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Treibstoff für den menschlichen Körper

Nahrungsmittel auf einem Kassenband im Supermarkt.
Gesunde Ernährung beginnt beim Eimkauf: Ernährungsberater zeigen ihren Klienten, welche Lebensmittel im Einkaufskorb landen sollten und welche sie besser im Regal stehen lassen.
Foto: Julien Fertl

Ich will was machen mit Ernährung

Treibstoff für den menschlichen Körper

Ist Zucker wirklich so schädlich? Welche Produkte sind glutenfrei? Und was steckt alles in verarbeiteten Lebensmitteln? Immer mehr junge Menschen interessieren sich für das, was sie essen – und für die beruflichen Möglichkeiten im Bereich Ernährung. abi>> hat Studien- und Ausbildungsberufe recherchiert.

Du bist, was du isst“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Dennoch ist vielen Menschen nicht bewusst, wie eng der Zusammenhang zwischen einer ausgewogenen Ernährung und einem gesunden Körper ist. Sie nehmen zu viel Zucker, ungesunde Fette und leere Kalorien zu sich, sodass sich Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes immer weiterverbreiten.

Ernährungsberater wie Rebecca Kunz versuchen, diesem Trend entgegenzuwirken. Die 23-jährige Ökotrophologin vergleicht den menschlichen Körper gerne mit einem Auto: „Auch unser Körper reagiert, wenn er den falschen Treibstoff bekommt. Wir können uns gesund oder krank essen“.

Von Brainfood bis zum Gemüsegarten

Ein Porträt-Foto von Rebecca Kunz

Rebecca Kunz

Foto: privat

Als selbständige Ernährungsberaterin führt Rebecca Kunz bei jedem Klienten, der zu ihr kommt, zunächst eine Bestandsaufnahme durch, um ihn dann beim Erreichen seiner persönlichen Ziele zu unterstützen.

Darüber hinaus hält sie Vorträge, Seminare und Workshops in Kindergärten, Schulen und Unternehmen. „In den Kindergärten zeige ich den Kleinen, welche Nahrungsmittel gesund sind. Oder ich lege beispielsweise Gemüsegärten mit ihnen an. Um Themen wie ‚Richtig trinken‘, ‚Brainfood‘ oder ‚Gesunde Snacks am Arbeitsplatz‘ geht es in Unternehmen“, erklärt sie. Um sich auf dem neuesten Stand zu halten, liest sie regelmäßig Fachartikel.

Immer neue Herausforderungen

Um sich einen Kundenstamm aufzubauen, stellte sie sich zunächst bei allen Ärzten in der Umgebung vor. „Eine professionelle Ernährungsberatung wird von den Krankenkassen unterstützt. Damit die Klienten zu mir finden, müssen mich aber die Ärzte kennen und wissen, dass ich ein entsprechendes Studium absolviert habe. Denn Ernährungsberatung ist kein geschützter Begriff“, erklärt Rebecca Kunz. Inzwischen kann sie gut von ihrer Tätigkeit leben und hat den Schritt in die Selbständigkeit nicht bereut: „Ich bin überzeugt, dass in diesem Beruf auch in Zukunft immer wieder neue Herausforderungen auf mich zukommen werden. Denn kein Klient ist wie der andere und so bleibt die Tätigkeit immer spannend.“

Die fachlichen Grundlagen für ihren Beruf erarbeitete sich Rebecca Kunz in ihrem Bachelor-Studium der Ökotrophologie an der Hochschule Fulda, in dem sie sich auf die Vertiefungsrichtung „Ernährung, Gesundheit und Lebensmittelwirtschaft“ spezialisierte.

Arbeitsmarktchancen und Einsatzfelder

Wer in das Feld der Ernährungsberatung möchte, kann sich wie Rebecca Kunz für ein Studium der Ökotrophologie entscheiden oder eine schulische Ausbildung zum Diätassistenten absolvieren. Das Studium der Ökotrophologie bietet mit entsprechender Spezialisierung aber auch die Möglichkeit, eine Stelle im Qualitätsmanagement, in der Produktentwicklung, in der Sensorik oder im Marketing eines Unternehmens im Nahrungs- oder Genussmittelbereich zu finden. Denkbar ist auch eine Anstellung bei einer Krankenkasse.

Das Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit bestätigt, dass das Berufsfeld der Ernährungsberatung mit etwa 16.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten relativ klein ist. „Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt spiegelt sich aber auch in der Ernährungsberatung wider“, merkt Claudia Suttner an. „Sowohl die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als auch die Nachfrage nach Ernährungsfachleuten ist in den letzten Jahren tendenziell gestiegen.“ Das gelte auch für Spezialisten und Experten der Lebensmitteltechnologie und Ökotrophologie. Nur die Diätassistenten seien hier eine Ausnahme: Die Beschäftigung von und die Nachfrage nach ihnen habe etwas nachgelassen. Die Zahl der Arbeitslosen, die eine Tätigkeit im Berufsfeld der Ernährungsberatung anstrebten, zeigt eine absteigende Tendenz. 1.700 Arbeitslose waren 2017 durchschnittlich registriert. 2014 lag die Zahl noch über 2.000, seitdem ist sie stetig gesunken.

Affinität zu Naturwissenschaften gefragt

Darüber hinaus gibt es in der Zubereitung, Produktion und Kontrolle von Lebensmitteln vielfältige Ausbildungs- und Studienberufe: vom Lebensmitteltechnologen, Landwirt, Winzer und Brauer bis zur Fachkraft für Süßwarentechnik. Sehr gute Einstiegs- und Zukunftsperspektiven gibt es für Menschen, die trotz zeitigen Arbeitsbeginns in den Backstuben und der geteilten Arbeitszeit in den Küchen gerne als Bäcker oder Koch arbeiten möchten. (Eine Übersicht zu Berufen rund um Ernährung findest du im Beitrag „Kochen, testen, beraten“, verlinkt wird die Übersicht.) Claudia Suttner sagt: „Der Ausbildungsmarkt in diesen Berufen ist für Suchende sehr günstig. In der Ausbildungsbilanz im Oktober sind viele Stellen unbesetzt geblieben und auch Fachkräfte werden nachgefragt.“

Und wie sieht es mit den Voraussetzungen aus? Michael Hümmer, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Fürth, meint: „Wer seine Zukunft im Bereich der Ernährungsanalyse sieht, sollte eine Affinität zur Mathematik und zu den Naturwissenschaften mitbringen. Wer gerne in der Produktion von Lebensmitteln tätig sein möchte, sollte gerne mit seinen Händen und eventuell auch im Freien arbeiten wollen. Und für beratende Berufe braucht es eine strukturierte Vorgehensweise sowie Neugier auf Menschen und Freude an der Kommunikation.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte z. B.: Ernährung, Lebensmittel)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen. (Suchwort: Ernährung)
www.kursnet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ Studiengänge in ganz Deutschland recherchieren.
www.studienwahl.de

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Umfassende Informationen zu Ernährungsthemen sowie der Fortbildung zum Ernährungsberater (Zertifikatslehrgang)
www.dge.de

Ernährungs Umschau

Das Magazin bietet Nachrichten aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zum Thema Ernährung.
www.ernaehrungs-umschau.de

Berufsverband Oecotrophologie

Der Berufsverband informiert u. a. über Studienmöglichkeiten in den Bereichen Oecotrophologie, Ernährungs-, Lebensmittel- und Haushaltswissenschaften, über Praktikumsangebote und Auslandssemester sowie über mögliche Karrierewege.
www.vdoe.de

abi>> 05.07.2018