Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Es muss nicht immer Medizin sein

Ein Krankenpfleger kümmert sich um eine Patientin.
Die Berufsaussichten in der Pflegebranche sind gut - fast eine Million Menschen waren 2014 in Deutschland in der Gesundheitspflege tätig.
Foto: Hans-Martin Issler

Berufe in Pflege und Therapie

Es muss nicht immer Medizin sein

Aufgaben werden komplexer, neue technische Möglichkeiten bei Diagnose und Therapie entwickeln sich. Das hat zur Folge, dass sich auch die Tätigkeiten im Bereich Pflege und Therapie verändern. abi>> gibt einen Überblick über ein Berufsfeld, das sich zunehmend akademisiert.

Abwechselnd studieren und in der Praxis arbeiten – das macht Lisa Foth. Die 22-Jährige studiert im vierten Semester an der Evangelischen Hochschule in Berlin den ausbildungsintegrierten, dualen Bachelor of Nursing. „Das ist eine Kombination aus dem Studiengang Pflege und einer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin“, erzählt sie. „Entschieden für das duale Studium habe ich mich, weil ich später nicht nur in der Pflegepraxis arbeiten, sondern mir beispielsweise auch die Position als Pflegedienstleitung offenhalten möchte.“

An der Hochschule stehen Anatomie, Physiologie, Biologie und wissenschaftliche Aspekte wie Pflegeforschung auf dem Stundenplan. Teil ihres dualen Studiums ist auch die praktische Arbeit in einem Klinikum, aber auch in Beratungsstellen oder der ambulanten Pflege. Am Ende wird sie zwei Abschlüsse haben: den staatlichen Ausbildungsabschluss sowie den Bachelor of Science. Anschließend möchte sie dann erst einmal in der Behindertenpflege weitere Praxiserfahrung sammeln. „Und danach würde ich gerne einen Master in Pflege- oder Sonderpädagogik dranhängen, um auch unterrichten zu können.“

Viele Berufsausbildungen – und immer mehr Studiengänge

So wie Lisa Foth streben viele Abiturienten einen Beruf in Pflege oder Therapie an, und wollen dabei auf den Trend zur Akademisierung in der Branche setzen.

Ein Porträt-Foto von Otto Pompe.

Otto Pompe

Foto: Sonja Müller

Die Einsatzorte sind dabei vielseitig und umfassen etwa Krankenhäuser, Arztpraxen, Alten- und Pflegeheime und die häusliche Pflege. „In den Bereich Pflege und Therapie führen verschiedene Wege“, sagt Otto Pompe, Berufsberater für akademische Berufe der Agentur für Arbeit Rheine. Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger, Hebamme/Entbindungspfleger, Physio- und Ergotherapeuten etwa sind klassische schulische Ausbildungen in diesem Bereich.

Aufgrund der immer komplexer werdenden Anforderungen und Tätigkeitsprofile ist allerdings eine zunehmende Akademisierung der Berufe zu beobachten. Gestiegene Qualitätsanforderungen führen außerdem dazu, dass sich Pflege und Therapie immer mehr zu Tätigkeitsfeldern von Akademikern entwickeln, so zum Beispiel im Pflegemanagement oder in der Leitung von Pflegeeinrichtungen. Der Wissenschaftsrat steckte 2012 sogar das Ziel, dass in den Pflege- und Therapieberufen künftig zehn bis 20 Prozent eines Jahrgangs auf Hochschul-Niveau ausgebildet werden sollen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Nach Zahlen des Deutschen Verbandes für Physiotherapie etwa verfügten im Jahr 2011 unter den ca. 136.000 Physiotherapeuten in Deutschland erst 2,3 Prozent über akademische Bildung.

Wichtig dabei zu wissen:

Berufliche Anerkennung und Bezahlung im späteren Beruf sind derzeit abhängig von der staatlichen beruflichen Anerkennung, die im Regelfall über den staatlichen Ausbildungsabschluss erlangt wird. Duale Studiengänge vermitteln zusätzlich theoretisches Wissen, das für weiterführende Aufgaben qualifizieren kann. Dass ein akademisches Studium den Berufszugang im Feld Pflege und Therapie eröffnet, ist in Deutschland derzeit (noch) nicht vorgesehen. Es gibt allerdings seit 2010 verschiedene „primärqualifizierende“ Modellstudiengänge, die – dank staatlicher Prüfung – den Zugang zum Beruf eröffnen (siehe dazu den Beitrag „Mit Ausbildung – oder Studium?“). Vor der Entscheidung für einen Studien- bzw. Ausbildungsweg solltest du dich also gut informieren und am besten Beratungsangebote nutzen.

Kranke oder alte Menschen zu pflegen wird eine immer komplexere Aufgabe, auch angesichts der neuen technischen Möglichkeiten bei Diagnose und Therapie. Die Anforderungen an den Beruf und auch an die Ausbildung sind in mehrfacher Hinsicht gestiegen. „Ein Studium in diesen Bereichen erweitert den Horizont“, erklärt Berufsberater Pompe diese Entwicklung. „Die Dozenten an den Hochschulen bringen ein anderes Hintergrundwissen mit.“ Vor allem aber vertiefe man im Studium seine Kenntnisse über Behandlungsmethoden und Anatomie sowie über physiologische Abläufe im Körper und wissenschaftliche Erkenntnisse. Außerdem stehen häufig weiterführende Themen auf dem Stundenplan – darunter etwa Personal- und Arbeitsrecht und betriebswirtschaftliche Aspekte. „Hochschulabsolventen erlangen so fundiertes Fachwissen.“

1 2

abi>> 20.07.2015