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Mit Ausbildung - oder Studium?

Ein Physiotherapeut lockert die Rückenverspannungen einer Patientin.
Der klassische Weg zum Physiotherapeuten führt über eine schulische Ausbildung.
Foto: Martin Rehm

Studien- und Ausbildungswege in Pflege und Therapie

Mit Ausbildung - oder Studium?

Unterschiedliche Wege führen in den Bereich Pflege und Therapie. Einige Berufe können dabei sowohl über eine Ausbildung als auch ein (duales) Studium erlangt werden. abi>> gibt einen Überblick:

Schulische Ausbildung

Der klassische Weg in Pflege- und Therapieberufe wie etwa Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, Hebamme, Heilerziehungspfleger, Physiotherapeut, Logopäde oder Ergotherapeut führt über eine schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule beziehungsweise einer Schule des Gesundheitswesens. „Als Zugangsvoraussetzung reicht die mittlere Reife, aber auch viele Abiturienten wählen diesen Weg“, sagt Otto Pompe von der Agentur für Arbeit Rheine.

Ein Porträt-Foto von Otto Pompe

Otto Pompe

Foto: Sonja Müller

„Es gibt staatliche Schulen, an denen die Ausbildung kostenfrei ist“, berichtet der Berufsberater. Zahlreiche Berufsfachschulen befinden sich jedoch in privater Trägerschaft. In diesen Fällen muss man pro Monat mit etwa 300 bis 950 Euro Schulgeld rechnen. Zur Finanzierung kann man Schüler-BAföG beantragen – wenn die Schulen die notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Ob die staatliche Beihilfe für eine Ausbildung bewilligt wird, kann man auf den Homepages der Schulen recherchieren oder direkt dort nachfragen. Da die Plätze an staatlichen Schulen begrenzt sind, bieten Privatschulen für viele eine willkommene Alternative. Man sollte sich allerdings im Vorfeld über die spätere Anerkennung des Abschlusses genau informieren.

Obwohl schulische Ausbildungen meist nicht vergütet werden, wird in manchen Pflegeberufen schon während der Ausbildungszeit ein Lohn bezahlt, der teilweise jedoch sehr gering ausfällt. „Wer etwa Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger oder Hebamme lernt, erhält eine monatliche Vergütung von rund 800 bis 1.000 Euro“, berichtet der Berufsberater.

Studium

Duale, ausbildungsintegrierte Studiengänge

Hier werden Ausbildung und Studium verbunden. Duale Studiengänge setzen das Abitur oder die Fachhochschulreife sowie einen Ausbildungsvertrag voraus. „Manchmal muss man auch erste Praxiserfahrungen vorweisen können“, berichtet Otto Pompe. „Trotz des Ausbildungsanteils fallen in der Regel nur Studiengebühren an, wenn es sich um private Hochschulen handelt.“ Entsprechende Angebote gibt es zum Beispiel für Pflege, Therapie- und Gesundheitsmanagement oder „Interprofessionelle Gesundheitsversorgung“. Auch Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Hebammenkunde kann mittlerweile dual studiert werden.

Primär- bzw. berufsqualifizierende Studiengänge

Einige wenige Studiengänge werden seit 2010 als „primärqualifizierende Modellstudiengänge“ angeboten. Hierbei findet die Ausbildung an einer Hochschule statt und integriert praktische Inhalte, deren Anteil der gesetzlich vorgegebenen Stundenzahl für die staatliche Prüfung nach den Berufsgesetzen entspricht. Kraft einer staatlichen Prüfung zum Studienende erhalten die Absolventen die Erlaubnis zum Berufseintritt.

„Der Vorteil für die Studierenden: Sie erhalten neben der staatlichen Prüfung von der Hochschule einen akademischen Abschluss verliehen (Bachelor of Science und staatlich anerkannter Physiotherapeut), sie sind also doppelt qualifiziert“, berichtet Andreas Lange, Leiter des Studiengangs „Physiotherapie“ (Bachelor of Science, 8 Semester, kostenpflichtig) an der privaten, staatlich anerkannten Hochschule Fresenius, Standort Frankfurt am Main, eine von derzeit 27 Modellstudiengangsanbietern.

Bis 2019 soll entschieden werden, ob künftig in Deutschland, wie in vielen anderen Ländern, der Zugang zum Bereich Pflege und Therapie direkt über ein Studium mit Hochschulprüfung erfolgen kann.

Aufbaustudiengänge

Sie setzen eine abgeschlossene Ausbildung und oft mehrjährige Berufspraxis voraus und qualifizieren – häufig berufsbegleitend oder mit Schwerpunkten in Management oder Pädagogik – für Leitungsfunktionen. „Häufig bauen diese Angebote auf konkrete Bachelorstudiengänge auf“, sagt Berufsberater Otto Pompe. Ein Aufbaustudium kann in Vollzeit, aber auch berufsbegleitend absolviert werden. In letzterem Fall muss man sich auf eine Doppelbelastung von Beruf und Studium einstellen.

abi>> 20.07.2015