Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

"Fachwissen und Erfahrung benötigt"

Altenpflegerin misst in einer Wohnstube den Puls einer älteren Dame.
Durch den demografischen Wandel steigt der Bedarf an professionellen Pflegekräften.
Foto: Martin Rehm

Interview

"Fachwissen und Erfahrung benötigt"

Warum eine zunehmende Akademisierung der Pflege-Branche wichtig ist, erklärt Johanna Knüppel. Sie ist Sprecherin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) in Berlin.

abi>> In den Pflege- und Therapieberufen ist eine zunehmende Akademisierung zu beobachten. Warum ist das so und wie ist der aktuelle Stand?

Ein Porträt-Foto von Johanna Knüppel

Johanna Knüppel

Foto: Privat

Johanna Knüppel: Auslöser für diese Entwicklung war die Globalisierung. „Pflege“ ist international in aller Regel ein akademischer Beruf mit Bachelorabschluss, in Deutschland zieht man da erst allmählich nach. Seit 2009 nimmt die Akademisierung in etlichen Gesundheitsberufen aber deutlich zu, Vorreiter sind zum Beispiel Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und die Hebammen und Entbindungshelfer.

Insbesondere die Industrieländer wollen aber auch die Qualität der Berufsausbildungen aufwerten. Es sollen vor allem mehr junge Menschen für innovative Ausbildungsformen begeistert werden.

abi>> Zu welchen Ausbildungswegen gibt es denn schon heute erste entsprechende (Modell-)Studiengänge?

Johanna Knüppel: Pflege etwa kann studiert werden. Hinzu kommen die oben genannten therapeutischen Berufe wie Physiotherapie, bei denen es ebenfalls Studienangebote gibt (Anm. d. Red.: Bei den genannten handelt es sich derzeit um Modellstudiengänge, siehe auch den Beitrag „Mit Ausbildung – oder Studium?“). Darüber hinaus sind in den vergangenen Jahren viele neue Studiengänge für Gesundheitsberufe entstanden, häufig an Akademien und Hochschulen privater Träger. Hier sollte man sehr genau hinschauen, bevor man sich entscheidet: Einige der neuen ‚Studiengänge‘ werden nicht oder nicht bundesweit anerkannt und man landet womöglich in einer beruflichen Sackgasse. Wichtig also: vorab gut beraten lassen und kritisch nachfragen.

abi>> Inwiefern ist eine weitere Akademisierung der Branche überhaupt notwendig?

Johanna Knüppel: Die Struktur der Gesellschaft und der Bevölkerung in Deutschland verändert sich. Damit ergeben sich neue Herausforderungen für das Gesundheitssystem. Versorgungssituationen werden immer komplexer – durch neue Möglichkeiten der Medizin, aber auch dadurch, dass immer mehr Menschen an chronischen Erkrankungen leiden. Deshalb muss sich die Qualifikation des Personals im Gesundheitswesen weiterentwickeln. Um die Ressourcen möglichst effizient nutzen zu können, werden eine Menge Fachwissen und Erfahrung benötigt. Versorgungsprozesse müssen gut gesteuert werden, wissenschaftliche Erkenntnisse sollten direkt beim Patienten ankommen, Maßnahmen immer wieder wissenschaftlich hinterfragt werden. Das sind Kompetenzen, die man im Studium erlernt.

abi>> Inwiefern können angehende Studierende von all diesen Entwicklungen profitieren?

Johanna Knüppel: Gerade die Pflegeberufe profitieren vom demografischen Wandel in der Bevölkerung. Immer mehr alte Menschen lassen den Bedarf an professioneller Pflege kontinuierlich steigen. Der Pflegeberuf bietet also gute Perspektiven. Und es gibt vielfältige Arbeitsfelder, die man mit akademischer Ausbildung im Laufe eines Berufslebens besetzen kann: von der Spezialisierung für bestimmte Bereiche im Krankenhaus über das Management bis hin zu kommunalen Versorgungsnetzen, dem öffentlichen Gesundheitsdienst oder einer Lehrtätigkeit.

abi>> 20.07.2015