichtig: „Man muss auf Menschen zugehen können, sollte aber ein gesundes Misstrauen mitbringen. Nur so lassen sich komplizierte Sachverhalte aufklären. Da man jeden Tag mit unterschiedlichen Lebenseinstellungen, Glaubensrichtungen und kulturellen Hintergründen zu tun hat, benötigt man außerdem ein hohes Maß an Offenheit und Toleranz.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
Suchwort: z.B. Polizei

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer und der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern.

www.studienwahl.de

Die offizielle Seite der Polizei

www.polizei.de

Die Karriereseite der Bundespolizei

www.komm-zur-bundespolizei.de

Das Karriereportal des BKA

www.bka.de

BERUFE.TV: Polizeivollzugsbeamter/-beamtin im gehobenen Dienst

www.berufe.tv/studienberufe/verwaltung-und-recht/polizeivollzugsbeamt-er-in-geh-dienst/

BERUFE.TV: Bundespolizei

www.berufe.tv/studienberufe/verwaltung-und-recht/polizeivollzugsbeamt-er-in-bundespolizei-geh-dienst/

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abi>> 05.09.2016

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